Ukraine-Konflikt

13. Juli 2014 17:00; Akt: 14.07.2014 11:39 Print

Krise fordert erstes Opfer in Russland

In der Ostukraine nehmen sich Separatisten und Militär weiter unter Beschuss. Eine Granate schlug offenbar in Russland ein. Moskau wie auch Kiew sprechen von einer «Provokation».

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Die Zahl der Toten bei den Kämpfen in der Ostukraine steigt. Bei heftigem Beschuss eines Viertels in dem Ort Marjinka wurden mehrere Menschen getötet, viele flohen in Richtung der Millionenstadt Donezk. Eine ukrainische Granate schlug nach russischen Agenturberichten am Sonntag in einer russischen Ortschaft im Grenzgebiet ein und tötete einen Menschen. Der Vorfall könnte den Konflikt zwischen Moskau und Kiew verschärfen. Die Ukraine macht jedoch die Separatisten dafür verantwortlich.

Die Granate schlug den Angaben zufolge im Hinterhof eines Wohnhauses in Donezk ein. Die Stadt liegt nahe an der Grenze und ist nicht weit von der von Separatisten gehaltenen ukrainischen Stadt Lugansk entfernt. Der stellvertretende russische Aussenminister Grigori Karassin kündigte in einem Radiointerview eine «angemessene Reaktion» an, ging aber nicht näher darauf ein. Das Ministerium drohte mit «unumkehrbaren Konsequenzen», die Verantwortung liege auf der ukrainischen Seite.

«Ukrainische Streitkräfte schiessen nicht in Wohngebiete»

Andrej Lysenko, Sprecher des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, machte die Aufständischen für den Beschuss verantwortlich und sprach von einer Provokation. Die ukrainischen Streitkräfte würden nicht über die Grenze und nicht in Wohngebiete schiessen, sagte er.

Russland hat in den vergangenen Wochen mehrfach den Beschuss von Siedlungen auf seiner Seite der Grenze gemeldet. Von Toten war dabei aber bislang nicht die Rede gewesen. Die Regierung in Kiew und westliche Staaten werfen Russland vor, die Separatisten in der Ostukraine über die Grenze mit Nachschub zu versorgen.

Poroschenko sagte Reise ab

Ein Treffen des ukrainischen Staatschefs Petro Poroschenko und des russischen Präsidenten Wladimir Putin beim Finale der Fussball-WM in Brasilien blieb aus. Poroschenko sagte eine spontan anberaumte Reise kurzfristig wieder ab, weil die Lage im Land es ihm nicht erlaube.

Artilleriegranaten trafen am Samstag indes vier Wohnblocks in dem westlich der Stadt Donezk gelegenen Marjinka. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Unklar war, von welcher Seite der Beschuss kam. Eine Einwohnerin, Walentina Michailowna, sagte:«Selbst die Faschisten haben nicht das getan, was sie getan haben. So viele friedliche Bürger, sehen Sie, was passiert ist: tote, tote, tote Menschen.»

Die Zahl der auf der Sanktionsliste stehenden Menschen steigt auf 72

AP-Journalisten hörten noch am Samstagmittag Mörserfeuer. Es schien, dass prorussische Rebellen manchmal aus dem Wohngebiet auf ukrainische Regierungstruppen feuerten, die daraufhin zurückschossen. Bei den Kämpfen im Osten der Ukraine sind bisher mehr als 400 Menschen getötet worden, Zehntausende flohen aus ihren Häusern, viele über die russische Grenze.

Die EU belegte am Samstag elf Führungsmitglieder der prorussischen Rebellen mit Sanktionen. Mit Kontensperrungen und Einreiseverboten wurden unter anderem Alexander Borodaj, Chef der selbst ausgerufenen Volksrepublik Donezk, und Marat Baschirow aus der ebenfalls einseitig für unabhängig erklärten Volksrepublik Lugansk bestraft. Damit steigt die Zahl der auf der Sanktionsliste stehenden Menschen auf 72. Die EU-Botschafter hatten die neuen Strafmassnahmen am Mittwoch beschlossen.

(sda)