Ostukraine

31. Juli 2014 15:53; Akt: 31.07.2014 15:53 Print

Alltag mit Plünderungen und Pogromen

Wie sieht der Alltag für die Menschen in der Ostukraine aus? Augenzeugen berichten Schreckliches. Andere Bewohner widersprechen – auch Gegner der Separatisten.

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Auf Spurensuche in der Ostukraine: Fotos aus der umkämpften Region vermitteln ein Bild des Alltags, den die Bewohner zu bewältigen haben. In Lyssytschansk geht eine Einwohnerin nach der Gartenarbeit an ukrainischen Soldaten vorbei, die das Gewehr im Anschlag haben. Sie führt ihren Hund Gassi - fast als wäre nichts passiert. Er muss die Leiter nehmen, um wieder in seine Wohnung zu gelangen. Der Eingangsbereich ist zerstört. Und der Junge? Er spielt Krieg. In einem unterirdischen Parkhaus suchen die Menschen jeweils Schutz vor den Geschossen. Die Separatisten haben viele Menschen festgenommen. Laut der Uno werden sie gefoltert und willkürlich hingerichtet. Vor dem Donezker Militärgebäude, in dem die Menschen festgehalten werden, warten ihre Angehörigen, mit Nahrungsmitteln - und der Hoffnung, dass es ihren Lieben gut geht. Pro-russische Rebellen und ukrainische Streitkräfte haben zahlreiche Checkpoints eingerichtet. Hier durchsuchen Separatisten in der Nähe von Stromausfälle, Wassermangel und zerstörte Infrastruktur gehören auch zum Alltag in der Ostukraine. Hier eine zusammengebrochene Eisenbahnbrücke Viele Ostukrainer packen das Nötigste zusammen und fliehen aus der umkämpften Gegend. An Separatisten vorbei verlassen diese Flüchtlinge die Stadt Die Regierungstruppen haben Doch das Wasser bleibt knapp, man muss sich auf die Suche machen. «Der Laden ist leer, es gibt nichts mehr zu kaufen», steht auf dem Schild in Lebende und stumme Zeugen der Kämpfe. Ähnliche Bilder gibt es aus : Zerstörte Häuser ... ... verzweifelte Angehörige von Opfern. Das traute Heim ist eine Trümmerbude. Man bringt das Wertvollste in Sicherheit. Tod und Verwüstung auch in Doch es gibt auch friedliche und entspannte Momente, zumindest am 24. Juli im Zentrum von Donezk.

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Kiews sogenannte Anti-Terror-Operation läuft auf Hochtouren. Die ukrainischen Streitkräfte liefern sich im Osten des Landes heftige Gefechte mit den pro-russischen Separatisten. Aus den beiden Städten Slawjansk und Lisichansk wurden die Aufständischen vertrieben, Donezk ist eingekesselt.

Wie sieht der Alltag unter der Herrschaft der pro-russischen Rebellen aus? Die Uno bezeichnete die Situation in der Ostukraine diesen Montag als «Schreckensherrschaft» pro-russischer Separatisten. Um ihre Macht zu sichern, würden die bewaffneten Gruppen Menschen entführen, einsperren, foltern und exekutieren, schrieben die Vereinten Nationen in ihrem Bericht.

Eine ähnliche Sicht der Dinge liefert die Autorin Valeria Dubowa in einem Artikel der «taz»: «Die Einwohner sehen die Aufständischen als kriminelle, habgierige Bande, die die gesamte Stadt kontrolliert», schreibt sie aus Donezk.

Anders sieht es Enrique Menéndez, ein gebürtiger Spanier, der seit Jahren in der Stadt lebt: «Donezk ist sehr stark mit Russland verbunden, viele haben Verwandte jenseits der Grenze», sagt er gegenüber der «NZZ am Sonntag». Rund 70 Prozent der Einwohner unterstützen seiner Ansicht nach die Separatisten.

In Slowjansk, der von den Regierungstruppen kürzlich zurückeroberten einstigen Hochburg der pro-russischen Rebellen, hüllen sich die Menschen gegenüber Journalisten lieber in Schweigen.

Die Bilder aus ostukrainischen Städten (siehe Diashow oben) vermitteln zumindest einen Einblick in den Alltag der Menschen.

(kmo)