MH17

25. Juli 2014 04:12; Akt: 25.07.2014 16:57 Print

Ermittler offenbar von Unglücksstelle verjagt

Offenbar lassen die Separatisten die Ermittler am Absturzort von Flug MH17 immer noch nicht uneingeschränkt operieren. Unterdessen wurde ein neues Wrackteil gefunden.

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Die leitenden Ermittler der Ukraine und der Niederlande haben am Donnerstag bemängelt, dass Separatisten die Arbeiten an der Unglücksstelle des Flugzeugabsturzes in der Ukraine behindern. Nach Angaben der OSZE habe es zwar keine Zwischenfälle gegeben, doch von ukrainischen Behörden ist zu vernehmen, dass Ermittler von der Unglücksstelle verjagt worden seien.
(Video: Reuters)

Dem schloss sich der Leiter der niederländischen Polizeimission, Jan Tuinder, an: «Es gibt dort immer noch Verrückte, sodass es sehr schwer ist, zu den Leichen vorzudringen. Sie bezeichnen Sie als Terroristen, aber für mich sind es Kriminelle. Aber das kommt in etwa aufs Gleiche raus.»

Wrackteil «wie aus dem Nichts» aufgetaucht

Unterdessen haben Ermittler ein weiteres grosses Wrackteil gefunden. Es scheint «wie aus dem Nichts» aufgetaucht zu sein, berichtet ein Sprecher der Beobachtermission der OSZE laut australischen Medienberichten. Auch weitere Leichen wurden gefunden.

Die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten unter anderem australische Ermittler in das Absturzgebiet begleitet. Die Ermittler - darunter zwei australische Diplomaten und ein Forensiker - seien zunächst nicht dafür ausgerüstet gewesen, die Leichen zu bergen, berichteten der Fernsehsender ABC und die Zeitung «Sydney Morning Herald» am Freitag.

Bei dem neu entdeckten Wrackteil handelt es sich demnach um ein Teil des Rumpfes, in dem Sitze und Fenster noch intakt waren. Es sei plötzlich in einem dichten Waldstück unweit der anderen Wrackteile aufgetaucht, sagte Michael Bociurkiw von der OSZE-Beobachtermission dem australischen Sender ABC.

Persönliche Gegenstände der Piloten im Cockpit

«Es schien fast so, als sei es wie aus dem Nichts erschienen, denn es waren keine abgebrochenen Äste oder ähnliche Anzeichen zu sehen, die darauf hinweisen, dass ein grosses Stück Rumpf dort zu Boden gefallen ist», sagte Bociurkiw.

Auf besonderes Interesse bei den Ermittlern sei das Cockpit der abgestürzten Boeing 777-200 gestossen. Dort seien «sowohl persönliche als auch professionelle Gegenstände der Piloten» noch vorhanden.

In dem Absturzgebiet sei nach dem Fund der neuen Leichen und Leichenteile eine detaillierte Überprüfung des Geländes vonnöten, um sicherzustellen, dass nichts übersehen werde, sagte Bociurkiw weiter.

Keine Sicherheitsgarantien

Angesichts der Rufe nach einer internationalen Polizeitruppe am Absturzort wollten die Separatisten diese Option nicht kategorisch ausschliessen. «Wenn sich Malaysia, Australien oder die Niederlande an uns wenden, werden wir den Vorschlag natürlich prüfen», sagte Sergej Kawtaradse von der «Volkswehr» in Donezk.

Die Aufständischen könnten die Sicherheit ausländischer Polizisten in der Kampfzone allerdings nicht garantieren. Kawtaradse wies Vorwürfe zurück, die Separatisten würden Ermittlungen und Sucharbeiten behindern. «Wir wollen Plünderungen verhindern und neutrale Untersuchungen ermöglichen», behauptete er.

Bei dem Absturz der Boeing der Malaysia Airlines über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine waren vor einer Woche 298 Menschen getötet worden. Die meisten stammten aus den Niederlanden. Dorthin wurden auch die Opfer überführt.



(sda)