PR-Desaster

17. Oktober 2012 14:51; Akt: 18.10.2012 12:43 Print

Ryan spült saubere Kochtöpfe in Suppenküche

Romneys Vize wollte ein Herz für Arme zeigen, doch sein inszenierter Besuch in einer Suppenküche geriet zum Bumerang: Die Bilder zeugen nicht von Paul Ryans Mitgefühl, sondern von seinem Zynismus.

Paul Ryan am 13. Oktober 2012 in der Suppenküche von Youngstown, Ohio.
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George W. Bush prägte einst den Begriff des «mitfühlenden Konservatismus». Tiefe Steuern für die Reichen, wenig Regeln für die Wirtschaft, harte Hand in der Aussenpoltik – aber bei all dem die Schwachen der Gesellschaft nicht vergessen. Auch Mitt Romneys Vize-Kandidat Paul Ryan weiss, dass die Republikaner in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht zu kaltherzig rüberkommen dürfen. Ein spontaner Besuch in einer Suppenküche für Arme macht sich da immer gut.

Am vergangenen Samstag ergriff er diese Gelegenheit nach einem Wahlkampf-Auftritt in Ohio. In der Suppenküche von Youngstown angekommen, lobte er die freiwilligen Helfer für ihr Engagement. Dann band er sich mit wilder Entschlossenheit eine Schürze um und begann andächtig, Pfannen zu spülen. Seine Frau und die Kinder halfen artig.

Pfannen waren bereits sauber

Die Bilder sind makellos und vermitteln den Eindruck eines Politikers, der anpackt und sich für keine Arbeit zu schade ist. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass die Essensausgabe längst vorbei und das Geschirr bereits sauber war. Dass Ryan trotzdem ohne zu zögern zu Schürze und Putzschwamm griff, bringt ihm nun den Vorwurf ein, eine zynische Show veranstaltet zu haben.

«Er ist nur wegen der Fotos hergekommen», beklagte sich der Chef der wohltätigen Organisation, Brian J. Antal, später gegenüber der «Washington Post». Da er auf private Spenden angewiesen sei, lehne er solche Aktionen strikte ab, da sie dem Ansehen der Einrichtung schaden könnten.

Bilder ja, Worte nein

Dass es Ryan womöglich gar nicht um die Menschen ging, die in der Suppenküche essen, zeigte sich am Ende seines Besuchs: Auf dem Weg zum Auto traf er auf einige Obdachlose und unterhielt sich kurz mit ihnen. Seine Wahlkampfhelfer gaben den Fotografen zu verstehen, sie dürften Bilder von der Begegnung machen.

Die Journalisten hingegen mussten laut «Washington Post» im Bus bleiben. Offenbar überwog die Angst, der Wortwechsel könne für Ryan ungünstig verlaufen. Sein Wahlkampfhelfer erklärte später, es habe sich um ein Gespräch «aus dem Stegreif» gehandelt und sei daher nicht für die Presse bestimmt gewesen.

(kri)