Erstes Fernsehduell

05. Oktober 2012 08:14; Akt: 05.10.2012 08:15 Print

Romney gelingt der Befreiungsschlag

von Peter Blunschi, New York - Ein angriffiger Mitt Romney konnte in der ersten Fernsehdebatte mit Präsident Barack Obama punkten. Der US-Wahlkampf bleibt spannend.

Die Debatte in voller Länge. (Video: YouTube/New York Times)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Magazin «The Atlantic» spricht auf seiner Website vom «Fluch des Amtsinhabers». Wie manche seiner Vorgänger sei Präsident Barack Obama am Mittwoch «ein Opfer hoher Erwartungen, einer tiefen Reizschwelle und eines hungrigen Herausforderers» geworden. Die meisten US-Politbeobachter waren sich nach der ersten Fernsehdebatte einig: Der Republikaner Mitt Romney hat seine wohl letzte Chance genutzt.

Eine erste Nachdebatten-Umfrage von CNN ergab ein für den Präsidenten ernüchterndes Bild: 67 Prozent sahen den früheren Gouverneur von Massachusetts als Sieger, nur 25 Prozent den Amtsinhaber. Mitt Romney spielte seine ganze Debatten-Erfahrung aus den republikanischen Vorwahlen aus. Er wirkte nicht steif, sondern entspannt, war angriffig, aber nicht aggressiv. Und er war sattelfest bei den Fakten und brachte damit Barack Obama immer wieder in Bedrängnis, wenn er ihn auf seine durchzogene Bilanz behaftete.

Defensiv und genervt

Das Duell fand in einem neuen Format statt, und das hat ihm gut getan: Die Debatte verlief lebhafter als früher, die Kandidaten gingen direkt aufeinander ein, fielen sich sogar ins Wort. Moderator Jim Lehrer war damit teilweise überfordert. Auch Barack Obama kam schwer in die Gänge. Er wirkte anfangs defensiv und öfters genervt. Es war ersichtlich, dass er seit vier Jahren kein Rededuell mit einem politischen Gegner mehr bestritten hat.

«Man hatte den Eindruck, er wäre lieber woanders», meinte Bill Clintons ehemaliger Wahlkampfleiter James Carville auf CNN. Mit der Zeit steigerte sich Obama. Seine beste Phase hatte er, als es um den Sozialstaat ging. Dabei verwendete er ein Argument, das man aus den Diskussionen über das Schweizer Gesundheitswesen kennt: Der Plan von Romneys Vize Paul Ryan, die staatliche Senioren-Krankenkasse Medicare mit privaten Anbietern zu ergänzen, werde «zu einer Jagd auf gute Risiken führen».

Wo waren die «47 Prozent»?

Wirklich in Bedrängnis brachte er Romney aber nie. Auf Schwachpunkte des Republikaners ging Barack Obama nicht einmal ein, zum Erstaunen der Analysten. Weder erwähnte er das «47 Prozent»-Video, noch Bain Capital, und auch Romneys Versteckspiel mit seinen Steuerunterlagen war kein Thema. Die «Washington Post» vermutet, es habe sich um einen kalkulierten Entscheid von Obamas Wahlkampfteam gehandelt, weil diese Themen «nicht präsidial» wirkten und bereits «tief im Bewusstsein der Wähler verankert» seien.

Das Verständnis für diese Zurückhaltung hielt sich in engen Grenzen: «Romney neigt immer dann zu Fehlern, wenn er in Bedrängnis gerät», meinte CNN-Moderatorin Gloria Borger. Und auch die «Washington Post» befand, es schade nie, «Angriffe zu wiederholen, die bislang gewirkt haben». Das einzig Positive für den Präsidenten ist die Tatsache, dass es noch fast fünf Wochen sind bis zur Wahl. Und dass es noch zwei weitere Debatten gibt. Aber klar ist nach diesem missratenen Abend: Barack Obama muss sich steigern.

Was für ihn spricht: Der «Fluch des Amtsinhabers» muss nicht zu einer Wahlniederlage führen. Walter Mondale konnte 1984 das erste Duell mit Präsident Ronald Reagan für sich entscheiden. Er verlor die Wahl trotzdem haushoch. Und George W. Bush sah 2004 in der ersten Debatte mit John Kerry schlecht aus und wurde trotzdem wiedergewählt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanswurst am 05.10.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Oje...

    Schaut die letzten vier Jahre an. Die Leute gaben George Bush 8 Jahre um die Wirtschaft zu ruinieren und hoffen, dass sie in 4 Jahren wieder stabilisiert werden kann.. > Alle vertrauen nur auf diese Duelle und am Ende sagen sie dann 'Nee jetzt kommt ein besserer Präsident.' Es ist immer wieder das Gleiche.

  • Lukas am 07.10.2012 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Obama

    Auf jeden fall Obama Wählen. Er ist in mittelständischen Umgebung aufgewachsen, und weis was die Bevölkerung will/hat. Romney versteht nichts von Politik, nur vom Geld ausgeben, hübsch lächeln und den pseudo intellektuellen raushängen.

  • Ike Newman am 04.10.2012 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    USA Wahlen...

    Man kann es drehen und wenden, wie man will, die US-Wahlen, werden nicht in Deutschland entschieden, und in der Schweiz erst recht nicht. Der Großteil derjenigen, deren Stimme für die Wahl entscheidend ist, weiß nicht einmal genau, wo die Schweiz liegt!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lukas am 07.10.2012 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Obama

    Auf jeden fall Obama Wählen. Er ist in mittelständischen Umgebung aufgewachsen, und weis was die Bevölkerung will/hat. Romney versteht nichts von Politik, nur vom Geld ausgeben, hübsch lächeln und den pseudo intellektuellen raushängen.

  • silenus am 05.10.2012 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Taktik ?

    Obama spart doch einfach die stärksten Argumente für eine Offensive in der letzten Debatte auf. 1. Zum Zeitpunkt der Wahl ist dieses Duell 5 Wochen alt, die Wechselwähler werden sich aber von der jeweils aktuellen Stimmung beeinflussen lassen. 2. Obama kann sich noch relativ einfach steigern während Romney sein Pulver schon verschossen hat. Wenn die Medien dann Bilanz über alle 3 Debatten ziehen, und sehen dass sich Obama kontinuierlich verbessert hat wird das einen positiveren Eindruck hinterlassen als gleichbleibende Leistung. Und Romney kann argumentativ eigentlich nur primitiver werden.

  • Hanswurst am 05.10.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Oje...

    Schaut die letzten vier Jahre an. Die Leute gaben George Bush 8 Jahre um die Wirtschaft zu ruinieren und hoffen, dass sie in 4 Jahren wieder stabilisiert werden kann.. > Alle vertrauen nur auf diese Duelle und am Ende sagen sie dann 'Nee jetzt kommt ein besserer Präsident.' Es ist immer wieder das Gleiche.

  • Karl IV am 04.10.2012 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gestik, Mimik etc.

    Geht es um eine Castingshow für eine soap opera und damit um Schauspieltalent, Spontanität, Witz - oder um das Verständnis von ernsthaften Inhalten und Zusammenhängen damit um wichtige Charakter-eigenschaften wie Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Moral? Ich finde die auf Gestik, Mimik reduzierten Analysen völlig deplaziert ... Obama war deshalb zurecht entnervt, denn die demagogischen Verbalangriffe des "fleissigen und ehrgeizigen Milchbubis" Romney würden wohl jeden intelligenten Gesprächspartner nerven ...

    • carl4 am 05.10.2012 08:58 Report Diesen Beitrag melden

      @karl IV

      es geht ums schauspieltalent, denn es ist nur eine show.. in dieser 2-Parteien ditkatur haben doch schon lange andere das sagen..

    einklappen einklappen
  • Boing am 04.10.2012 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Ich wünschte mir, dass die Medien die schweizer Politik auch so genau verfolgen würden wie die ihr,wo wir eh keinen einfluss haben.

    • ernst am 05.10.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      @boing

      naja.. medien sind die einzigen die wirklich einen einfluss auf die politik haben..

    einklappen einklappen