Finanzkrise

24. Oktober 2008 14:11; Akt: 24.10.2008 14:41 Print

«Al Kaida hat USA in den Bankrott getrieben»

von Peter Blunschi - Das Terrornetz Al Kaida frohlockt über die Finanzkrise in den USA. Sie sei eine Folge der Kriege in Irak und Afghanistan. Ein ehemaliger CIA-Mann warnt: Ein Terroranschlag könnte in eine «finanzielle Katastrophe» münden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf Al-Kaida-nahen Websites wie al-Hesbah häufen sich die Einträge, welche die wirtschaftliche Krise in den USA mit Freude und Spott kommentieren. Dies ergab eine Auswertung des Nachrichtendienstes SITE, der islamistische Websites überwacht, für die «Washington Post». Führer von Al Kaida würden die Finanzkrise als Vollendung ihrer Strategie betrachten, Amerika durch teure Kriege im Ausland wirtschaftlich zu schädigen. Al Kaida habe Amerika in eine Falle gelockt, die «seine Ressourcen erschöpft und seine Wirtschaft in den Bankrott getrieben hat», heisst es in einem Posting.

Zu den Zielen von Al Kaida und seinem Anführer Osama bin Laden gehörte stets auch die wirtschaftliche Schwächung der USA. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York 1993 und am 11. September 2001 zielten auf ein Symbol der amerikanischen Wirtschaftsmacht. Sie hätten diese «ins Herz getroffen», erklärte bin Laden schon in einem Video, das im Dezember 2001 aufgetaucht war.

In seiner Videobotschaft an das amerikanische Volk wenige Tage vor den Wahlen 2004 doppelte er nach: Er rechnete vor, dass die Anschläge vom 11. September Al Kaida rund 500 000 Dollar, die USA aber 500 Milliarden gekostet hätten. Man habe die Sowjets zehn Jahre lang in Afghanistan bekämpft, bis sie bankrott gewesen seien und sich zurückgezogen hätten. «Wir werden deshalb fortfahren, Amerika bis zum Bankrott auszubluten», sagte Osama bin Laden weiter.

«Goldene Gelegenheit» für Al Kaida

Experten bezweifeln, dass der «Krieg gegen den Terror» tatsächlich einen bedeutenden Einfluss auf die US-Wirtschaft hat. Die derzeitige Krise allerdings erhöht die Anfälligkeit des Landes. Davon ist zumindest Michael Scheuer überzeugt. Er war bis zu seinem Rücktritt 2004 22 Jahre lang bei der CIA beschäftigt. Von 1996 bis 1999 leitet er die Sondereinheit, die sich mit der Jagd nach Osama bin Laden beschäftigte. Er gilt als einer der renommiertesten Terrorismusexperten der USA und Kritiker der Bush-Regierung.

In seinem neusten Artikel für die Jamestown Foundation warnte Michael Scheuer vor einer «goldenen Gelegenheit» für Al Kaida, um den USA einen «verheerenden Schlag» zuzufügen. Das Terrornetz könnte die wirtschaftlichen Turbulenzen verstärken mit einem Terroranschlag «wie am 11. September oder grösser» auf US-Staatsgebiet. Dies könnte in eine «finanzielle Katastrophe» münden. Ob Al Kaida dazu in der Lage ist, sei «eine offene Frage». Eindeutig vorhanden sei aber «der Wille, es zu tun».

Anschlag als Wahlhilfe für McCain?

Daran gibt es angesichts der neusten Einträge auf den passwortgeschützten Websites keinen Zweifel. Sie bestätigen die Meinung vieler Experten, dass die Islamisten bei der Präsidentschaftswahl in den USA einen Sieg von John McCain vorziehen würden. Er werde als treuer «Sohn von Bush» betrachtet, so der SITE-Analyst Adam Raisman in der «Washington Post». Der Senator aus Arizona werde «den gescheiterten Weg seines Vorgängers» weiterverfolgen, so die Ansicht.

Ein Eintrag, der dem Extremisten Muhammad Haafid zugeschrieben wird, schlägt unverblümt einen Terroranschlag vor, der John McCain zur Wahl verhelfen würde und eine Ausweitung des US-Militärengagements in der islamischen Welt zur Folge hätte. «Er wird die Amerikaner dazu bewegen, McCain zu wählen, damit er sich an Al Kaida rächt», so das Posting. «Und dann wird es Al Kaida gelingen, Amerika auszubluten.»