Romneys hölzerne Rethorik

17. Oktober 2012 11:16; Akt: 17.10.2012 11:45 Print

Mitt und seine «Mappen voller Frauen»

Mitt Romney ist berüchtigt für seine ungelenken Aussagen. Nun ist ihm wieder eine herausgerutscht – ausgerechnet in der Frauenfrage. Dabei war er als Gouverneur in Sachen Gleichstellung vorbildlich.

Mitt Romney spricht über seine Gleichstellungsanstrengungen während seiner Zeit als Gouverneur. (Video: Youtube/PoliticsBuzz)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Im US-Wahlkampf, der bisweilen von Schnitzern der Kandidaten befeuert wird, hat der republikanische Herausforderer Mitt Romney seinen Gegnern neue Munition geliefert. Der technokratisch wirkende Ex-Manager äusserte sich zu den Berufschancen von Frauen.

Romney wollte in der zweiten TV-Debatte mit US-Präsident Barack Obama am Dienstag ausführen, wie er sich in seiner Amtszeit als Gouverneur des US-Bundesstaates Massachusetts für Frauen stark gemacht habe. Einmal hätten sich auf eine von ihm ausgeschriebene Stelle nur Männer beworben, erzählte Romney.

Da habe er seine Leute losgeschickt, um Frauen zu suchen, die qualifiziert genug wären, in seinem Kabinett zu dienen. Er habe sich an Frauengruppen gewandt mit der Bitte, ihm bei der Suche zu helfen. Die hätten ihm dann «ganze Heftmappen voller Frauen» («whole binders full of women») gebracht, sagte Romney.

Romney hatte viele Frauen in seinem Kabinett

Die wenig elegante Formulierung dürfte dem Republikaner nicht eben helfen, seinen gemäss Umfragen beträchtlichen Rückstand bei weiblichen Wahlberechtigten aufzuholen. Romneys Aussage wurde sofort zu einem Hit im Internet; «binders» waren das am dritthäufigsten nachgefragte Thema in der Suchmaschine Google.

Wie immer in solchen Fällen folgte auf die Debatte am TV jene auf Twitter. «Das muss die Love-Story von Mitt und Ann Romney gewesen sein», ätzte eine Twitter-Userin. Ein anderer schrieb in Anspielung auf die Gerüchte, Romney bezahle keine oder wenig Steuern: «Hey Mitt, zeig uns eine Heftmappe mit deinen Steuererklärungen.»

Seine ungeschickte Äusserung dürfte Romney umso mehr ärgern, weil in seinem Kabinett während seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts ungefähr gleich viele Frauen wie Männer sassen. Dasselbe kann Barack Obama von seinem Team nicht behaupten. Dort überwiegen die Männer deutlich.

(kri/sda)