Toter Al-Kaida-Boss

02. Mai 2012 13:54; Akt: 02.05.2012 14:05 Print

Obama spannt Bin Laden als Wahlhelfer ein

von Martin Suter - In Afghanistan hat Barack Obama den Jahrestag des Raids auf Osama Bin Laden gefeiert. Der Präsident schlachtet den Erfolg im Wahlkampf aus - und stösst auf Kritik.

Das umstrittene Video: Obama lässt sich von Bill Clinton feiern und kritisiert Mitt Romney. (Video: YouTube/BarackObamadotcom)
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Mit einer Überraschungsreise nach Afghanistan würdigte US-Präsident Barack Obama am Dienstag den Angriff von Navy-Spezialtruppen auf Osama Bin Ladens Anwesen in Pakistan, bei dem der Al-Kaida-Boss vor einem Jahr getötet wurde. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram, von wo aus die Helikopter zum Raid gestartet waren, skizzierte Obama in einer kurzen Ansprache, wie er sich die Zukunft des alliierten Engagements in Afghanistan vorstellt.

«Die Afghanen werden bis Ende 2014 für die Sicherheit ihres Landes voll verantwortlich sein», verkündete Obama. Der aus zwei ockerfarbigen Militärlastern und einer US-Flagge bestehende Hintergrund der Ansprache rief Erinnerungen an die Siegesfeier seines Vorgängers vom Frühling 2004 wach. Damals landete George W. Bush auf einem Flugzeugträger und feierte unter dem Banner «Mission Accomplished» das Ende der Kampfhandlungen im Irak. Der Auftritt wird Bush noch heute als vorschneller Triumphalismus angekreidet.

Je nach der Entwicklung in Afghanistan könnte Obama ein ähnliches Schicksal drohen. Ein am Dienstag veröffentlichter Pentagon-Bericht hält fest, dass «die von den Taliban geführten Aufständischen nach wie vor straflos von ihren Zufluchtsorten in Pakistan aus operieren». Der Bericht zählt mehrere Rückschläge der letzten Monate auf, etwa das Video von US-Marines, die auf Leichen urinierten, die unbeabsichtigte Verbrennung islamischer Schriften und mehrere Attentate auf alliierte Soldaten durch angebliche Partner in der afghanischen Armee. Immerhin gehe die Zahl der gegnerischen Angriffe nach fünf Jahren Anstieg zurück, um 11 Prozent im Jahr 2011 und dieses Jahr bisher um 16 Prozent.

Was hätte Romney getan?

Kurzfristig droht dem Präsidenten eine grössere Gefahr durch die Politisierung der Bin-Laden-Tötung. Den Anfang machte am Freitag ein Wahlkampfvideo (siehe oben), worin Ex-Präsident Bill Clinton Obamas Entschlossenheit preist und in dem die Frage gestellt wird: «Welchen Pfad hätte Romney eingeschlagen?» Nicht nur Republikanern stiess auf, dass das Video Obamas wahrscheinlichem Herausforderer Mitt Romney unterstellte, er hätte den Raid auf das Bin-Laden-Anwesen nicht befohlen.

Am Montag veröffentlichte Obamas Wahlteam ein weiteres, sieben Minuten langes Video über die sicherheitspolitischen Erfolge des Präsidenten. Dann ging der Präsident sogar selbst auf die Kontroverse ein. An einer Pressekonferenz mit Japans Premierminister Yoshihiko Noda sagte er am Montag: «Ich empfehle allen, die früheren Aussagen von gewissen Leuten anzuschauen. Ich vermute, dass sie das meinen, was sie sagen.»

«Das Video ging zu weit»

Obama bezog sich darauf, dass Romney vor vier Jahren den riesigen Aufwand für die Jagd auf Osama bin Laden in Frage gestellt hatte. Daraus könne man nicht schliessen, dass er auf der Grundlage der gleichen Informationen den Angriff auf das Anwesen in Abbottabad nicht befohlen hätte, sagten Vertreter des republikanischen Kandidaten. Romney unterstrich dies am Montag selbst: «Sogar Jimmy Carter hätte den Befehl gegeben», höhnte er in Anspielung auf den als notorisch entscheidungsschwach verrufenen Ex-Präsidenten.

Das wahlpolitische Hickhack um das Bin-Laden-Thema, bei dem bis vor kurzem nationale Einheit gefordert war, befremdete nicht nur Romneys Bundesgenossen. Die den Demokraten nahestehende Internet-Publizistin Arianna Huffington bezeichnete es auf dem Fernsehsender CBS als «zutiefst verwerflich», mit dem Raid Wahlkampf zu betreiben. Auch frühere Angehörige der Navy Seals kritisierten, dass Obama die Spezialtruppen als Wahlkampfmunition verwendet. «Das Video ging zu weit», sagte der Ex-Seal Scott Taylor auf Fox News. «Es wäre mir recht, wenn er die Rhetorik ein wenig zurückschraubt.»

Obama ist kein Schwächling

Obamas Wahlkampf-Manager sind sich zweifellos bewusst, dass die politische Ausschlachtung des Bin-Laden-Raids Risiken birgt. Vermutlich gehen sie davon aus, dass die Reise nach Afghanistan die kritischen Wahlkampfberichte in den Medien rasch übertönen wird. Tatsächlich wurden der Trip des Oberkommandierenden ins Kriegsgebiet und das strategische Abkommen mit Afghanistan weitherum gelobt, auch von Gegnern Obamas.

Ausserdem ist der wahlpolitische Nutzen der erfolgreichen Bin-Laden-Jagd für den Präsidenten womöglich sehr gross. Demokraten seien auf dem Gebiet der Aussen- und Sicherheitspolitik immer als Schwächlinge wahrgenommen worden, gibt Michael O'Hanlon von der Brookings Institution zu bedenken. «Wenn die Wirtschaft die Wahl entscheidet, ist das für einen demokratischen Präsidenten bereits ein Fortschritt», sagte O’Hanlon zur «Washington Post». «Sich gegen Angriffe mit Bezug zur Aussenpolitik impfen zu können, sollte als politisches Verdienst nicht unterschätzt werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marry v. L. am 02.05.2012 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    In Afghanistan Al-Kaida bekämpfen, in Syrien und Libyen Al-Kaida unterstützen. Oder doch nicht? Al-Kaida Taliban. Al-Kaida = Die Liste und umfasst ursprünglich Namen von Nicht-Amerikanischen Söldnern die jedoch an der Seite Amerikas kämpfen. (gegen die damalige Sowjetunion) Nur schon diese Tatsachen verstehen 80% der Leute nicht. Die meisten denken so: Al-Kaida = islamistische Terroristen also können die nichts mit Amerika zu tun haben. Tja falsch gedacht.

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  • Stefano am 02.05.2012 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Leistung

    Mit einer guten Leistung darf man auch Wahlkampf betreiben, finde ich. Sehe also keinen Grund dies nicht in der Kampagne zu erwähnen.

  • T.D. am 02.05.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Obama hat das richtige getan

    Ich wünsche viel Glück und hoffentlich weitere 4 Jahre.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • t.ruther am 03.05.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    wer glaub noch ans märchen?

    Keine beweise für seine beteiligung, keine beweise für sein Tod, trotzdem glauben die meisten immernoch an das Märchen Osama bin Laden. informiert euch mal und recherchiert etwas zu dem thema. es ist die Grösste Ereignis unserer Zeit und niemand hinterfragt etwas?? wenn schon nicht die medien dann immerhin wir menschen.. ich dachte wir sind im 21. Jahrhundert aufgeklärte selbstdenkende individuen..

  • Sebastian am 02.05.2012 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schon wieder

    Es ist sehr interressant, dass eine Verschwörungstheorie sich dadurch auszeichnet, dass sie in sich so logisch ist, dass sie sich selbst beweist. Ganz zu schweigen davon, dass man im Prinzip kein Geheimnis bewahren kann sobald mehr als eine Person davon weiss, und für solche Sachen (NWO u.s.w) wären tausende Mitwisser von Nöten.

  • Simon am 02.05.2012 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    10 Jahre

    Theorien hin oder her haben 10 Jahre Truther Bewegung keine harten Beweise für keine einzige ihrer zahlreichen Lügen hervorgebracht. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

    • t.ruther am 04.05.2012 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      @simon

      dann kannst du aber sicher beweise für die offizielle theorie liefern?

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  • Romanoff am 02.05.2012 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Theorien

    Es war klar, dass hier wieder die Verschwörungstheoretiker auf den Plan gerufen werden. Nun, wer Juden und US-Amerikaner nicht mag, der soll diese alternativen Erklärungsversuche glauben, hat kürzlich ein Bekannter gesagt. Finde ich eine kurze und passende Bemerkung.

    • Tobias R. am 04.05.2012 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      @romanoff

      wie lange dauerts bis man ein gesetz entwirft und verabscheidet? wie lange bis man einen krieg vorbereitet und mobilisiert? wie lange bis man verdächtige befragt, beweise sammelt und einen Täter verurteil? Genau alles ziemlich lang.. im Falle von 9/11 hat man das komischerweise innert Stunden und Tagen geschafft. wer gegen die welt, gegen die warheit, gegen Moslems Juden Amerikaner Europäer, wer gegen die Menschheit ist, glaubt blind der offiziellen Theorie..

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  • Fonsi am 02.05.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungstheoretiker

    Einige der Kommentare hier zeigen ein Mal mehr, dass Verschwörungstheoretiker die dümmste Untergruppe der Gattung Mensch sind. Das schlimme daran ist, dass sie glauben die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und sich selbst mit einer für Kindergärtner logischen Erklärung nicht zufrieden geben würde, solange die Fakten nicht ihrem, von rechtsextremen Foren indoktrinierten Weltbild entsprechen. Sprich, wenn die USA einen Beweis liefern würden für Bin Laden's Tod, würden die Leute das für eine Fälschung halten. Also... lasst es lieber so wie es ist.

    • fabian f. am 04.05.2012 09:23 Report Diesen Beitrag melden

      @fonsi

      wenn man alles als verschwörungstheorie abstempelt, heisst das, dass man einem denkverbot unterstellt ist? jeder der fragen stellt, beweise will, aufklärung sucht, ist ein spinner?

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