Flugzeugabsturz in der Ukraine

30. Juli 2014 15:40; Akt: 30.07.2014 17:17 Print

Separatisten verminen Wege zum Absturzort

Eine baldige unabhängige Untersuchung des mutmasslichen Abschusses der Passagiermaschine wird immer unwahrscheinlicher. Laut Kiew tun die Rebellen alles, um das zu unterbinden.

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Am mussten die Experten am Absturzort die Ermittlungen aus Sicherheitsgründen unterbrechen. OSZE-Ermittler klagen über schlechten Zutritt und Gefahren rund um die Absturzstelle. Gemäss der ukrainischen Regierung hätten Separatisten gar Minen auf Zufahrtsstrassen gelegt. Malaysische Flugsicherheitsexperten untersuchen Überbleibsel auf der Absturzstelle der MH17. Erste Ergebnisse der Auswertung der Blackbox haben ergeben, dass diese mit dem Abschuss durch eine Boden-Luft-Rakete übereinstimmen, wie ein Experte am Samstag, 26. Juli 2014 gegenüber CBS-News sagte. Nur ein kleines Team kann vor Ort den Absturz untersuchen, weil gleichzeitig der Konflikt zwischen ukrainischem Militär und Separatisten wogt. Das Zeitfenster für die Untersuchung schliesse sich schnell, so Experten vor Ort. Niederländische Ermittler der Polizei auf dem Weg zu den Barracken von Hilversum, wo die rund 200 Leichen von Flug MH 17 zur Identifizierung hingebracht wurden. Ein erstes Opfer konnte am Samstag, 26. Juli identifiziert werden. Alexander Chodakowski bestätigte im Interview mit Reuters, dass die Rebellen im Besitz eines BUK-M-Raketensystems waren. Gegenüber Russia Today soll er seine Aussage am widerrufen haben. Bei der Eröffnung der Commonwealth-Spielen im schottischen Glasgow durch die britische Königin Elizabeth II. ist mit einer Schweigeminute der Opfer des Flugzeugabsturzes im Osten der Ukraine gedacht worden. Von den 298 Menschen die beim Absturz ums Leben kamen, stammten 82 aus Commonwealth-Staaten. König Willem-Alexander und Königin Maxima ambei der Ankunft der ersten Opfer des MH17-Absturzes am Flughafen in Eindhoven NL. 40 Särge wurden mit Militärflugzeugen aus der Ukraine nach Holland gebracht. Kinder spazieren am an einem Wrackteil vorbei, dass laut Spezialisten Spuren von Schrapnell aufweist. Diese deuten auf einen Einschlag von einer durch ein SA-11 Buk-System abgefeuerte Rakete hin. Viele Körper von Insassen der abgestürzten Malaysia-Airlines-Maschine dürften nach Einschätzung des australischen Ministerpräsidenten Tony Abbott verschollen bleiben. Es sei möglich, dass noch Leichen auf dem Trümmerfeld in der Ostukraine in der Sommerhitze lägen, sagte Abbott am 23. Juli. In Charkow ist den Opfern vor dem Rücktransport nach Eindhoven mit einer Trauerfeier gedacht worden. Blumen am Flughafen von Charkow. Wie Welt.de berichtet, richtet sich die Wut der niederländischen Bevölkerung gegen Putins Tochter, die mit einem Niederländer verheiratet ist. Vitaly Nayada, der ukrainische Geheimdienstdirektor, gibt Russland die Schuld am Abschuss. Ein in Russland trainierter, gut ausgebildeter Offizier habe den Knopf der Rakete gedrückt, die die MH 17 traf. Der Leichentransport ist am Vormittag des in Charkow eingetroffen. Die Kühlwagen sind mit Schaum versiegelt. Die Leichen der Absturzopfer sollen an eine niederländische Delegation übergeben und später per Flugzeug nach Amsterdam gebracht werden. In den Waggons befinden sich etwa 280 Leichen. In Kuala Lumpur gehen die Menschen auf die Strasse. Sie wollen Gerechtigkeit für die Opfer des Absturzes und betonen auf Transparenten, dass Malaysia sich nie auf eine Seite im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine geschlagen habe. , dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde: In der Mitte dieses Wrackteils ist ein klaffendes Loch erkennbar, umgeben von kleineren Löchern und Brandflecken. Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben am die Flugschreiber der abgestürzten Boeing-Passagiermaschine an malaysische Experten übergeben. Eine Luftaufnahme zeigt die Absturzstelle des Passagierflugzeugs MH17 nahe dem ostukrainischen Dorf Grabove. Wird hier die Blackbox der abgestürzten Maschine gefunden? Während einer Live-Übertragung des Fernsehsenders Sky News vom Sonntag war zu sehen, wie ein Rettungshelfer einen orangefarbenen Gegenstand über das Feld trägt. Die 196 Leichen, die an der Absturzstelle geborgen wurden, sollen in diesem Güterzug liegen. Die Leichen werden abtransportiert. Die ukrainische Regierung wirft den Aufständischen vor, mit Lastwagen Wrackteile über die russische Grenze bringen zu wollen. Alexander Hug, stellvertretender Leiter der OSZE-Mission (M.) mit Vertretern der Mission sowie Separatisten an der Absturzstelle nahe des Dorfes Hrabove am 18. Juli. Gepäckstücke der Insassen der abgestürzten MH 17: Ein prorussischer Separatist zeigt ein Stofftier. Rebellen bei den Trümmern des abgestürzten Flugzeugs. US-Präsident Barack Obama sieht im Absturz der Maschine eine «globale Tragödie». Am Tag nach dem Absturz, am 18. Juli, suchen Helfer nach den Leichen der 298 Insassen. Ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines ist in der Ukraine abgestürzt. Das Flugzeug stürzte auf dem von Separatisten kontrollierten Gebiet ab. Unfallermittler sollen einen sicheren Zugang zur Absturzstelle erhalten, garantieren die Separatisten. Alle Insassen - 280 Passagiere und 15 Crew-Mitglieder - sind ums Leben gekommen. Das Flugzeug wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit abgeschossen. Russland und die Ukraine weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Unter den Passagieren waren offenbar Niederländer, Amerikaner, Franzosen, Briten und Belgier. Die Bergung der Maschine werde dadurch erschwert, dass die Trümmer in grossem Umkreis verstreut seien, so der Sprecher des Notfalldienstes, Sergej Botschkowski. Der «Premierminister» der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai (M.), bei der Absturzstelle der MH 17. Die Boeing 777 war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. An der Absturzstelle liegen die Pässe der Passagiere. Ein Passagier hat vor dem Abflug in Amsterdam ein Foto von der Unglücksmaschine gepostet und schrieb auf Facebook dazu: «Für den Fall, dass sie verschwinden sollte ...» Eine Angehörige trauert um die Opfer. Angehörige der Passagiere werden von Flughafen-Mitarbeitern des Flughafens Schipol in Amsterdam in einen separaten Bereich gebracht. Mit Blumen und Kerzen gedenken die Menschen vor der niederländischen Botschaft in Kiew der Opfer der Flugzeug-Katastrophe.

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Knapp zwei Wochen nach dem mutmasslichen Abschuss der Passagiermaschine über der Ostukraine haben internationale Beobachter einen weiteren Versuch abgebrochen, zur Absturzstelle zu gelangen. Grund waren Sicherheitsbedenken in der heftig umkämpften Region. Die Sorgen wurden durch die Aussage eines ukrainischen Regierungssprechers noch verstärkt, wonach die prorussischen Separatisten die Zugangswege vermint haben.

«Das macht die Arbeit für internationale Experten unmöglich», sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lysenko. Die ukrainische Armee operiere in der Nähe der Absturzstelle nicht gegen die Rebellen, versuche vielmehr, ihre Versorgungswege abzuschneiden, um sie so zum Abzug zu zwingen, ergänzte er.

19 Tote binnen 24 Stunden

Nach Angaben der örtlichen Behörden kamen bei Kämpfen zwischen Soldaten der ukrainischen Regierung und Separatisten in den vergangenen 24 Stunden 19 Menschen ums Leben. Regierungstruppen eroberten unterdessen die Stadt Awdeewka nördlich der Rebellenhochburg Donezk.

Die Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hatten sich am Mittwoch ohne Ermittler aus den Niederlanden auf den Weg gemacht, die seit mehreren Tagen versuchen, das Absturzgebiet zu erreichen. Nach Gesprächen mit Rebellen kehrten die OSZE-Beobachter in die Stadt Donezk zurück. Wegen Sicherheitsbedenken und Behinderung durch die prorussischen Separatisten, die die Kontrolle über die Gegend haben, hat das Ermittlerteam die Absturzstelle noch nicht erreicht.

Bei dem mutmasslichen Abschuss am 17. Juli waren alle 298 Insassen der Malaysia-Airlines-Maschine ums Leben gekommen. Die Regierungen von Ländern, aus denen die Opfer stammten, haben sich darüber beschwert, dass das Absturzgebiet nicht gesichert sei und einige sterbliche Überreste noch nicht geborgen worden seien.

Die russische Zentralbank versprach den von den Wirtschaftssanktionen der EU und der USA betroffenen Unternehmen und Einrichtungen Unterstützung. Man werde «angemessene Massnahmen» ergreifen, hiess es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Sanktionen dramatisch verschärft

Die Europäische Union hatte ihre Sanktionen gegen Russland am Dienstag dramatisch verschärft. Mit den Strafmassnahmen werde «starke Warnung» ausgesandt, dass Moskaus Destabilisierung der Ukraine nicht länger hingenommen werde, teilten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit. Umgehend legten die USA nach und verkündeten ihrerseits eine Ausweitung der Sanktionen. Die Massnahmen machten Russlands schwache Wirtschaft noch schwächer, erklärte Präsident Barack Obama in Washington.

Die US-Sanktionen treffen den russischen Energie-, Finanz- und Waffensektor. Die EUschränkt unter anderem den Zugang russischer Banken zu den europäischen Kapitalmärkten ein und verbietet Waffenexporte.

Australien kündigte unterdessen an, auf weitere Sanktionen gegen Russland zu verzichten. Premierminister Tony Abbott sagte am Mittwoch, seine Regierung konzentriere sich darauf, die australischen Opfer des Absturzes zu bergen. Abbott hatte in den vergangenen zwei Wochen mehrere Telefonate mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geführt und dessen Kooperationsbereitschaft gelobt. 28 Insassen von Flug MH17 waren Australier.

(sda)