«Mafia-Staat»

08. Februar 2011 06:47; Akt: 08.02.2011 07:16 Print

Russland weist britischen Reporter ab

von Sylvia Hui, dapd - Wegen seiner Berichte über die Wikileaks-Enthüllungen wurde einem Reporter des «Guardian» die Einreise nach Russland verweigert.

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Nach einem kritischen Bericht unter Berufung auf Wikileaks-Veröffentlichungen haben die russischen Behörden dem Russland-Korrespondenten des «Guardian» dem Blatt zufolge die Wiedereinreise verweigert. Der britische Reporter hatte von der Enthüllungsplattform veröffentlichte Depeschen genutzt und über Vorwürfe berichtete, dass Russland unter der Herrschaft von Wladimir Putin faktisch ein «Mafia-Staat» geworden sei.

Der Chefredakteur des «Guardian», Alan Rusbridger, erklärte am Montag, der Korrespondent habe sich zwei Monate lang in London aufgehalten, um über die Inhalte der Wikileaks-Depeschen zu schreiben. Als er am Wochenende nach Moskau zurückkehren wollte, hätten ihm die russischen Behörden die Einreise verweigert. Der Reporter sei 45 Minuten festgehalten und im Anschluss ohne Erklärung in eine Maschine zurück nach Grossbritannien gesetzt worden, sagte Rusbridger. Im April vergangenen Jahres wurde er dem Blatt zufolge in Inguschetien festgenommen, nachdem er die Kaukasus-Region besucht hatte.

Anscheinend hat Wikileaks das Fass zum Überlaufen gebracht

Rusbridger erklärte, dass sei eindeutig eine besorgniserregende Entwicklung mit gravierenden Folgen für die Pressefreiheit. Es sei bedenklich, dass die russische Regierung unliebsame Reporter des Landes verweise. Der Journalist selbst twitterte am Montagabend: «Die Russen waren schon eine ganze Weile wenig erfreut über meine Berichterstattung. Doch anscheinend hat Wikileaks das Fass zum Überlaufen gebracht.»

Der britische Aussenminister William Hague hat beim russischen Aussenministerium um Aufklärung in dem Fall gebeten. Eine Antwort stand einem Ministeriumssprecher zufolge noch aus.