OHG92 und HG85

08. Juli 2012 07:30; Akt: 08.07.2012 08:20 Print

Kistenweise Schweizer Waffen in Syrien

In Syrien sind neue, noch gefährlichere Handgranaten aus Schweizer Produktion aufgetaucht. Die Splittergranate HG85 wird von den Rebellen eingesetzt. Sie stammt von der Ruag.

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Bilder aus Syrien: Schweizer Handgranaten in Besitz der Rebellen. (Bilder: Sonntagszeitung)

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Dass Schweizer Waffen von den syrischen Rebellen eingesetzt werden, ist seit einigen Tagen bekannt. Doch nun wird eine neue Dimension der Bestände bekannt. Die «SonntagsZeitung» legt neue Belege dafür vor, dass Schweizer Waffen im Krieg in Syrien zum Einsatz kommen. Fotos, die vergangene Woche in Hritan bei Aleppo aufgenommen wurden, zeigen Kisten mit Schweizer Handgranaten in den Händen der Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA).

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Die Fotos beweisen auch: Die FSA-Kämpfer sind nicht nur, wie bisher angenommen, im Besitz von Granaten des Typs OHG92, sondern auch des Typs HG85. Diese werden vom bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag seit 1985 produziert. Die HG85 ist eine Splittergranate, gefährlicher als die OHG92. Ein Waffenexperte der Schweizer Armee bestätigt gegenüber der «SonntagsZeitung», dass auch die neu aufgetauchte Granate aus der Produktion der Schweizer Waffenschmiede Ruag stammt.

Bundesrat untersucht

Es sei «inakzeptabel», wenn Schweizer Waffen in Kriegsgebieten landen, sagt Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gegenüber der «SonntagsZeitung». Er wolle sich darauf verlassen können, dass bei Kriegsmaterialgeschäften Abmachungen eingehalten werden. Bei allen Waffenexporten müssen sich Abnehmerländer verpflichten, dass die Waffen nicht weiter exportiert werden.

Letzte Woche veröffentlichte die «SonntagsZeitung» erste Fotos, die belegen, dass im syrischen Bürgerkrieg Waffen der Schweizer Ruag im Einsatz sind. Darauf hat die Schweizer Regierung Kriegsmaterialexporte in die Arabischen Emirate vorübergehend gestoppt. Jetzt wird der Syrien-Fall untersucht. Nach Abschluss der Untersuchung werde der Bundesrat über sein «definitives Verhältnis gegenüber den Vereinigten Arabischen Emiraten entscheiden», sagt Schneider-Ammann.

(aeg)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

So lange Waffen produziert werden, so lange werden diese auch eingesetzt. Sie sind zum Verbrauch bestimmt und finden ihren Weg immer in Kriegsgebiete. Im Nachhinein zu jammern wenn diese Waffen benutzt werden ist eine Doppelmoral. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir konsequent sein und keine Waffen mehr produzieren. Alles andere ist reine Augenwischerei. Auch an Waffen wird eben verdient und das nicht gering. – Hansruedi Röthlisberger

Ich wundere mich, dass man sich wundert. Wer Waffen exportiert, muss damit rechnen, dass sie auch eingesetzt werden. Das einzige, das hilft: keine Waffenexporte. – Thomas Jurt

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Studi am 11.07.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken anregen

    Stellt euch vor: Es gibt weltweit eine gigantische Waffenlobby mit vielen Menschen die von diesen Arbeitsplätzen abhängig sind, aber keinen Krieg mehr.

  • Dani Menzi am 11.07.2012 04:22 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig ? m

    Jegliche Art von Gebrauchs oder Verbrauchsgesgenstand ist zum ge- oder verbrauchen da , ist ja zum brüllen das sich ein Produzent eben jener welcher wundert das sie geb- oder verbraucht werden . Un schliesslich hat ja die Schweiz eine Uralte Tradition als Lieferant von Kriegsartikeln, die Schweizer waren ja früher die beste Söldner von Europa aus diesem Grund gibts ja die Schweizer Garde im Vatikan. Soviel zur humanitären Tradition der Schweiz grins

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  • Jorge Valderamos am 08.07.2012 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das wirklich inakzeptabel?

    Es ist "inakzeptabel" wenn Schweizer Waffen in Kriegsgebieten landen? Sehr geehrter Herr Schneider-Ammann, wo sollen sie denn sonst landen? Im Kindergarten? Im Bundeshaus? Was soll man denn sonst mit Waffen tun wenn nicht im Krieg gebrauchen? Wozu exportiert man diese, bzw. wozu stellt man sie überhaupt her? So ziemlich der lustigste Satz den ich heute gelesen habe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Studi am 11.07.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken anregen

    Stellt euch vor: Es gibt weltweit eine gigantische Waffenlobby mit vielen Menschen die von diesen Arbeitsplätzen abhängig sind, aber keinen Krieg mehr.

  • Leser am 11.07.2012 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Medien Schweiz?

    Es zeigt sich in der Berichterstattung die Tendenz: Assad bezeichnet die Syrer die ihn nicht mehr wollen als Rebellen - und hierzulande wird das einfach übernommen. Und tut man dies muss man auch das andere tun: diesen Leuten auch noch gleich die Berechtigung zur Selbstbestimmung nehmen. Solches Gerede riecht nach Unterstützung für Assad - und das ist verwerflich - und nicht dass die Leute sich wehren!

    • chrigi am 11.07.2012 17:24 Report Diesen Beitrag melden

      kaum

      Völlig falsch. Assad bezeichnet die Aufständischen als Terroristen, der Westen nennt sie Rebellen. Rebellen sind irreguläre Truppen, welche nicht dem herrschenden Regime dienen. Mit dieser Bezeichnung wertet man noch gar nichts. Und keinen Einfluss auf ihre Selbstbestimmung nehmen wir wenn... Genau, wenn wir gar nichts machen. Und was viele nicht zu wissen scheinen, mit reden nimmt man keinen Einfluss, was man bei der Klimadiskussion sehr gut sieht.

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  • Dani Menzi am 11.07.2012 04:22 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig ? m

    Jegliche Art von Gebrauchs oder Verbrauchsgesgenstand ist zum ge- oder verbrauchen da , ist ja zum brüllen das sich ein Produzent eben jener welcher wundert das sie geb- oder verbraucht werden . Un schliesslich hat ja die Schweiz eine Uralte Tradition als Lieferant von Kriegsartikeln, die Schweizer waren ja früher die beste Söldner von Europa aus diesem Grund gibts ja die Schweizer Garde im Vatikan. Soviel zur humanitären Tradition der Schweiz grins

    • chrigi am 11.07.2012 17:28 Report Diesen Beitrag melden

      am Thema vorbei

      Es geht nicht um den Gebrauch allgemein, sondern um den Gebrauch in Krisenregionen.

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  • Gngngngn am 10.07.2012 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    mir doch egal

    liefern wir doch dorthin, wo es Abnehmer gibt. Macht jeder Schuhverkäufer auch.

  • Freier Schweizer am 09.07.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    ist doch Egal

    Das ganze Tamtam ist völlig unnötig. Woher die Waffen kommen ist doch egal. Haupsache sie sind dort. Kommen sie nicht von der CH, dann sind sie von den USA, China oder sonst woher. Wegen ein paar Kisten HG's braucht es nicht so ein brimborium. Ausserdem sind das keine Rebellen sondern ausländische Terroristen und inländische Mitläufer. Im Hintergrund werden die Fäden von ganz wo anders gezogen. Das allgemeine Exportverbot in der CH ist wieder eine typische Überraktion und schadet unserer Wirtschaft (siehe Pilatuswerke).