Am D-Day

06. Juni 2014 14:42; Akt: 06.06.2014 22:30 Print

Putin spricht mit Poroschenko

Der designierte Präsident der Ukraine und der amtierende Präsident Russlands haben sich bei den Feierlichkeiten zum D-Day zum ersten Mal getroffen. Thema: Ukraine-Krise.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einen Tag vor der Amtseinführung des neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko blickt die Welt mit Spannung in die Normandie: Wird es bei den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der D-Day-Invasion zum ersten Aufeinandertreffen des designierten ukrainischen Regierungschefs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kommen?, fragten sich alle.

Tatsächlich: Die beiden Politiker haben sich unterhalten – wenn auch nur ganz kurz. 13 Minuten soll das Treffen laut der «Welt» gedauert haben. Nach Angaben der französischen Regierung brachte Frankreichs Präsident François Hollande die beiden zusammen. Laut der russischen «Gazeta» ging es vorab um die wirtschaftlichen Folgen der Ukraine-Krise. Ausserdem hätten sie über Möglichkeiten gesprochen, die Lage in der Ostukraine zu entspannen.

Putin und Poroschenko haben sich für ein rasches Ende des Blutvergiessens in der Ukraine ausgesprochen. Das teilte der Kreml nach einer kurzen Unterredung der beiden am Rande der Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie am Freitag mit.

Putin fordert sofortige Waffenruhe

«Es sollte umgehend eine Waffenruhe eintreten», sagte Putin am Freitag der Agentur Interfax zufolge im französischen Deauville. Erst dann könne ein Verhandlungsprozess beginnen, sagte Putin. «Die Verhandlungspartner in diesem Fall sollten aber nicht Russland und die Ukraine sein, weil Russland nicht an dem Konflikt beteiligt ist, sondern die Anhänger einer Föderalisierung im Osten», sagte Putin.

Das habe er auch seinen Gesprächspartnern am Rande der Feiern zum 70. Jahrestag der Truppenlandung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in der Normandie gesagt.

Putin und Poroschenko hätten vereinbart, in den kommenden Tagen über «die Modalitäten eines Waffenstillstandes» zwischen Kiew und den prorussischen Separatisten im Osten des Landes zu beraten, verlautete aus dem Umfeld des französischen Präsidenten François Hollande.

Putin äusserte sich nach dem Treffen positiv über Poroschenko. «Er gefällt mir», sagte der frühere KGB-Offizier über den Oligarchen, der an diesem Samstag seinen Amtseid ablegen will. Poroschenkos Anhänger, die erbitterte Putin-Gegner sind, dürften das Lob des Kremlchefs über den Oligarchen weniger gern hören.

Putin warnt vor Abkommen mit der EU

Zugleich warnte Putin die Ukraine erneut davor, mit der EU das geplante Assoziierungsabkommen über eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit abzuschliessen. Der Kremlchef betonte, dass Russland in diesem Fall Schritte zum Schutz seiner Wirtschaft einleiten werde. Das habe er auch Merkel und EU-Vertretern erklärt.

Ein Reuters-Reporter beobachtete, wie Putin, Poroschenko und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zusammen das Schloss von Benouville betraten und dabei miteinander sprachen. Merkel hatte sich am Vormittag mit Putin getroffen. Die französische Regierung hatte die Hoffnung geäussert, dass am Rande der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie zumindest ein Handschlag zwischen Putin und Poroschenko möglich sein würde. Ob es tatsächlich dazu kam, ist nicht bekannt (siehe Bildstrecke oben).

Jetzt warten alle auf das Treffen Obama-Putin

Putin hatte zuvor nach Monaten der diplomatischen Isolation wegen der Ukraine-Krise am Donnerstag erstmals wieder von Angesicht zu Angesicht mit dem britischen Premierminister David Cameron und dem französischen Staatschef François Hollande gesprochen. Am Freitag traf er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob es auch noch zu einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama kommt, ist unklar. Geplant ist keines.

Poroschenko wird am Samstag in Kiew ins Amt eingeführt. Dazu werden zahlreiche internationale Spitzenpolitiker erwartet, darunter US-Vizepräsident Joe Biden und der kanadische Premierminister Stephen Harper.

Bei Kämpfen in der Ostukraine gab es derweil erneut Tote. Nach Regierungsangaben kamen 15 prorussische Rebellen ums Leben. Grenzsoldaten seien im Dorf Maryniwka auf bewaffnete Männer gestossen, die von Russland aus in Lastwagen und einem Schützenpanzer versucht hätten, die Grenze zu überqueren, sagte Anton Heraschchenko, Referent von Innenminister Arsen Awakow, am Donnerstagabend. Die Angreifer seien von rund hundert Aufständischen unterstützt worden, die von der anderen Seite der Grenze aus der Ukraine gekommen seien.

Bei den Kämpfen seien fünf Soldaten verletzt worden, sagte er. Seit Wochen kämpfen Regierungstruppen im Osten des Landes gegen prorussische Aufständische, die die Regierung in Kiew als illegal ansehen.

(kmo/sda)