Belagerungsring schliesst sich

12. Februar 2016 22:07; Akt: 12.02.2016 22:07 Print

«Aleppo könnte das Sarajevo Syriens werden»

Während im Norden Syriens die Kämpfe weitergehen, schliesst sich der Belagerungsring rund um die Millionenstadt Aleppo durch syrische Regimetruppen.

Die Bewegungen der syrischen Regimetruppen (Beige) seit Anfang Februar im Norden und Osten von Aleppo, der Millionenstadt unten links auf der Karte. Der grüne Bereich ist mehrheitlich in Hand der Aufständischen, der gelbe in der Hand kurdischer Kämpfer. (Quelle: Twitter/Miladvisor)

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Syrische Regierungstruppen sind nach Medienberichten dabei, den Belagerungsring um Aleppo zu schliessen. Die Eroberung strategischer Bergkuppen im Norden der einstigen Wirtschaftsmetropole hätten sie in die Position gebracht, die letzte Nachschubroute für die im Osten der Stadt verschanzten Rebellen zu kappen, berichtete der libanesische Hisbollah-Sender Al-Manar TV am Freitag. Die schiitische Hisbollah-Miliz kämpft an der Seite der Truppen von Präsident Bashar al-Assad, die zudem von der russischen Luftwaffe unterstützt werden.

Ein Fall Aleppos wird von Beobachtern als Wendepunkt für den weiteren Verlauf des Bürgerkrieges angesehen. Die Stadt war 2012 an die Rebellen – mittlerweile ein Durcheinander extremistischer Gruppierungen und konkurrierender Fraktionen – gefallen. Damals waren sich viele Beobachter einig, dass Assads Niedergang bereits eingeläutet sei. Jetzt, gute vier Jahre später, sieht die Realität anders aus: Die Rebellion gegen das Regime ist zerfallen und fundamentalistische und islamistische Kräfte führen den Kampf. Derzeit spricht einiges dafür, dass Assad, Russland und die libanesische Hisbollah mit dem Iran als Sieger hervorgehen.

«Die Schande der Obama-Administration»

«Aleppo könnte das Sarajevo Syriens werden», schrieb Roger Cohen, Kolumnist der New York Times, unlängst. Damit meint er nicht nur die Parallelen der Belagerung – Sarajevo war während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995 durch Truppen der Vojska Republike Srpske belagert worden, über 10'000 Menschen aller Volksgruppen starben –, er spielt auch darauf an, dass Aleppo wie Sarajevo durch die konfessionsgebundenen Kämpfe komplett zerstört wird, während die Welt untätig dabei zusieht.

Entsprechend hart geht der Kolumnist mit der Syrienpolitik der USA ins Gericht: «Syrien ist die Schande der Obama-Administration, ein Debakel von solchem Ausmass, dass es die Errungenschaften des Präsidenten zu Hause überschatten könnte.»

Militärisches Prinzip statt Politik

«Die Realität der Schlachten, nicht die Politik der Grossmächte werden die ultimativen Rahmenbedingungen zur Beendigung des syrischen Bürgerkrieges vorgeben», schreibt auch das Institute for the Study of War. Assad und seine Verbündeten in Russland und im Iran hätten dieses militärische Grundprinzip verinnerlicht, während die USA und andere westliche Mächte ihre Hoffnungen ganz auf Verhandlungen setzten, die, wie im Fall der Syriengespräche in Genf, wiederholt nach nur kurzer Zeit scheiterten.

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich die US-Regierung. Man habe Lehren aus den langfristig gesehen wenig erfolgreichen Interventionen im Nahen Osten gezogen. Russland werde diese Erfahrungen selbst machen, wenn es früher oder später im Morast des syrischen Bürgerkrieges steckenbleibe, schreibt die «Washington Post» unter Bezug auf Washingtoner Quellen.

Kämpfe bei beschlossener Feuerpause in München

Im Norden Syriens sind die Kämpfe auch am Freitag weitergegangen. Russische Jets hätten Luftangriffe auf den Ort Tal Rifaat geflogen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Zuvor hatten sich Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien in München auf eine Feuerpause innerhalb einer Woche geeinigt. Die Terrormilizen Islamischer Staat und Al-Nusra-Front sollen jedoch weiter bekämpft werden können.

(gux)