Flugzeugunglück in der Ukraine

18. Juli 2014 11:07; Akt: 18.07.2014 13:06 Print

Kann man die Täter überhaupt überführen?

Wurde Flug MH17 abgeschossen? Von wem? Und wer könnte derlei Waffen bedienen? Was heisst das für den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland? Viele Fragen, einige Antworten.

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Am mussten die Experten am Absturzort die Ermittlungen aus Sicherheitsgründen unterbrechen. OSZE-Ermittler klagen über schlechten Zutritt und Gefahren rund um die Absturzstelle. Gemäss der ukrainischen Regierung hätten Separatisten gar Minen auf Zufahrtsstrassen gelegt. Malaysische Flugsicherheitsexperten untersuchen Überbleibsel auf der Absturzstelle der MH17. Erste Ergebnisse der Auswertung der Blackbox haben ergeben, dass diese mit dem Abschuss durch eine Boden-Luft-Rakete übereinstimmen, wie ein Experte am Samstag, 26. Juli 2014 gegenüber CBS-News sagte. Nur ein kleines Team kann vor Ort den Absturz untersuchen, weil gleichzeitig der Konflikt zwischen ukrainischem Militär und Separatisten wogt. Das Zeitfenster für die Untersuchung schliesse sich schnell, so Experten vor Ort. Niederländische Ermittler der Polizei auf dem Weg zu den Barracken von Hilversum, wo die rund 200 Leichen von Flug MH 17 zur Identifizierung hingebracht wurden. Ein erstes Opfer konnte am Samstag, 26. Juli identifiziert werden. Alexander Chodakowski bestätigte im Interview mit Reuters, dass die Rebellen im Besitz eines BUK-M-Raketensystems waren. Gegenüber Russia Today soll er seine Aussage am widerrufen haben. Bei der Eröffnung der Commonwealth-Spielen im schottischen Glasgow durch die britische Königin Elizabeth II. ist mit einer Schweigeminute der Opfer des Flugzeugabsturzes im Osten der Ukraine gedacht worden. Von den 298 Menschen die beim Absturz ums Leben kamen, stammten 82 aus Commonwealth-Staaten. König Willem-Alexander und Königin Maxima ambei der Ankunft der ersten Opfer des MH17-Absturzes am Flughafen in Eindhoven NL. 40 Särge wurden mit Militärflugzeugen aus der Ukraine nach Holland gebracht. Kinder spazieren am an einem Wrackteil vorbei, dass laut Spezialisten Spuren von Schrapnell aufweist. Diese deuten auf einen Einschlag von einer durch ein SA-11 Buk-System abgefeuerte Rakete hin. Viele Körper von Insassen der abgestürzten Malaysia-Airlines-Maschine dürften nach Einschätzung des australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott verschollen bleiben. Es sei möglich, dass noch Leichen auf dem Trümmerfeld in der Ostukraine in der Sommerhitze lägen, sagte Abbott am 23. Juli. In Charkow ist den Opfern vor dem Rücktransport nach Eindhoven mit einer Trauerfeier gedacht worden. Blumen am Flughafen von Charkow. Wie Welt.de berichtet, richtet sich die Wut der niederländischen Bevölkerung gegen Putins Tochter, die mit einem Niederländer verheiratet ist. Vitaly Nayada, der ukrainische Geheimdienstdirektor, gibt Russland die Schuld am Abschuss. Ein in Russland trainierter, gut ausgebildeter Offizier habe den Knopf der Rakete gedrückt, die die MH 17 traf. Der Leichentransport ist am Vormittag des in Charkow eingetroffen. Die Kühlwagen sind mit Schaum versiegelt. Die Leichen der Absturzopfer sollen an eine niederländische Delegation übergeben und später per Flugzeug nach Amsterdam gebracht werden. In den Waggons befinden sich etwa 280 Leichen. In Kuala Lumpur gehen die Menschen auf die Strasse. Sie wollen Gerechtigkeit für die Opfer des Absturzes und betonen auf Transparenten, dass Malaysia sich nie auf eine Seite im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine geschlagen habe. , dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde: In der Mitte dieses Wrackteils ist ein klaffendes Loch erkennbar, umgeben von kleineren Löchern und Brandflecken. Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben am die Flugschreiber der abgestürzten Boeing-Passagiermaschine an malaysische Experten übergeben. Eine Luftaufnahme zeigt die Absturzstelle des Passagierflugzeugs MH17 nahe dem ostukrainischen Dorf Grabove. Wird hier die Blackbox der abgestürzten Maschine gefunden? Während einer Live-Übertragung des Fernsehsenders Sky News vom Sonntag war zu sehen, wie ein Rettungshelfer einen orangefarbenen Gegenstand über das Feld trägt. Die 196 Leichen, die an der Absturzstelle geborgen wurden, sollen in diesem Güterzug liegen. Die Leichen werden abtransportiert. Die ukrainische Regierung wirft den Aufständischen vor, mit Lastwagen Wrackteile über die russische Grenze bringen zu wollen. Alexander Hug, stellvertretender Leiter der OSZE-Mission (M.) mit Vertretern der Mission sowie Separatisten an der Absturzstelle nahe des Dorfes Hrabove am 18. Juli. Gepäckstücke der Insassen der abgestürzten MH 17: Ein prorussischer Separatist zeigt ein Stofftier. Rebellen bei den Trümmern des abgestürzten Flugzeugs. US-Präsident Barack Obama sieht im Absturz der Maschine eine «globale Tragödie». Am Tag nach dem Absturz, am 18. Juli, suchen Helfer nach den Leichen der 298 Insassen. Ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines ist in der Ukraine abgestürzt. Das Flugzeug stürzte auf dem von Separatisten kontrollierten Gebiet ab. Unfallermittler sollen einen sicheren Zugang zur Absturzstelle erhalten, garantieren die Separatisten. Alle Insassen - 280 Passagiere und 15 Crew-Mitglieder - sind ums Leben gekommen. Das Flugzeug wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit abgeschossen. Russland und die Ukraine weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Unter den Passagieren waren offenbar Niederländer, Amerikaner, Franzosen, Briten und Belgier. Die Bergung der Maschine werde dadurch erschwert, dass die Trümmer in grossem Umkreis verstreut seien, so der Sprecher des Notfalldienstes, Sergej Botschkowski. Der «Premierminister» der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai (M.), bei der Absturzstelle der MH 17. Die Boeing 777 war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. An der Absturzstelle liegen die Pässe der Passagiere. Ein Passagier hat vor dem Abflug in Amsterdam ein Foto von der Unglücksmaschine gepostet und schrieb auf Facebook dazu: «Für den Fall, dass sie verschwinden sollte ...» Eine Angehörige trauert um die Opfer. Angehörige der Passagiere werden von Flughafen-Mitarbeitern des Flughafens Schipol in Amsterdam in einen separaten Bereich gebracht. Mit Blumen und Kerzen gedenken die Menschen vor der niederländischen Botschaft in Kiew der Opfer der Flugzeug-Katastrophe.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit der Nachricht vom Absturz von Flug MH17 der Malaysia Airlines in der Ostukraine gibt es eine Fülle unbestätigter Berichte und wenig gesicherter Informationen. Ein Überblick darüber, welche wichtigen Fragen geklärt sind – und welche noch offen sind.

Was ist passiert?

Flug MH17, eine Boeing 777 der Malaysia Airlines, ist von Amsterdam auf dem Weg in die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur im Westen der Ukraine abgestürzt. Malaysia Airlines bestätigte gestern Abend, den Kontakt zu dem Flugzeug über der Ukraine verloren zu haben. Gemäss der Fluggesellschaft waren 280 Passagiere und 15 Crewmitglieder an Bord von Flug MH17. Es gibt keine Überlebende. Das Flugzeug war auf einer Route unterwegs, die seit Wochen täglich in Betrieb ist. Flüge über Konfliktzonen sind nichts Ungewöhnliches, und das ukrainische Gebiet, über das das Flugzeug flog, galt bislang als sicher. Verschiedene Fluggesellschaften haben jetzt mitgeteilt, dass sie den ukrainischen Luftraum nach dem Vorfall umfliegen werden.

Wo ist das Flugzeug abgestürzt?
Im Osten der Ukraine, rund 50 Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt (Karte). Die Region gilt als Separatistengebiet. Wie Roland Bless, Sprecher der Schweizer OSZE-Präsidentschaft in Wien, gegenüber 20 Minuten sagte, hatten die Mitglieder der OSZE-Kontaktgruppe für die Ukraine im Rahmen ihrer Vermittlungstätigkeit im Ukrainekonflikt zu diesem Gebiet bislang keinen Zugang. Die russischen Separatisten sagten der OSZE jetzt einen ungehinderten Zugang zum Flugzeugwrack zu.

Wurde das Flugzeug abgeschossen?
US-Experten gehen davon aus, dass das Flugzeug mit einer Boden-Luft-Rakete auf einer Höhe von 9100 Metern abgeschossen wurde – aber nach wie vor gibt es dafür keine offizielle Bestätigung. Die ukrainische Regierung geht davon aus, dass eine Rakete von einer sowjetischen Buk-M1-Batterie abgeschossen wurde. Die Ukraine hat rund 60 solche Flugabwehrsysteme.

Hat sich der Seperatistenführer verplappert?
Der aus Moskau stammende Rebellenführer Igor Strelkow meldete wenige Minuten nach dem Unglück auf seiner Seite im sozialen Netzwerk «VKontakte», dass seine Leute eine ukrainische Militärmaschine abgeschossen hätten. Dazu postete er Bilder einer gewaltigen Rauchsäule von der Absturzstelle. Seinen Eintrag hat Strelkow inzwischen gelöscht. Doch die Medien waren schneller: So meldeten die Nachrichtenagentur RIA Novosti und weitere russische Medien unter Verweis auf die Rebellen zunächst den Abschuss einer ukrainischen militärischen Transportmaschine. Dass es sich nicht um einen Transporter, sondern um ein ziviles Flugzeug handelte, kam wenig später heraus.

Können die Täter bei einem Abschuss überhaupt überführt werden?

Die russischen Separatisten bestreiten, etwas mit dem Abschuss zu tun zu haben. Vor einem Monat soll der russische Separatisten-Führer Ponomarew aber damit geprahlt haben, bei einem Angriff auf Lugansk ein Buk-Flugabwehrsystem in die Hände bekommen zu haben. Sicher ist: Anhand von Satelliten-Aufnahmen lässt sich bislang nicht feststellen, wo genau die Raketen abgefeuert wurden. Sicher ist nur: Es geschah im Gebiet der russischen Seperatisten. Nach wie vor sind die Berechnungen über den genauen Abschussort der Rakete im Gange.

Können russische Separatisten solche Waffen bedienen?

In den letzten Tagen haben die Separatisten wiederholt über Abschüsse ukrainischer Kampf-Jets, Transportmaschinen und Helikopter triumphiert. Dies waren allerdings alles Maschinen, die unter der Flughöhe eines Linienflugzeugs flogen. Die Separatisten behaupteten allerdings auch, ein sowjetisches BUK-Flugabwehrsystem erbeutet zu haben. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Nur die Gewissheit, dass dieses Lenkwaffensystem Ziele in Höhe von bis zu 25'000 Metern treffen kann.

Waren Schweizer an Bord der Maschine?
Das EDA informierte gestern Abend, dass Abklärungen im Gange seien. An Bord der Maschine sollen sich viele Holländer befunden haben. Auch ein bekannter holländischer Aids-Forscher, Joep Lange, war in der Maschine. Er sollte nächstes Wochenende auf einem Kongress in Melbourne einen Vortrag halten. Unbestätigten Medienberichten zufolge waren 80 Kinder an Bord der Maschine.

Was, wenn das Flugzeug tatsächlich abgeschossen wurde?

Der seit Monaten eskalierende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine dürfte Beobachtern zufolge dann restlos eskalieren. Die Kämpfe in der Region dürften intensiviert werden und sich ausweiten. Mit einem Abschuss eines malaysischen Flugzeugs würde der Konflikt einen internationalen Aspekt bekommen.

Wer tut jetzt was?
Premierminister Najib Rakaz kündigte an, dass die malaysische Regierung den Vorfall untersuchen werde. US-Präsident Barack Obama sprach gestern Nacht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die USA bestehen darauf, dass neutrale Ermittler an der Unglücksstelle zugelassen werden. Washington ist besorgt, dass Beweise vor Ort manipuliert werden könnten. Russland besteht darauf, an der Untersuchung des Unglückes mitzuwirken. Die USA haben die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) unter dem Vorsitz des Schweizer Bundesrates Didier Burkhalter gestern Nacht kontaktiert und sie aufgefordert, sich möglichst schnell einzuschalten. Die USA und die Nato fordern eine internationale Untersuchung. Wer diese leiten würde, ist unklar. Rechtlich gesehen ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall zu untersuchen, da er auf ukrainischem Staatsgebiet stattfand. Angesichts des monatelang andauernden Propagandakrieges zwischen der Ukraine und Russland liefe man aber Gefahr, dass die Untersuchungsergebnisse stark verzerrt würden.

(gux)