US-Präsidentschaftswahl

11. April 2012 17:17; Akt: 06.11.2012 14:50 Print

Hat Romney das Format für das Weisse Haus?

von Peter Blunschi - Mitt Romney steht als Herausforderer von Barack Obama so gut wie fest. Während den Vorwahlen ist er weit nach rechts gedriftet. Nun droht ein schmutziger Wahlkampf.

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Mitt Romney am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Delaware. (Bild: Keystone/Suchat Pederson)

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Der Rückzug von Rick Santorum am Dienstag kam überraschend – und doch nicht ganz unerwartet. Die Kampagne des ehemaligen Senators aus Pennsylvania war von Beginn an von Geldmangel und einer schwachen Organisation geprägt. Und nun drohte ihm bei der Vorwahl in seinem Heimatstaat am 24. April eine Niederlage gegen Mitt Romney. Diese Blamage wollte sich Santorum wohl ersparen. Nun sind sich die US-Medien einig: Romney ist die Nomination als Präsidentschaftskandidat der Republikaner kaum noch zu nehmen.

Doch der frühere Gouverneur von Massachusetts wirkt nicht wie ein strahlender Sieger, sondern wie ein angeschlagener Boxer. Der dreimonatige Vorwahlkampf hat Romney alles abverlangt. Dass er gegen schwache Herausforderer, von denen keiner ihm finanziell und organisatorisch das Wasser reichen konnte, überhaupt so hart kämpfen musste, sagt einiges aus über seine Probleme, in der eigenen Partei akzeptiert zu werden. Und nun muss er das amerikanische Volk von sich überzeugen – ob ihm das gelingen wird, bezweifeln viele.

Viele Sympathien verloren

Der strapaziöse innerparteiliche Kampf habe Romney für den eigentlichen Showdown gegen Barack Obama im November abgehärtet, macht man sich in seinen Reihen Mut. Die neusten Umfragen zeigen jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist. Getrieben vom ultrakonservativen Rick Santorum und von der Tea-Party-Bewegung ist Mitt Romney weit nach rechts gedriftet. Das hat ihm viele Sympathien bei drei Bevölkerungsgruppen gekostet, die im Herbst eine wichtige Rolle spielen werden: Frauen, Latinos und parteilose Wähler in der politischen Mitte.

«Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und vertrauen sie ihm», sagte Obamas Wahlkampfleiter Jim Messina am Dienstag. Bei den Frauen beträgt Romneys Rückstand auf Barack Obama laut einer Umfrage von «Washington Post» und ABC News inzwischen 19 Prozent. In so gut wie allen Bereichen wird der Amtsinhaber positiver bewertet – die einzige Ausnahme ist die Wirtschaft, dort kommt Romney gleich gut oder besser weg als Obama, dort will der Herausforderer angreifen.

Das Misstrauen der Evangelikalen

Rick Santorums Rückzug erlaubt es Romney, seine Kampagne stärker gegen Obama auszurichten. Dennoch könne er «seine rechte Flanke nicht vollständig ignorieren», schreibt die «Washington Post». Denn Santorum hat seine überraschenden Erfolge in erster Linie den sehr konservativen Wählern zu verdanken – und den Evangelikalen. Diese misstrauen Romney als Mormonen, eine Religion, die in ihren Augen nicht christlich ist. Ralph Reed, ein Wortführer der religiösen Rechten, mahnt, Romney müsse «Brücken bauen zu den evangelikalen Wählern, auf die er im November in grosser Zahl angewiesen sein wird».

Genau davor warnt jedoch der Parteistratege Alex Castellanos ausdrücklich, wie er der «Washington Post» erklärte. Sich um die Konsolidierung der eigenen Basis zu bemühen sei «das Schlimmste, was Mitt nun machen kann». Vielmehr müsse er als General seine Truppen in die Schlacht gegen Barack Obamas «europäische» Art des Regierens führen. Die Armee werde dabei «im Gleichschritt marschieren», glaubt Castellanos. Am rechten Rand ist der Hass auf Obama grösser als die Abneigung gegen Romney, so das Kalkül, deshalb wird die konservative Basis ihn im Herbst mit zugehaltener Nase trotzdem wählen.

Romney und der verbale Fettnapf

Ob diese Rechnung aufgehen wird, bleibt fraglich. Es ist ein gewagter Spagat, den Romney bewältigen muss: Die Mitte umwerben und gleichzeitig die Rechte bei Laune halten. Der «Washington Post»-Kolumnist Harold Meyerson zweifelt schon daran, dass Romney sich überhaupt aus der rechten Ecke lösen kann. Ein versierterer Politiker wäre dazu vielleicht fähig – «aber niemand wird Romney als versiert bezeichnen», meint Meyerson. Bereits heute klebt an ihm das Etikett eines opportunistischen Wendehalses.

Hinzu kommen zwei grundsätzliche Schwächen: Der Multimillionär aus Massachusetts ist alles andere als ein volksnaher, leutseliger Politiker. Er wirkt abgehoben und distanziert, seine Auftritte sind hölzern. Seine häufigen Tritte in den verbalen Fettnapf unterstreichen dies noch – eigentlich erstaunlich für einen Menschen, der so um Selbstkontrolle bemüht ist wie Mitt Romney. Dies führt zu einer Frage, die in den USA bislang kaum jemand stellt: Hat der Republikaner überhaupt das Format für einen Wahlkampf ums Weisse Haus?

Die Demokraten werden ihn bald auf die Probe stellen, sie haben von Anfang an mit ihm als Herausforderer gerechnet und sich aufmunitioniert. Die Angriffe auf Romneys ehemaliges Schweizer Bankkonto vom Wochenende liefern einen Vorgeschmack. Auch die Wahlkampfkasse von Barack Obama ist bereits gut gefüllt. Mitt Romney seinerseits kann sich auf viele schwerreiche Gönner und Freunde verlassen. Der Wahlkampf in den nächsten sieben Monaten dürfte lange und hart werden – und schmutzig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 11.04.2012 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Romney scheint mir eher ein "Macher"

    Was soll diese Suggestiv Frage? Hat 20 Minuten generell ein Problem mit der Republikanischen Partei in den USA? Ich glaube, dass Romney nicht schlechter wäre als der Demagoge Obama.

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  • Kevin am 12.04.2012 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ?!? 

    Wer währe denn besser für die Schweiz (Banken, Einreisebedingungen usw...) besser?

  • Jackie am 11.04.2012 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, hat er!

    Im Gegensatz zum abgehobenen Akademiker Obama hatte Romney schon einige Exekutivämter inne und war Partner einer sehr erfolgreichen Investmentfirma. Er versteht also etwas von Wirtschaft, und alleine das ist was in Amerika zählt. Die Meinung von Europa zählt da eher weniger..., und das ist auch gut so!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Caterina S. am 13.04.2012 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Naja..

    Nehmen wir an, ich sehen ihn zum ersten Mal. Erste Gedanke ist: Bush.. hm, der hat Ähnlichkeit mit Bush! Naja, weiss auch nicht genau wie erklären.. Geldverschwendung, Krieg.. was auch immer, ich wäre dafür, dass Obama Präsident bleibt, 4 Jahre sind relativ wenig, um einen ganzen Krieg zu beenden und all das zu vollbringen, was er vorhat.

  • Reto Stadelman am 12.04.2012 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Europa für USA, mehr USA für Europa

    "Gegen Barack Obamas «europäische» Art des Regierens führen" Das könnten die Amis gut brauchen. Da wo einige unserer Länder mehr Amisstyle brauchen (PIGS, Frankreich etc.) brauchen die Amis selber viel mehr soziale Marktwirtschaft. Eine Medizin die nur von Obama verordnet werden kann. Aber die Amis hatten schon seit jeher eine merkwürdige Beziehung zu dem Sozialstaat. Die Angst "vor den Roten" ist scheinbar immer noch nicht erloschen...

    • Kapitalist am 13.04.2012 10:10 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe ich nicht so

      Es geht hier nicht um die Angst vor den Roten oder um die Beziehung zum Sozialstaat, sondern um ein Prinzip. Die Amerikaner lassen sich einfach nicht gerne in staatliche Programme zwängen und sich alles von Gesetzen vorschreiben. Die persönliche Freiheit hat einen sehr hohen Stellenwert. Dazu gehört auch, dass man sich nicht vom Staat vorschreiben lassen will, ob man eine Krankenversicherung braucht oder nicht. Es gibt genügend Sozialhilfe in den USA. Nur setzen viele Bürger eben auf Eigenverantwortung und tragen dann aber auch die Konsequenzen, wenn das fehlschlägt.

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  • Marie am 12.04.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Einer wie alle

    Es kommt gar nicht mehr drauf an, welche Partei den Präsidenten stellt. Die sind schlussendlich alle gleich. Obama ist ein Grossmaul mit viel heisser Luft, aber wer war schon besser? Bill Clinton. Der hat einen ausgeglichenen Haushalt hinterlassen - nach ihm die Sintflut. Lügen tun sie alle, jeder auf seine Weise. Aber lieber ein Schürzenjäger, der die Affairen abstreitet als einer, der seinem Volk eine rosige Zukunft vorlügt und nichts bringt. Sie hätten Hillary wählen sollen. Die wusste, worauf sie sich einliess und ist eine absolut fähige Person für das Amt. Aber nein, eine Frau .....

  • Kevin am 12.04.2012 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ?!? 

    Wer währe denn besser für die Schweiz (Banken, Einreisebedingungen usw...) besser?

  • A. Berger am 12.04.2012 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ob er das Format hat?

    Bei Obama hatten damals die meisten mit JA geantwortet. Und er hat das Format dazu nicht. Was der Geldadel vorgibt, das wird umgesetzt. Bei Bush wars nicht anders, nur gehörte er selbst schon zur Finanzelite. Romney wird nicht schlechter und kaum besser sein als seine Vorgänger, mit gleichviel Format für das Amt.

    • Rafael am 12.04.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Obama lag lange, lange zurück gegen McCain. Dann kam die Wirtschaftskriese und dort hat McCain einfach gar nichts gemacht. Obama hat ein bisschen was gemacht und dadurch die Wahl für sich entscheiden können.

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