Zum 2. Jahrestag

02. März 2011 14:46; Akt: 02.03.2011 15:20 Print

Winnenden will Vater von Tim K. verklagen

Zwei Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden will die Stadt eine Schadenersatzklage gegen den Vater des Amokläufers Tim K. einreichen - schliesslich hatte der Sohn mit seiner Waffe geschossen.

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Beim Amokläufer Tim K. von Winnenden handelt es sich um einen ehemaligen Schüler der Albertville-Realschule. Der 17-jährige Tim K. legte 2008 seine Mittlere Reife an der Albertville-Realschule ab. Tim K. stammte aus Weiler zum Stein, das zu Leutenbach bei Winnenden gehört. Sein Elternhaus ist zwölf Kilometer von der Albertville-Realschule entfernt. Er wird von Anwohnern und seinem Umfeld als unauffälliger und zurückhaltender Einzelgänger mit einer Vorliebe für Waffen beschrieben. Tim K.s Mutter ist laut Medienberichten Kindergärtnerin, der Vater ein erfolgreicher Unternehmer. Tim K. soll eine jüngere Schwester haben. Der Vater ist Mitglied in einem Schützenverein und besitzt deshalb legal 16 Schusswaffen. Eine der Waffen wurde später bei einer Hausdurchsuchung des Elternhauses nicht gefunden. Im November 2009 wird Ks. Vater schliesslich angeklagt, weil sein Sohn viel zu leicht an seine Schusswaffe gekommen war. Die Familie ist nach Angaben des Bürgermeisters normal in die 5000 Einwohner zählende Gemeinde und ins Vereinsleben integriert. Der 19-jährige Nachbar und Freund von Tim K., Michael V., beschrieb diesen als unauffälligen Typ mit Brille und kleinem Bart, der in letzter Zeit deutlich an Gewicht zugenommen habe. Er habe mit Tim früher im örtlichen Verein Tischtennis gespielt. Tim K. sei ein verschlossener Einzelgänger gewesen, der von Horrorvideos und Spielen mit Soft-Air-Waffen fasziniert gewesen sei. Tischtennis war seine Leidenschaft, behaupten ehemalige Kollegen. Fotos zeigen Tim K., wie er ein wenig unsicher, aber stolz einen Pokal präsentiert. «Er hatte Soft-Air-Waffen in seinem Zimmer hängen», sagte Kollege V. Sie hätten damit auch gespielt, «es hat dabei blaue Flecken gegeben». Ausserdem habe Tim K. in den Monaten vor seiner Tat viel Zeit mit Killerspielen am Computer verbracht. «Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel «Counterstrike» gefunden», sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen. Der 17-Jährige war zwischen April und September 2008 wegen Depression in psychiatrischer Behandlung. Nach fünf Sitzungen brach er aber die Behandlung ab. Eine Mitschülerin behauptet, Tim K. sei gemobbt worden: «Er schrieb seinen Eltern, dass er leide und nicht mehr weiter könne», sagte sie. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert. Mitschüler bezeichnen Tim K. zudem als Angeber, der mit Geldsummen geprahlt habe, die ihm sein Vater gegeben habe. Dagegen beschreibt die Wirtin des Schützenhauses SSV Leutenbach Tim K. als «ganz lieb» und «nicht auffällig». Er sei ein «schmaler, hübscher junger Mann» gewesen. Während des Amoklaufs soll Tim K. schwarze Kampfkleider getragen haben. Die Tatwaffe, eine 9mm-Beretta-Pistole, hatte Tim K. aus seinem Elternhaus. «Der Täter muss die Waffe im Schlafzimmer der Eltern an sich genommen haben», hiess es. Er habe «Munition im dreistelligen Bereich» bei sich gehabt. Die Mehrzahl der Opfer waren Mädchen und Frauen. Die Behörden bezeichneten die überwiegende Zahl von weiblichen Opfern als «auffällig». Am 11. März, gegen 12.30 Uhr, kommt es auf einem Parkplatz zum Schusswechsel mit der Polizei. Der Amokläufer erschiesst zwei Passanten und verletzt zwei Polizeibeamte schwer, ehe er sich selbst richtet.

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«Vom Grundsatz her werden wir zivilrechtliche Ansprüche geltend machen», sagte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth am Dienstag in Winnenden der Nachrichtenagentur dadp.

Der Vater von Tim K. war Mitte Februar vom Landgericht Stuttgart unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Er hatte seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht. Mit der Waffe hatte Tim am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und anschliessend sich selbst getötet. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet. Sein Vater hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

In der Klage der Stadt soll es um die verursachten Schäden und Verwüstungen in der Schule gehen. Forderungen nach Schadenersatz seien jedoch zweitrangig gegenüber dem verursachten personellen Schaden, sagte Holzwartz.

Winnenden plant stilles Gedenken

An den zweiten Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden will die Stadt auf dem Marktplatz erinnern. Anders als im vergangenen Jahr wolle man «den Fokus mehr auf die örtliche Bevölkerung richten», sagte Oberbürgermeister Holzwarth. Die Bevölkerung werde «zu einem öffentlichen und weitestgehend stillen Gedenken» eingeladen. Reden von Vertretern der Landespolitik seien am 11. März nicht geplant. Man habe sich bewusst dagegen entschieden, in der Nähe der Albertville-Realschule der Opfer zu gedenken.

(ap)