Regierungsjobs

23. Dezember 2008 18:53; Akt: 23.12.2008 18:59 Print

Hunderttausende wollen für Obama arbeiten

von Peter Blunschi - Der Obama-Hype hält in den USA unvermindert an. Knapp 8000 Jobs hat der neue Präsident zu vergeben, doch sein Übergangsteam wird mit Bewerbungen überflutet.

Bildstrecke im Grossformat »
Barack Obama wurde am 20. Januar 2008 als 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Mit ihm gingen die folgenden Minister an den Start: Joe Biden ist Vizepräsident und Vorsitzender des US-Senats. Barack Obama holte ihn am 23. August 2008 als «running mate» an seine Seite. Hillary Clinton ist Barack Obamas Aussenministerin (Secretary of State). Die ehemalige First Lady war im Vorwahlkampf die schärfste Gegnerin von Barack Obama. Timothy Geithner (l.) übernimmt das Amt des Wirtschaftsministers (Secretary of the Treasury). Geithner war vorher Direktor des New Yorker Ablegers der US-Notenbank. Hier im Gespräch mit Notenbank-Chef Ben Bernanke. Robert Gates, schon unter George W. Bush Verteidigungsminister, verbleibt unter Präsident Obama im Amt. Der Jurist Eric Holder ist neuer Justizminister. Er ist ein ehemaliger Clinton-Mann und ein enger Vertrauter von Obama - so leitete er die Suche nach Obamas Vize. Mit Holder wird erstmals ein Schwarzer Justizminister der USA. Ken Salazar wird Innenminister. Salazar stammt wie die meisten Innenminister der USA aus dem Westen. Thomas Vilsack, Ex-Gouverneur von Iowa, übernimmt das Landwirtschaftsministerium. Er wollte ursprünglich selbst ins Rennen um die Präsidentschaft 2008 einsteigen. Bill Richardson war als Handelsminister vorgesehen. Wegen einer laufenden Korruptionsermittlung verzichtet der Gouverneur von New Mexico aber auf das Amt. Hilda Solis aus Kalifornien ist die neue US-Arbeitsministerin. Tom Daschle war als Gesundheitsminister vorgesehen. Ihm wurde Kritik an Lobby-Arbeit und mangelnder Steuerehrlichkeit zum Verhängnis. Arne Duncan ist Bildungsminister. Der Ex-Basketballprofi stammt wie Barack Obama aus Chicago und hat sich mit verschiedenen Bildungs-Initiativen hervorgetan. Shaun Donovan übernimmt das US-Bauministerium. Er leitet zurzeit das New Yorker Baudepartement und war im Wahlkampf-Team von Barack Obama. Ray LaHood wird neuer Verkehrsminister der USA. Der libanesisch-stämmige Politiker ist neben Verteidigungsminister Gates der zweite Republikaner im Kabinett Obama. Nobelpreisträger Steven Chu wird Energieminister. Chu entstammt einer chinesischstämmigen Akademikerfamilie. Zurzeit hält er Professuren in Berkeley und Stanford. Ex-General Eric K. Shinseki wird neuer Kriegsveteranen-Minister. Er ist japanischer Abstammung und war als Chief of Staff von 1999 bis 2003 höchster Offizier der U.S. Army. Janet Napolitano, Gouverneurin von Arizona, wird das Ministerium für innere Sicherheit leiten. Rahm Emanuel (l., mit Barack Obama) ist der neue Staabschef im Weissen Haus. Der Stabschef wurde auch schon als «zweitmächtigster Mann in Washington» bezeichnet. Wahlkampf-Stratege David Axelrod wird den wichtigen Posten eines Chefberaters im Weissen Haus erhalten. Harvard-Professor Lawrence Summers wird oberster Wirtschaftsberater von Barack Obama. Er war einst Chefökonom der Weltbank und unter Bill Clinton US-Finanzminister. Ex-General James (Jim) Jones wird Nationaler Sicherheitsberater. Er war früher Kommandant des Marine Corps und oberster Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa. Susan Rice, eine aussenpolitische Beraterin Obamas, wird neue Uno-Botschafterin. Robert Gibbs wird Pressesprecher im Weissen Haus. Fernseh-Doktor Sanjay Gupta soll CNN zufolge Surgeon General und damit Leiter des nationalen Gesundheitsdienstes werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Superlative prägen die neue Regierung schon einen Monat vor Amtsantritt. Zur Vereidigung von Barack Obama am 20. Januar werden bis zu vier Millionen Menschen in Washington erwartet – sie könnte zum grössten Event in der Geschichte der USA werden. Ein anderer Rekord steht bereits fest: Nie zuvor haben sich so viele Leute für einen Job in einer neuen US-Regierung beworben: «Mehr als 300 000 Interessierte haben sich gemeldet», sagte Nick Shapiro, Sprecher von Obamas Übergangsteam, zu CNN Radio.

Das entspricht knapp der Einwohnerzahl der Stadt Zürich und ist deutlich mehr als je zuvor. Bei George W. Bushs Amtsantritt 2001 waren es rund 44 000 Bewerbungen, Bill Clinton erhielt 1993 rund 100 000. Und noch immer haben die Leute rund einen Monat Zeit, ihren Lebenslauf einzureichen. Die meisten tun es ganz Obama-like via Internet. Auf der Homepage Change.gov befindet sich ein Online-Bewerbungsformular.

Verzicht auf hohen Lohn und sicheren Job

Doch auch die Personalvermittler registrieren das starke Interesse. «Hochrangige Kaderleute in der Privatwirtschaft wollen auf einmal für die Regierung arbeiten», sagte Scott Krik, Chef der Firma CareerPro Global in Georgia, gegenüber CNN. Dabei handelt es sich offenbar nicht nur um Opfer der Krise. Viele seien bereit, auf hohe Löhne und sichere Jobs zu verzichten, sagte Krik. Er habe mit Leuten gesprochen, die 10 oder gar 20 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet hätten: «Obama hat definitiv etwas ausgelöst.»

Allerdings werden nur wenige Glückliche zum Zug kommen, denn nicht einmal 8000 Jobs werden über das Büro des Präsidenten vergeben. Sein Übergangsteam hat folglich die Qual der nicht gerade einfachen Wahl. «Es ist definitiv eine Herausforderung», meinte Sprecher Nick Shapiro, «ich glaube nicht, dass es so etwas schon einmal gegeben hat».

Nicht nur Begeisterung

Bei einigen von Obamas treusten Wählergruppen hat sich die Begeisterung über den neuen Präsidenten allerdings abgekühlt. Frauenorganisationen zeigten sich enttäuscht, dass von 20 Kabinettsposten nur fünf mit Frauen besetzt wurden: Hillary Clinton (Aussenministerin), Janet Napolitano (Ministerin für Innere Sicherheit), Hilda Solis (Arbeitsministerin), Susan Rice (UNO-Botschafterin) und Lisa Jackson (Leiterin der Umweltbehörde). Das sind etwa gleich viel wie unter Bush und Clinton. Amy Siskind von der Vereinigung New Agenda sprach gar von einem «schockierenden Rückschritt».

Linke Kreise fragen sich angesichts einer mit Moderaten und Polit-Insidern besetzten Regierung zudem, wo der «Change» bleibt – einzig Hilda Solis gilt als Vertreterin des progressiven Lagers. Für Ärger unter Schwulen und Lesben sorgt auch die Entscheidung Obamas, das offizielle Gebet an der Vereidigung vom evangelikalen Pastor Rick Warren sprechen zu lassen. Der Kalifornier gehört zwar nicht zu den rechten Hardlinern, er lehnt jedoch Homoehe und Abtreibung ab. Die grosse Mehrheit der Amerikaner ist gemäss Umfragen allerdings bislang mit dem neuen Präsidenten zufrieden.