28. April 2005 08:02; Akt: 28.04.2005 08:07 Print

«Abu Ghraib nur die Spitze des Eisbergs»

Der Folterskandal von Abu Ghraib war nach Auffassung von Human Rights Watch Teil systematischer Misshandlungen von muslimischen Gefangenen durch US-Soldaten.

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«Abu Ghraib war nur die Spitze des Eisbergs», erklärte am Mittwoch der Anwalt der Organisation, Reed Brody. Auch in Afghanistan und Guantanomo seien Menschenrechte von Gefangenen verletzt worden.

Ein Bericht der Organisation verweist auf offizielle Angaben von 108 Toten in Gefängnissen im Irak und in Afghanistan, darunter auch natürliche Todesfälle. In 27 Fällen wurden Ermittlungen wegen möglicher Misshandlungen aufgenommen. In Afghanistan seien Gefangene geschlagen worden, mit Schlafentzug gequält und extremer Kälte ausgesetzt worden, heisst es in dem Bericht von Human Rights Watch. Die Organisation forderte eine eingehende Überprüfung der Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen. Die US-Regierung betrachtet die Verstösse bislang als Taten von einzelnen Soldaten.

Auch Amnesty International kritisierte ein Jahr nach Bekanntwerden der Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib, dass die Verantwortlichen weitgehend straffrei ausgegangen seien. «Was ist mit der Rolle der Vorgesetzten, zum Beispiel von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld?» fragte AI-Generalsekretärin Irene Khan. Auch seien die Opfer der Folter immer noch nicht entschädigt worden.

(ap)