MH17-Absturz

27. Juli 2014 06:21; Akt: 27.07.2014 09:47 Print

«Den Geruch des Todes vergisst man nicht»

Besser, aber noch immer kompliziert: So beschreibt der Schweizer OSZE-Mann Alexander Hug die Arbeit in der Ukraine. Die schrecklichen Eindrücke vom Absturzgebiet blieben im Kopf.

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«Unsere Zusammenarbeit hat mit den Rebellen hat sich verbessert», sagte Hug in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Die Verhandlungen seien aber trotzdem kompliziert. Sobald es in Gespräche um die Absturzursache gehe, werde es «sehr sensitiv».

«Wir stehen jetzt täglich in Kontakt miteinander, um unseren Zugang zum Absturzort sicherzustellen», sagte Hug. «Dadurch entstehen mehrmals täglich temporäre Waffenruhen, und das führt auf gewissen Achsen zu einer Stabilisierung.» Das sei positiv.

Leichen lagen so lange unter freiem Himmel

Kontakt haben die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) laut Hug um die Zugangsrouten zum Absturzort «Meter für Meter» abzusprechen. Dazu seien Verhandlungen mit verschiedenen Rebellenführern nötig, welche den OSZE-Vertretern dank der Präsenz in der Region seit März mittlerweile bekannt seien.

Den OSZE-Mitarbeitern und ihm selbst habe es in den letzten Tage zu schaffen gemacht, dass die Leichen im Absturzgebiet so lange unter freiem Himmel gelegen seien. «Es war eine Erleichterung, als wir aus Holland die Bilder sahen, wie die sterblichen Überreste der Opfer endlich ihren Weg nach Hause fanden.»

«300 unschuldige Zivilisten auf engstem Raum»

Hug spricht von schwer zu verarbeitenden Bildern am Absturzort: «Ich war in vielen Krisenregionen, aber dass fast 300 unschuldige Zivilisten auf engstem Raum liegen, dazu noch so viele Kinder, das habe ich noch nie erlebt. Dass kann man nicht verstehen.»

Trotz aller Strategien und Massnahmen, die den Beobachtern zur Verarbeitung der Eindrücke helfen sollen, sagt Hug: «Die Bilder und Gerüche werden lange bleiben. Auch bei mir. Den Geruch des Todes vergisst man nicht.»

(ann/sda)