US-Präsidentschaftswahl

19. April 2012 22:04; Akt: 20.04.2012 10:55 Print

Knallharter Kampf um die Gunst der Frauen

von Martin Suter - Frauen werden die US-Präsidentschaftswahl entscheiden. Der Republikaner Mitt Romney kommt bei ihnen schlecht weg. Mit Ehefrau Ann und Tricks versucht er zu kontern.

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Ann Romney ist die die schlagkräftigste Waffe ihres Mannes im Kampf um Frauenstimmen. (Bild: Keystone/AP/nam Y. huh)

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600 000 Dollar aufzutreiben war für Ann Romney ein Pappenstiel. Am Dienstag fuhr die Gattin des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Mitt Romney im New Yorker Trump Tower ein, um im Beisein von Casino-Krösus Donald Trump an einem Geburtstagslunch solvente Anhängerinnen und Anhänger um Geld zu bitten. «Es war ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk, als Mutter kritisiert zu werden», hatte die 63-jährige Mutter von fünf Söhnen tags zuvor in Florida geprahlt. «Es war ein entscheidender Moment, und ich liebte es.»

Ann Romney macht Schlagzeilen, weil sie sich als die schlagkräftigste Waffe ihres Mannes im Kampf um Frauenstimmen erwiesen hat. Lange war sie unter dem Radar der Politpresse geflogen, doch eine unüberlegte Bemerkung der demokratischen Beraterin Hilary Rosen auf CNN katapultierte sie ins Rampenlicht. Rosen unterstellte der Gattin des schwerreichen Mitt Romney vergangene Woche, als nicht-berufstätige Frau habe sie keinen Tag in ihrem Leben gearbeitet, und deshalb habe sie keine Ahnung von den Nöten von Arbeitnehmerinnen.

Obama, der Frauenjob-Killer?

Der Patzer rief sofort energische Distanzierungen im Umfeld des Präsidenten hervor. Sogar Barack Obama selbst stellte klar, er würde als Letzter die Arbeit des Kindererziehens geringschätzen. Obamas Berater hatten erkannt, dass es den Demokraten politisch schaden könnte, wenn die aus früheren Jahrzehnten bekannten «Mommy Wars» zwischen berufstätigen Frauen und zu Hause bleibenden Müttern erneut aufflammen würden.

Die Republikaner gaben daraufhin noch einen drauf und behaupteten, während Präsident Obamas Amtszeit hätten die Frauen viel stärker unter der Wirtschaftskrise gelitten als die Männer. «Von den 740 000 Arbeitsplätzen, die seit Obamas Amtsantritt verloren gingen, waren 683 000 von Frauen besetzt», verbreitete die Parteizentrale in einer Mitteilung.

Kein Gehör für Frauen

Das Hickhack um Frauen ist leicht zu durchschauen, denn beide Lager verzerren die Fakten und leisten sich Täuschungsmanöver. Die Zahl der verlorenen Arbeitsplätze zum Beispiel ist numerisch richtig, führt aber in die Irre. Die Republikaner wählten für ihre Analyse den Zeitraum zwischen Anfang Januar 2009 und Ende März 2012. Vom Beginn der Rezession im Dezember 2007 an, rechnete der «Fact Checker» Glenn Kessler in der «Washington Post» vor, haben die Männer jedoch deutlich mehr Jobs eingebüsst. Auf ihr Konto gingen 3,2 Millionen der insgesamt fünf Millionen verlorenen Arbeitsplätze; Frauen waren in 1,8 Millionen Fällen die Leidtragenden.

Die republikanische Statistik verdeutlicht allerdings den für die Regierung unbequemen Sachverhalt, dass der Aufschwung überproportional Männern zu Gute kommt. Obama lässt vor allem die Industrie fördern. Öffentliche Verwaltungen haben kein Geld, um entlassene Frauen wieder anzustellen. Das Weisse Haus habe «kein Gehör» für Frauen, kritisierte eine demokratische Analystin. Das habe mit dem von Männern dominierten inneren Kreis um Obama zu tun, glaubt sie. «Es gibt dort nicht viele Frauen, und wenn es sie gibt, verschwinden sie schnell wieder.»

Demokraten historisch im Vorteil

Beide Parteien sind sich jedoch einig, dass die Frauen das Wahlergebnis im November zu einem grossen Teil bestimmen werden. Umfragen zufolge werden weisse Männer überwiegend Romney wählen, während Latinos mehrheitlich und Schwarze praktisch ausschliesslich für Obama stimmen dürften. Frauen, die in der registrierten Wählerschaft ohnehin mehr als 50 Prozent ausmachen, könnten über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Historisch sind die Demokraten klar im Vorteil. Seit 1988, als George Bush senior ein Prozent mehr Frauenstimmen als Michael Dukakis erhielt, haben demokratische Kandidaten ihre republikanischen Gegner weit hinter sich gelassen. Der «Gender Gap» – die Kluft zwischen den Geschlechtern – betrug 2008 und 2004 sieben Prozentpunkte, 2000 zehn und 1996 elf Punkte. Eine Ausnahme bildeten die Kongresswahlen 2010: Bei der Gesamterneuerung des Repräsentantenhauses schlossen sich die Frauen den weissen Männern an und fügten Obamas Partei eine Niederlage von 48 gegen 49 Prozent zu.

Romneys Werte sackten ab

Seit Anfang Jahr setzen die Demokraten alles daran, dass sich dieses Debakel nicht wiederholt. Die im Januar angekündigte Ausdehnung der Deckungspflicht für kostenlose Empfängnisverhütungsmittel und die «Pille danach» auf religiöse Institutionen verfolgte das Nebenziel, Opponenten der Massnahme als frauenfeindlich hinzustellen. Die Republikaner verfolgten einen «Krieg gegen die Frauen», hiess es, und konservative Kandidaten wie Rick Santorum trugen mit ihren Äusserungen unfreiwillig dazu bei, diesen Slogan zu stützen.

In der Folge verlor Mitt Romney dramatisch weiblichen Zuspruch, vor allem bei jungen, parteiunabhängigen Frauen. Im Vergleich zum Dezember letzten Jahres sackten Romneys Werte um 19 Prozent ab. In der republikanischen Parteizentrale läuteten die Alarmglocken, denn bei einem derart asymmetrischen Zuspruch bliebe ihr Anwärter im Herbst chancenlos. Der Einsatz der Kandidatengattin im Wahlkampf und die Statistik der verlorenen Arbeitsplätze sind die ersten Versuche des Romney-Teams, das Steuer herumzureissen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cello am 20.04.2012 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hick Hack

    So ein Hick- Hack... und nach den Wahlen ist alles wieder beim Alten und vergessen... Wie immer und überall. Trotz allem finde ich, dass Obama seine Sache gut macht.

  • Louis L. am 20.04.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wechselbad der Gefühle

    Es ist immer wieder einfach schlicht unglaublich, wie leicht die Amerikaner quasi von Stunde zu Stunde, von Rede zu Rede vom einen Kandidaten zum anderen und wieder zurück wechseln.

  • J. Meyer am 19.04.2012 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Goldener Löffel

    Natürlich sind Haushalt u Erzeihung kein Pappenstiel u Müttern gebührt der grösste Respekt. Doch ich möchte behaupten, dass sie dennoch die Nöte u Sorgen der Arbeiterinnen nicht kennt, da sie nie einer bezahlten Arbeit nachging, um die Existenz der Fam. zu sichern, wenn das EK des Mannes dazu nicht ausreicht, während nebenbei die fam. Pflichten noch erfüllt werden mussten. Mit Haushälterinnen und Nannys dürfte sie auch diesen Teil des Familienlebens ohne Hürden durchgezogen haben u so einen grossen Teil dieser Zeit als Freizeit nutzen konnte, was anderen Müttern nicht gegönnt ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marion Steiger am 20.04.2012 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Broken Convention Tampa -

    Tja das haben die Republikaner nun davon das sie Romney wählen wollen. 1. hat er die Vorwahlen noch nicht gewonnen und 2. werden sich viele schwer tun einen Mormonen zu wählen. Obama hat die Wahl gegen Romney auf sicher, und das obwohl er genau so schlecht ist wie Bush. Lösung= Ron Paul

  • Louis L. am 20.04.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wechselbad der Gefühle

    Es ist immer wieder einfach schlicht unglaublich, wie leicht die Amerikaner quasi von Stunde zu Stunde, von Rede zu Rede vom einen Kandidaten zum anderen und wieder zurück wechseln.

  • Cello am 20.04.2012 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hick Hack

    So ein Hick- Hack... und nach den Wahlen ist alles wieder beim Alten und vergessen... Wie immer und überall. Trotz allem finde ich, dass Obama seine Sache gut macht.

  • J. Meyer am 19.04.2012 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Goldener Löffel

    Natürlich sind Haushalt u Erzeihung kein Pappenstiel u Müttern gebührt der grösste Respekt. Doch ich möchte behaupten, dass sie dennoch die Nöte u Sorgen der Arbeiterinnen nicht kennt, da sie nie einer bezahlten Arbeit nachging, um die Existenz der Fam. zu sichern, wenn das EK des Mannes dazu nicht ausreicht, während nebenbei die fam. Pflichten noch erfüllt werden mussten. Mit Haushälterinnen und Nannys dürfte sie auch diesen Teil des Familienlebens ohne Hürden durchgezogen haben u so einen grossen Teil dieser Zeit als Freizeit nutzen konnte, was anderen Müttern nicht gegönnt ist.

    • Miriam am 19.04.2012 22:49 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      Ich sehe das als (berufstätige) Frau ebenfalls so.

    • Boris am 20.04.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

      Oberflächliche Betrachtung

      Jetzt könnten sich die Romneys ohne Probleme Nannys leisten, aber konnten sie das schon als ihre Kinder noch jung waren? Die Romneys haben früh geheiratet und Mitt musste sich sein Vermögen erst verdienen. Zu behaupten dass Ann Romney keine Hürden bei ihrer Arbeit als Mutter hatte ist schlichtweg Oberflächlich. Wie viele Kinder reicher eltern sind total verzogen? (Siehe Hiltons) Nicht aber so bei den Romneys.

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