Ukrainischer Aussenminister

15. Juni 2014 16:25; Akt: 15.06.2014 20:39 Print

«Ja, Putin ist ein Arschloch»

Nach dem Abschuss eines Flugzeugs mit 40 Soldaten verschärft sich der Ton zwischen der Ukraine und Russland weiter – wobei der ukranische Aussenminister sich darin vergreift.

Mehr als undiplomatisch: Der ukrainische Aussenminister Andrej Deschtschiza nennt den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor laufender Kamera ein «Arschloch». (Quelle: Youtube/RT)
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Nach dem Abschuss eines mit Soldaten besetzten Militärflugzeugs hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Vergeltung angekündigt. Er werde diejenigen bestrafen, die für die Tragödie in Lugansk verantwortlich seien, sagte er am Wochenende. Zudem droht die Ukraine Russland mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Russland unterstütze die Separatisten in der Ostukraine, lautet der Vorwurf.

Am Samstag hatten prorussische Separatisten das Flugzeug im Osten der Ukraine abgeschossen. 40 Soldaten und 9 Mannschaftsmitglieder kamen bei dem Angriff ums Leben. Bis (zum morgigen) Montag müssen die Ukraine und Russland im Gasstreit eine Lösung finden: Russland drohte, andernfalls Vorauszahlungen für weitere Lieferungen zu verlangen.

Topdiplomat vor laufender Kamera: «Ja, Putin ist ein Arschloch»

Hoffnungen auf eine Entspannung in dem seit vier Monaten andauernden Konflikt wurden durch den Abschuss einmal mehr zerschlagen. Umso mehr, als am Samstag wütende Ukraine in Kiew die russische Botschaft attackierten. Dazu stiess der ukrainische Aussenminister Andrej Deschtschiza. Er versuchte, die aufgebrachte Menge von Vadalenakten gegen die Botschaft abzuhalten.

Russland habe ein Recht auf eine Botschaft in der Ukraine, sagte er. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sagte Deschtschiza dann aber vor laufender Kamera: «Ja, Putin ist ein Arschloch.» Diese Worte kamen bei den Menschen vor Ort an: Sie wiederholten den Satz freudig und klopften dem Aussenminister auf die Schulter.

Russland forderte daraufhin den Rücktritt Deschtschizas.

Tote Grenzsoldaten in Mariupol

Der Abschuss des Militärflugzeugs in dem Konflikt ist für die ukrainischen Streitkräfte der Zwischenfall mit den meisten Toten. Poroschenko, der in seiner Antrittsrede vergangene Woche noch einen Friedensplan versprochen hatte, berief seinen nationalen Sicherheitsrat ein und erklärte den Sonntag zum Trauertag.

Er forderte eine detaillierte Analyse des Vorfalls und deutete personelle Wechsel an. In einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten François Hollande drückte er die Hoffnung aus, die Europäische Union werde weitere Sanktionen gegen Russland erheben.

Bei weiteren Kämpfen wurden in der Hafenstadt Mariupol am Samstag fünf Grenzsoldaten getötet, als ihre Wagenkolonne in einen Hinterhalt geriet.

Weitere Sanktionen wieder im Gespräch

US-Aussenminister John Kerry rief Russland auf, die Rebellen nicht weiter zu unterstützen. In einem Telefongespräch machte Kerry Druck auf seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow, Russland müsse die Lieferungen von Waffen für die Separatisten über seine Grenze beenden. Die USA werfen Russland vor, die Rebellen in der Ostukraine mit Panzern und Raketenwerfern auszustatten; die Führung in Moskau weist dies zurück.

Experte Timothy Ash von der Standard Bank PLC sagte, der Vorfall zeige, dass Russland offenbar nicht genügend tue, um die Aufständischen zu mässigen: «Ich erwarte, dass in der kommenden Woche Sanktionen in den Fokus zurückkehren werden.»

Natoaufnahmen: Panzer ohen Kennzeichen

Auch Angela Merkel und François Hollande drückten in einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Samstag ihre Sorge über die anhaltenden Kämpfe aus und forderten eine rasche Waffenruhe sowie eine Lösung im Gasstreit zwischen beiden Ländern.

Die Nato veröffentlichte am Samstag Aufnahmen, um jüngste Bewegungen russischer Panzer nahe der Grenze zu zeigen, die «erhebliche Fragen» über die Rolle Russlands aufwerfen würden. Die in der Ukraine gesichteten Panzer trügen keine Kennzeichen oder Tarnfarben wie jene, die vom ukrainischen Militär benutzt würden. Sie hätten überhaupt keine Kennzeichen. Das erinnere an die Taktik, die von «russischen Elementen» benutzt worden sei, die bei der Destabilisierung der Krim beteiligt gewesen seien.

Russland: Ukraine verletzt Grenze

Russland reagierte darauf nicht, sondern warf seinerseits dem ukrainischen Militär vor, die Grenze zu verletzen. Sollte sich das fortsetzen, würde Russland «alle nötigen Massnahmen ergreifen, um das zu unterbinden», teilte das Aussenministerium mit.

Die Ukraine und Russland setzten ihre Verhandlungen über Gaslieferungen fort. Vertreter der Konzerne Naftogaz und Gazprom trafen sich am Samstag in Kiew. Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger und der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk waren dabei.

(gux/sda)