AfD-Politiker Magnitz

10. Januar 2019 03:02; Akt: 10.01.2019 10:27 Print

«Angriff trägt Handschrift von Linksextremisten»

Der bei einer Attacke verletzte Bremer AfD-Landesvorsitzende Frank Magnitz spricht entgegen polizeilichen Erkenntnissen weiter von einem «Mordanschlag».

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Der Bremer AfD-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz hat Linksradikale für den auf ihn am Montagabend verübten Angriff verantwortlich gemacht. Der Zeitung «Die Welt» (Donnerstagsausgabe) sagte der rechtspopulistische Politiker: «Der Anschlag trägt die Handschrift von Linksextremisten.» Um einen Raubüberfall handele es sich «definitiv nicht». Entgegen polizeilichen Erkenntnissen sprach Magnitz, der das Krankenhaus am Mittwoch verliess, weiterhin von einem «Mordanschlag».

Darauf angesprochen, dass die Polizei keinen Hinweis auf einen Mordversuch sieht, sagte der 66-Jährige, dies seien «juristische Spitzfindigkeiten». Er sei «hinterrücks angegriffen» worden und hätte dabei «ums Leben kommen können».

(Video: Youtube/Welt)

Die Bremer AfD relativierte unterdessen ihre Darstellung des Angriffs. Sie hatte zunächst von einem «Mordanschlag» gesprochen und in einer Pressemitteilung erklärt, Magnitz sei mit einem «Kantholz» bewusstlos geschlagen sowie am Boden liegend weiter mit Tritten gegen den Kopf traktiert worden. Demnach hörten die Täter erst damit auf, als ein Handwerker eingriff.

Staatsanwaltschaft weist Darstellung zurück

Magnitz' Stellvertreter als AfD-Landeschef, Thomas Jürgewitz, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben), den Begriff «Kantholz» habe einer der Bauarbeiter gebraucht. «Der Mann ist aber bisher nicht wieder aufgetaucht», fügte der Vize-AfD-Landesverbandschef hinzu. Im Übrigen könne er «nichts bewusst Falsches an der Darstellung in der Pressemitteilung erkennen».

Die Bremer Staatsanwaltschaft weist diese Darstellung mittlerweile zurück. Die Ermittlungen haben demnach bisher ergeben, dass Magnitz von einem von insgesamt drei unbekannten Männern «von hinten angesprungen» worden sei. Magnitz sei daraufhin zu Boden gestürzt und habe eine blutende Verletzung am Kopf erlitten. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, der Staatsschutz wegen einer politisch motivierten Tat.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft gab es nach Auswertung des bisher gesicherten Videomaterials dem vorläufigen Ermittlungsstand zufolge keinen Schlag mit einen Gegenstand. Die Angreifer flüchteten nach dem Schlag und dem Sturz. Zwei Handwerker, die in der Nähe ihr Auto beluden, wurden auf den am Boden liegenden Magnitz aufmerksam und riefen den Rettungsdienst.

Weitere Zeugen gesucht

Der Hamburger AfD-Landesvorsitzende Bernd Baumann sagte dagegen im Radioprogramm SWR Aktuell, bei dem Angriff auf Magnitz habe einer der Täter eine «Dachlatte» verwendet. Ein «Zeuge» habe das gesehen, ein «Handwerker». Dieser habe dann auch dabei «geholfen, die Täter zu vertreiben».

Die eingerichtete Sonderkommission rief weiterhin Zeugen des Vorfalls auf, sich zu melden. Die Bremer Polizei schaltete ein Hinweisportal frei, auf dem rund um die Tatzeit entstandene Fotos und Videos von der Gegend des Geschehens hochgeladen werden können.


Die Polizei ist in Besitz des Überwachungsvideo des Anschlags. Video: Reuters

Der Angriff auf den Bundestagsabgeordneten sorgte in allen politischen Lagern für Empörung sowie Warnungen vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung. In Bremen wird im Mai eine neue Bürgerschaft gewählt. Darin ist die AfD aktuell mit einem Abgeordneten vertreten. Zuletzt hatte es auch mehrere Attacken auf Einrichtungen der Partei in verschiedenen Bundesländern gegeben. Im Sommer 2016 wurde der AfD-Landesvorsitzende von Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, angegriffen und verletzt.

(chk/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nancyboy am 10.01.2019 04:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon fast normal

    Man merkt schon, die Medien setzen alles daran, den Angriff als Unfall darzustellen.

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  • Hechty am 10.01.2019 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eine von vielen Gewalttaten

    Für das Opfer wird die Attacke selbstverständlich als Angriff auf sein Leben verstanden. Juristisch gesehen ist es der Angriff nicht. Aber das ändert an der Brutalität des Vorgehens nichts. Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass solche und noch schwerere Straftaten vielen v.a. jungen, unbekannten Männern passieren. Diese Vorfälle werden allenfalls kurz zur Kenntnis genommen und dann vergessen. Aber alle sind sie auf gleiche Weise Opfer von Angriffen, die unter Umständen ein Leben zerstören. Gewalt ist nicht links oder rechts, Gewalt ist einfach Gewalt und nicht zu rechtfertigen.

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  • Bärgbur am 10.01.2019 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht gar nicht.....!

    ich bin kein Freund von extremen Rechten und Linken, aber was da vorgefallen ist ,ist unter jeder Menschenwürde und ich bete dass die Sonne diese Schandtat an den Tag bringt !

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 10.01.2019 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist

    auf jeden Fall ein Angriff auf Leben und die Gesundheit eines Menschen. Natürlich kann es auch sein das es ein Raubüberfallversuch war. Es kann vieles sein. Aber wie kann das der Betroffene denn ausschliessen oder auch nicht, wenn er kurzzeitig durch die Wucht des Angriffes einen Blackout hatte. Jedenfalls sind die ganzen Versuche der Relativierung genau so daneben, wie die Bestrebungen politisches Kapital daraus zu schlagen. Letzteres gilt für alle Seiten. Oder kurz gesagt: Gute Besserung Herr Magnitz.

  • Anton R. am 10.01.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    @20 Min: nennt SVP auch Rechtspopulisten

    Schon interessant, dass man bei der AfD (korrekt) von Rechtspopulisten spricht, bei der SVP hingegen nicht. Gleiche Inhalte und Ansichten, manchmal nur etwas klüger verpackt, um den naiven Wähler zu beeinflussen.

  • Thomas am 10.01.2019 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    normal

    Wie immer wenn Linksextreme die Täter sind, wird versucht zu verharmlosen, zu vernebeln und abzubügeln. Und selbstverständlich immer noch mit dem leisen Hinweis, die ach so bösen Nicht-Linken seien doch selber schuld, wenn sie ihre anderslautenden Meinungen öffentlich äussern. Solange die EU massgebend Mitte-Links dominiert ist, wird sich da kaum was ändern, dass meist weggeschaut wird. Die Linksextremen Kreise werden nicht gross belangt, auch hier in der Schweiz, obwohl systematisch strafbare Handlungen begangen werden.

    • Ruedi am 10.01.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      Was nicht stimmt

      Die EU wird Mitte-Rechts regiert. So will die SP Schweiz nicht mehr der EU beitreten, weil diese eben in den letzten 10 Jahren zu sehr nach Rechts gedriftet ist.

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  • Dumby am 10.01.2019 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt bleibt Gewalt

    Egal ob Mordversuch oder wie man dem auch immer in korrekter Juristen Sprache sagen will: Es bleibt Gewalt und das ist nicht tolerierbar. Punkt!

  • Karl Reder am 10.01.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    an alle die sagen schaut das video

    bitte teilt doch das video wenn es so einfach zu finden ist. ich habe jedenfalls kurz auf google gesucht und habe das video selber nirgends gefunden, nur die aussage von der polizei das auf dem video nicht das zu sehen ist was beschrieben wurde...

    • Marc am 10.01.2019 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Reder

      Es gibt kein Video.Sie versuchen alles zu verdrehen.

    • Ohje am 10.01.2019 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Reder

      Das wird doch nicht freigegeben, solange die Ermittlungen laufen, Sie Wundernase.

    • Markus Thommen am 10.01.2019 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl Reder

      Glauben Sie im Ernst das ein Beweisstück während einen laufenden Ermittlung der Öffentlichkeit präsentiert wird?

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