Chaos in Ägypten

01. Juli 2013 07:35; Akt: 02.08.2013 11:07 Print

Hier wird das Büro der Muslimbrüder geplündert

Nach ihrem Sturm auf das Zentrum der Muslimbrüder in Kairo fordern Demonstranten den Rücktritt von Präsident Mursi bis Dienstag. Vier Minister seiner Regierungen nehmen schon den Hut.

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Nach schweren Auseinandersetzungen mit mindestens acht Toten am Hauptquartier der islamistischen Muslimbruderschaft in Kairo haben Demonstranten das Gebäude gestürmt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie zahlreiche Menschen am Montagmorgen in das sechsstöckige Gebäude im Osten der ägyptischen Hauptstadt eindrangen. Auch andernorts gingen die Proteste gegen Präsident Mohammed Mursi weiter. Die Demonstranten stellten ihm ein Ultimatum, bis Dienstagnachmittag zurückzutreten.

Vier Minister von Mursis Regierung haben am Montagnachmittag ihren Hut genommen, wie die Nachrichtenagentur AFP mitteilt: Die Minister für Tourismus, Umwelt, Kommunikation und Justiz haben bei Premierminister Hicham Quandil ihren Rücktritt eingereicht.

Im Fernsehen waren Bilder von zerschmetterten Fensterscheiben in der Zentrale der Muslimbruderschaft zu sehen; Rauch stieg über dem Gebäude auf. An der Frontseite des Hauses entfernte ein Demonstrant ein Schild mit dem Logo der Muslimbruderschaft, ein anderer schwenkte in triumphaler Geste von einem Fenster in einem der oberen Stockwerke aus die ägyptische Flagge.

Nach ihrem Angriff nahmen die Demonstranten unter anderem Möbel, Dokumente und Teppiche aus dem Gebäude mit. Ein Demonstrant kam mit einer Pistole aus dem Hauptquartier und übergab sie einem Polizisten.

Bereits am Sonntagabend hatte es am Sitz der Muslimbruderschaft schwere Zusammenstösse zwischen Demonstranten und Anhängern von Präsident Mursi gegeben. Junge Protestierende griffen das Gebäude mit Brandsätzen und Steinen an. Am Eingangstor des von einer Mauer umgebenen Anwesens brannte es zeitweise. Anhänger der Bruderschaft schossen auf die Angreifer. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kamen mindestens acht Menschen ums Leben.

Mindestens 16 Tote

Am Sonntag waren in Kairo und anderen Städten Hunderttausende Ägypter auf die Strasse gegangen, um Mursis Rücktritt zu fordern. Es waren die grössten Proteste in dem Land seit dem Sturz von Machthaber Hosni Mubarak im Februar 2011. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte im Staatsfernsehen, landesweit seien seit Sonntag mindestens 16 Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen, darunter die acht vor dem Gebäude der Muslimbruderschaft. Fast 800 Menschen seien verletzt worden.

Auch am Montag waren Massendemonstrationen gegen Mursi geplant. Zudem riefen die Mursi-Gegner zu Streiks auf. Ob die Gewerkschaften dem Ruf folgen würden, war zunächst unklar. Manche Demonstranten hatten in Zelten auf dem zentralen Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast in Kairo übernachtet. Die Organisatoren kündigten an, diese Stellungen halten zu wollen, bis Mursi zurücktritt. Sie stellten dem Staatschef ein Ultimatum, wonach er bis 17.00 Uhr am Dienstag zurücktreten muss. Zudem riefen die Organisatoren Polizei und Streitkräfte auf, sich hinter den Willen des Volkes zu stellen.

Sitzblockade in der Moschee

Anhänger des ägyptischen Präsidenten setzten ihre Sitzblockade vor einer grossen Moschee in Kairo fort. Tausende Islamisten hatten sich bereits am Sonntag in der Nähe des Präsidentenpalastes versammelt, um ihre Unterstützung für den umstrittenen Staatschef zu zeigen.

Die Mursi-Gegner werfen dem Präsidenten vor, seine Versprechen nicht gehalten zu haben und für einen wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich zu sein. Mursi schloss einen Rücktritt aber aus. Sollte ein gewählter Präsident zurücktreten, «wird es Leute oder Opposition auch gegen den neuen Präsidenten geben, und eine Woche oder einen Monat später, werden sie ihn zum Rücktritt auffordern», sagte Mursi der britischen Zeitung «The Guardian».

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gouddi K. am 01.07.2013 04:50 Report Diesen Beitrag melden

    unfähige Politiker

    Wenn Regierung am Volk vorbei regiert, dann soll sie gehen. Wenn Mursi-, Assad-, Erdogan und alle anderen wie sie heissen mögen nicht begreifen dass sie vom Folk nicht mehr erwünscht sind, warum können sie es nicht akzeptieren und in Frieden gehen. Es ist furchbar für die betroffenen Menschen, wie lange sollen sie noch leiden und alle diesen unfähigen Mursi-, Assad und Co ertragen...

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  • Ramona G. am 01.07.2013 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirghada

    hey weiss jemand ob in hurghada auch so ein tummult ist? meine mutter und mein bruder machen dort momentan tauchferien... ich wäre um eine antwort sehr froh...

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  • Ramses am 30.06.2013 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um Ägypten

    Tja, er wurde Demokratisch gewählt. Schön gibts wenigstens noch Erste Hilfe Zelte und wenn sie so weitermachen werden die auch verschwinden. Wem nicht mehr zu helfen ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Islam+Demokratie inkompatibel am 01.07.2013 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hr Erdogan sehen sie ganau hin

    ihen blüht das gleiche Schicksal. Den wer Stimmen kauft und Wahlen manipuliet um nacher von Demokratie zu fasseln wird in der heutigen Welt ganz schnell abgesetzt werden.

  • Denisaa am 01.07.2013 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inhalt!! 

    Muslime,islamisten,terroristen..Habend diese menschen keinen namen? Ständig unterteilt man sie mit religionen was soll das? Was soll es bei den menschen ausslösen? na, die ganze welt gegen muslime. und wer ist dran schuld? wieder die die muslime sind? wo liegt der respekt und frieden hier auf dieser welt? Das ist einer ger grössten punkt des ganzen katasrofes! Wie wollen wir frieden auf dieser welt? Man kann die menschen nicht mit ihren religionen unterteilen! Auch nicht durch ihre herkünfte! Das unreifste auf dieser welt sind die medien! Eindeutig! Die nur geld riechen..

  • Andres Schlumpf am 01.07.2013 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat Thomas Jefferson

    Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen gegossen werden.

  • Beat am 01.07.2013 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    abtreten oder chaos....

    ich bin überhaupt kein fan mursi's und der muslimbruderschaft, eine forderung "du gehst oder es kracht" ist aber sehr undemokratisch.

    • Beobachter am 01.07.2013 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      Letzte Woche

      Letzte Woche wurden vier Shias ermordet. Nur weil sie shias und keine Sunis waren. Die Polizei war da und hat zugesehen. Wenn das die zukunft ist die Mursi ansteuert kann ich die Demonstranen verstehen. Polizei die zusieht wie man Leuter einer Minderheit ermordet ist nicht vertrauenserweckend. Ausserdem, Mursi wirde mit 12 Mio Stimmen sehr knapp und mangels Alternative gewaehlt. Die opposition hat 22Mio Unterschriften gegen ihn. also fast das Doppelte.

    • The Bright Awakening am 01.07.2013 15:32 Report Diesen Beitrag melden

      ist es doch!

      Beat: wenn es das VOLK so will (nicht einzelne Interessensgesellschaften inner- und ausserhalb von Aegypten), dann ist es sehr wohl DEMOkratisch. Gut, dass die Leute langsam die Nase voll haben. Vielleicht löst sich die Religion langsam auf ... in ein paar Jahrzehnten.

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  • Walter am 01.07.2013 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit für Mursi abzudanken

    Schon bei der letzen "Revolution" habe ich grossen Respekt vor den Agyptern gewonnen. Sie sind bereit für Ihre Ziele auf die Strasse zu gehen. Viele der Demonstranten haben damals gesagt, dass es besser ist, die Muslimbruderschaft zu wählen und Mubarak loszuwerden als das alte System beizubehalten. Das war die bessere Wahl von zwei schlechten Optionen. Jetzt, zwei Jahre später wird der Weg frei um das Geschick in die eigene Hand zu nehmen und endlich Demokratie in diesem Land einzuführen. Ich bewundere die Agypter für ihren Mut. Es wird Zeit für Mursi abzudanken!