Schweizer Bankkonto

02. Mai 2012 21:59; Akt: 02.05.2012 21:59 Print

Neue Attacke auf «Swiss Mitt»

Zweimal Bad News für Mitt Romney: Die Demokraten nehmen erneut sein UBS-Konto ins Visier, und ein schwuler Sprecher wirft nach Angriffen von konservativer Seite das Handtuch.

Mitt Romney und das Schweizer Bankkonto. (Video: YouTube/BarackObamadotcom)
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Das Image der Schweizer Banken in den USA ist miserabel, und der Steuerstreit ist daran nur bedingt schuld. Vielmehr hat die amerikanische Unterhaltungsindustrie das «Swiss Bank Account» zu einem Synonym für dunkle Geschäfte gemacht. Dies war auch den Beratern von Mitt Romney klar, die den mutmasslichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner bereits 2010 dazu gedrängt hatten, sein Konto bei der Grossbank UBS aufzulösen.

Als die Transaktion mit der Veröffentlichung von Romneys Steuererklärung publik wurde, erhielt er prompt den Übernamen «Swiss Mitt» verpasst, in Anspielung auf den amerikanischen Schokolade-Produzenten Swiss Miss. Wie von Romneys Entourage befürchtet, griffen seine Gegner die Steilvorlage sofort auf: Anfang März stellte Ted Strickland, der ehemalige demokratische Gouverneur von Ohio, Mitt Romneys Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika in Frage.

Job-Vernichter mit Schweizer Bankkonto

Vor drei Wochen legte Senator Dick Durbin nach, und nun hat das Wahlkampfteam von Präsident Barack Obama ein Video veröffentlicht, das ebenfalls auf Romneys «Swiss Connection» zielt. Als Private-Equity-Manager habe Mitt Romney «amerikanische Jobs in Länder wie Mexiko und China verlagert» und als Gouverneur von Massachusetts staatliche Stellen «in ein Call-Center in Indien», heisst es darin. «Genau das erwartet man von einem Typen, der ein Schweizer Bankkonto besass.»

Eine Sprecherin von Mitt Romney beschuldigte Obama laut der «Huffington Post», er wolle mit solchen «Nebensächlichkeiten» nur von den eigentlichen Themen ablenken. Doch die Crew des Präsidenten lässt nicht locker. «Es gibt nur zwei Gründe, um ein Schweizer Bankkonto zu besitzen: sich gegen den Dollar abzusichern oder zu vermeiden, einen gerechten Anteil an Steuern zu bezahlen», twitterte Obamas Wahlkampf-Sprecher Ben LaBolt. Das Video soll in Iowa, Ohio und Virginia am Fernsehen ausgestrahlt werden – drei so genannte «Swing States», die im Herbst besonders heftig umkämpft sein werden.

Schwuler Sprecher unter Beschuss

Nicht nur das Swiss Bank Account wird für Romney zu Hypothek – der republikanische Kandidat sieht sich auch mit einer Kontroverse um das Reizthema Homo-Ehe konfrontiert. Am Dienstag trat sein aussenpolitischer Sprecher Richard Grenell nach nur zwei Wochen im Amt zurück. Der bekennende Schwule befürwortet die gleichgeschlechtliche Ehe und sah sich deshalb mit massiven Angriffen von rechter Seite konfrontiert. Ein Kolumnist des Magazins «National Review» unterstellte Grenell gar, er werde zu Obama «überlaufen», falls der Präsident sich am Parteikonvent der Demokraten für die Homo-Ehe ausspreche.

Eine «extrem voreingenommene Diskussion über persönliche Dinge» schränke seine Möglichkeiten ein, sich im Wahlkampf «klar und deutlich» zu äussern, hielt Grenell in seinem Rücktrittsschreiben fest, das der «Washington Post» vorliegt. Romneys Wahlkampfleiter Matt Rhoades zeigte sich enttäuscht. Laut der «Post» haben hochrangige Romney-Mitarbeiter und «angesehene Republikaner» am Wochenende vergeblich versucht, Richard Grenell vom Rücktritt abzuhalten. Die Affäre um den schwulen Pressesprecher zeigt, dass Mitt Romney nicht nur von links Gefahr droht, sondern auch aus den eigenen Reihen.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Besorgter Bürger am 02.05.2012 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis Schweiz?

    Die positiven Werte der Schweiz, die uns früher in der gesamten Welt Ansehen brachten, kehren sich ins Gegenteil um. Der Hass, den wir der Welt entgegenbringen, richtet sich gegen uns.

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  • Pascal P. am 02.05.2012 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuer nicht ch konto

    Das bankkonto ist nicht das grundsätzliche problem. Es gibt so viele amis mit ch bankkonten. Das problem liegt bei swiss mitt selbst. Da er kaum steuern zahlt und schwer reich ist. Das verstehen die amis nicht. Und im wahlkampf wird jeder graue fleck scwarz geredet. Es geht um sehr viel macht. Us politik nicht zu vergleichen mit ch

  • Roman Bolliger am 02.05.2012 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat's erfunden?

    Die Schweiz und ihre Banken werden ihr schlechtes Image nie mehr los!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Taifunny am 03.05.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Macht nichts

    Ist doch gut, dann gehören die Banken wieder uns Schweizern. Und sobald eine Weile Ruhe ist, kommen die Millionäre und Milliarde aus aller Welt schon wieder her. Wo sonst ist ihr Geld sicherer als in der Schweiz? Da mach ich mir gar keine Sorgen.

  • Marc Wyss am 03.05.2012 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gegen die Schweiz

    Ich interpretiere das nun nicht als Votum gegen die Schweizer Banken wie das einige andere Kommentatoren hier tun. Man muss dies aus Sicht des jeweiligen Landes sehen. Angenommen unsere Bundesräte hätten Privatkonten in Deutschland, so würden wir das auch als Misstrauen gegen die Schweizer Wirtschaft/Banken sehen, was einen Politiker generell immer schlecht aussehen lässt - als Präsident sowieso.

  • Ob Ama am 03.05.2012 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Obama macht sich lächerlich

    Dass sich Obama auf dieses Niveau runterlässt, hätte ich nicht gedacht. Gerade er, der nach Bush die Hoffnungen auf ein offeneres Amerika geschürt hat kommt mit einer völlig undifferenzierten Kritik an die Schweizer Banken und rät von Partnerschaften mit Mexiko und China ab... Obama wird nur deshalb gewählt, weil Romney noch unfähiger ist.

    • Timon Sidler am 03.05.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      Comedians, nicht Obama

      Dieses Video wurde selbstverständlich nicht von der Obama-Administration veröffentlicht, sondern von Comedians. Die "I approve this message"-Einleitung wurde aus anderen Videos herausgeschnitten.

    • Ja Bama am 03.05.2012 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ob Ama

      Sie haben nichts verstanden. Es gibt keine Kritik an Schweizer Banken und auch nicht an der Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Es geht darum das MR Millionen Arbeitsplätze an Billiglohnländer ausgelagert und deshalb in den USA vernichtet hat. Ich kenne persönlich die Situation in NC. Das war mal der Möbelgürtel. Fast jedes zweite Haus war eine Möbelfabrik. Heute nichts mehr. Nicht einmal die Möbelmesse, einst die grösste, gibt es mehr.

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  • knab am 03.05.2012 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe auch einen Bankkonto!

    Ich fühle mich plötzlich so.gemein...

    • Maid am 03.05.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      @knab

      Sind Sie auch ein amerikanischer Multimilliardär und zahlen weniger Steuern als Ihre Sekretärin?

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  • a. wetli am 03.05.2012 00:24 Report Diesen Beitrag melden

    swiss bank versus big mac!

    ..swiss bank account und vodka martini,... das hört man fast in jedem bond film... so what? das coke und big macs die amis fett und träge macht, liest man ebenfalls beinahe täglich. ..doch wen kümmert's am mittag mit knurrendem magen??