Telefon-Mitschnitt

18. Juli 2014 12:03; Akt: 18.07.2014 13:28 Print

«Wir haben soeben ein Flugzeug abgeschossen»

Der ukrainische Geheimdienst SBU will Gespräche zwischen Separatisten abgehört haben. Lesen Sie die Protokolle, die beweisen sollen, wer Flug MH17 zum Absturz brachte.

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Die «Kiew Post» hat vom Inlandgeheimdienst der Ukraine (SBU) offenbar mehrere abgehörte Telefongespräche erhalten. Sie sollen belegen, dass die Boeing 777-200 der Malaysia Airlines von russischen Separatisten abgeschossen worden ist. Es handle sich um militante Kosaken, die sich in der Nähe des Dorfes Tschornuchin, rund 80 Kilometer nordwestlich von Donezk, aufhielten, so die Zeitung.

Das erste Gespräch wurde um 16.40 Uhr geführt – zwanzig Minuten nach dem Absturz. Die Gesprächspartner: Ein Mann namens Igor Bezler, laut SBU ein russischer Geheimdienstoffizier, der sich an der Absturzstelle befand. Bezler telefonierte mit einem vom ukrainischen Geheimdienst als Wassili Geranin identifizierten Angehörigen des russischen Militärgeheimdienstes.

Das Transskript:
Bezler: «Wir haben soeben ein Flugzeug abgeschossen. Die Gruppe Minerva. Es stürzte bei Yenakiewo im Oblast Donetsk ab.»
Grenanin: «Wo sind die Piloten?»
Bezler: «Wir suchen sie und fotografieren das Flugzeug. Es raucht.»
Grenanin: «Wie lange ist das her?»
Bezler: «Etwa 30 Minuten.»

Das nächste vom SBU abgehörte Gespräch findet rund 40 Minuten später statt. Zwei nicht näher identifizierte Separatisten telefonieren miteinander und sprechen sich mit «Major» und «Greek» an.

Hier das Transskript:
«Major»: «Es waren die Leute von Tschornuchin. Von der Strassensperre Tschornuchin. Diese Kosaken, die dort stationiert sind.»
«Greek»: «Ja, Major.»
«Major»: «Das Flugzeug brach in der Luft auseinander. In der Gegend bei der Petropavlovskaya-Mine. Wir haben den ersten 200 (Code für tote Menschen, Anm. d. Red.) gefunden. Ein Zivilist.»
«Greek»: «Was heisst das?»
«Major»: «Kurz: Es war ein Passagierflugzeug.»
«Greek»: «Sind viele Leute dort?»
«Major» (der offensichtlich eine Videoaufnahme anschaut): «Heilige Scheisse! Die Trümmer fallen direkt in die Gärten von Häusern.»
«Greek»: «Was war es für ein Flugzeugtyp?»
«Major»: «Das habe ich noch nicht überprüft. Ich war noch nicht an der Hauptabsturzstelle. Ich bin an der Stelle, wo die ersten Leichen herunterfielen. Hier gibt es Halterungen, Sitze und Leichen.»
«Greek»: «Ist von der Waffe etwas übrig?»
«Major»: «Absolut gar nichts. Es gibt nur zivile Sachen. Medizinische Gegenstände. Tücher, Toilettenpapier.»
«Greek»: «Liegen Dokumente herum?»
«Major»: «Ja, von einem indonesischen Studenten. Von einer Universität in Thompson.»

Ein drittes Gespräch fand offenbar zwischen dem Kosakenführer Nikolai Kotsitsin und einem nicht näher identifizierten Mann statt.

Das Transskript:
Mann: «Was das abgeschossene Flugzeug angeht: Es war ein ziviles Flugzeug. Abgestürzt bei Grabove. Da sind viele Leichen von Frauen und Kindern. Die Kosaken sind dort und schauen alles an. Im (russischen) Fernsehen sagen sie, es ist ein AN-26-Transportflugzeug, aber die Kosaken sagen, dass ‹Malaysia Airlines› draufsteht. Was macht es auf ukrainischem Territorium?»
Kotsitsin: «Das bedeutet, dass sie Spione an Bord hatten. Sie sollten nicht f...ing fliegen. Da herrscht Krieg.»

Die Aufnahmen des ukrainischen Geheimdienstes beweisen nicht endgültig, dass ostukrainische Separatisten das Flugzeug tatsächlich abgeschossen haben. Immerhin tobt ein Propagandakrieg zwischen der Ukraine und Russland. Beide beschuldigen sich gegenseitig, für den Absturz von Flug MH17 verantwortlich zu sein.

Sicher ist: Das Flugzeug befand sich über der Region von Donezk, als es vom Radar verschwand. Nur 17 Minuten später schrieb Rebellenführer Igor Strelkow auf dem russischen Pendant von Facebook: «Wir haben gerade eine AN-26 abgeschossen.» Dazu postete er Fotos, die jenen von der Absturzstelle des Passagierflugzeuges stark ähneln. Wenig später wurde der Eintrag gelöscht. Medien und Geheimdienste aber hatten den Eintrag bereits entdeckt und veröffentlicht. Die Ukraine meldete an diesem Tag keinen Abschuss eines ihrer militärischen Flugzeuge.

(gux)