Amris Mutter

23. Dezember 2016 12:03; Akt: 23.12.2016 12:03 Print

«Anis war auch in der Schweiz»

Sie wolle, dass die Wahrheit über ihren Sohn aufgedeckt werde, sagt die Mutter des Berliner Terrorverdächtigen. Und enthüllt überraschende Details.

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In der Nähe der Siegessäule: Die Polizei nahm zuerst einen 23-jährigen Flüchtling aus Pakistan fest und verdächtigte ihn des Anschlags (20. Dezember 2016). Screenshot: Welt Später richtete sich der Verdacht dann gegen den Tunesier Anis Amri, von dem mittlerweile ein IS-Video aufgetaucht ist: Italienische Forensiker untersuchen den Ort in Mailand, wo Amri erschossen wurde. Amri war in der Nacht von einer Polizeistreife angehalten worden und hatte sich eine Schiesserei mit den Beamten geliefert. Zur Schiesserei sei es gekommen, weil sich Anis Amri geweigert habe, seine Papiere zu zeigen. Bei der Schiesserei wurde ein Polizist in die Schulter getroffen, er war nicht in Lebensgefahr. Sicherheitskräfte sperren den Tatort ab. Es bestehe «nicht der Schatten eines Zweifels» an der Identität des Getöteten, sagte der italienische Innenminister Marco Minniti am Freitag. Berichten zufolge soll der Tatverdächtige Anis Amri in Mailand erschossen worden sein. Keine grelle Beleuchtung, keine Partymusik: Der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz ist wieder geöffnet. Sie will keine Anzeichen der Radikalisierung gesehen haben: Nur al-Huda Hassani, die Mutter des Terrorverdächtigen, posiert in ihrem Zuhause in Tunesien mit einem Bild ihres Sohnes. (22. Dezember 2016) Die Sicherheit auf dem Markt wurde mit grossen Betonsperren verstärkt. Hier war Anis Amri offenbar gemeldet: Sicherheitskräfte durchsuchen ein Flüchtlingsheim in Emmerich, Nordrhein-Westfalen. (22. Dezember 2016) Trauerfeier in der Gedächtniskirche in Berlin: Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière schreibt ins Kondolenzbuch. (20. Dezember 2016) Der gesuchte Tunesier soll in Italien vier Jahre im Gefängnis gesessen haben: Fahndungsplakat des BKA. Der Tunesier habe Kontakte zu salafistischen Kreisen unterhalten und sei als «Gefährder» eingestuft worden, also als eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Die Behörden fahnden jetzt offiziell nach dem Tatverdächtigen Tunesier Anis A. Sie haben ein Kopfgeld von 100'000 Euro ausgesetzt. Gegen den Verdächtigen sei in Berlin wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt worden: Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger informiert in Düsseldorf über den gesuchten Tatverdächtigen Anis A. (21. Dezember 2016) Der getötete polnische LKW-Fahrer Lukasz U. hat durch sein Eingreifen gegen den Terroristen im Führersitz Schlimmeres verhindert. Die Polizei fahndet nach dem verdächtigen Tunesier, der hätte abgeschoben werden sollen. Im Fussraum der Fahrerkabine sollen die Ermittler ein offizielles Ausweisdokument des Verdächtigen gefunden haben: Mitarbeiter eines Abschleppunternehmens am Breitscheidplatz. Die Jihadistenmiliz IS beansprucht den Anschlag über sein Sprachrohr Amaq für sich. Der Attentäter sei ein «Soldat des Islamischen Staats». Der Lastwagen krachte durch die Gasse zwischen den Buden des Marktes und kam erst rund nach 60 bis 80 Metern zum Stehen. (20. Dezember 2016) Ariel Zurawski, Besitzer des Transportunternehmens, trauert um seinen Cousin Lukasz U. Der 37-jährige Pole wurde wohl vom Täter in der Fahrerkabine des LKW erschossen. Der Lastwagen fuhr an der Ecke Kantstrasse/Budapester Strasse in den Weihnachtsmarkt, krachte durch die Gasse zwischen den Buden, durchbrach nach 60 bis 80 Metern die linke Reihe der Buden und kam halb auf der Budapester Strasse zum Stehen. Ein Dutzend Menschen starben, bis zu 50 Menschen wurden teils schwer verletzt. (20. Dezember 2016) Tote, Verletzte und zerstörte Buden: Blick auf die Spur der Zerstörung des Lastwagens. (20. Dezember 2016) Trauer um die Opfer: Kanzlerin Angela Merkel legt Blumen nieder. (20. Dezember 2016) Junge Frauen auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Kudamm. Auch auf Weihnachtsmärkten in Frankreich werden die Sicherheitsmassnahmen erhöht: Polizisten in Paris. (20. Dezember 2016) Beton-Absperrungen werden errichtet. Sie sollen öffentliche Orte und Veranstaltungen besser schützen. «In uns lebt ihr weiter»: Die Menschen in Berlin trauern und zünden Kerzen für die Opfer an. (20. Dezember 2016) «Ich bin Berlin»: Zahlreiche Menschen wollen ihrer Trauer öffentlich Ausdruck verleihen. Sie zünden Kerzen an ... ... oder legen Blumen nieder. Auch in der Gedächtniskirche versammeln sich Menschen, um der Opfer zu gedenken. Das Attentat hatte in direkter Nähe stattgefunden. Am Tatort nahe der Gedächtniskirche: Die Ermittler bei Tagesanbruch. (20. Dezember 2016) Die Einsatzkräfte vor Ort am Breitscheidplatz (20. Dezember 2016) Die Führerkabine des LKW ist völlig zerstört. (20. Dezember 2016) Der Sattelschlepper wird von den Behörden abgeschleppt. (20. Dezember 2016) Der Tatort aus einiger Distanz: Weisse Absperrungen auf der Strasse verdecken die Sicht auf den Lastwagen und die Zerstörung, die er angerichtet hat. Ermittler sichern die Spuren beim Lastwagen, der in den Weihnachtsmarkt bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Trauer in Berlin: Der deutsche Sänger Frank Zander umarmt nach Bekanntwerden der Tat einen Fan an einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Ein Bild des Schreckens: Der Breitscheidplatz in Berlin, wo ein LkW in den Weinnachtsmarkt gesteuert wurde. (20. Dezember, 2016) Nach neusten Angaben der Polizei gab es zwölf Tote: Polizisten vor dem LKW am Breitscheidplatz in der Nähe des Kurfürstendamms. (19. Dezember 2016) Der schwarze LKW ist in einen Weihnachtsmarkt gerast. (19. Dezember 2016) Ein Weihnachtsbaum mit dem der Lkw kollidierte, liegt auf dem Boden. In der Gedächtniskirche Kaiser Wilhelm findet um 18 Uhr ein Trauergottesdienst statt. Berlins Bürgermeister Michael Müller (l.) gibt vor Ort den Medien Auskunft. Nach Angaben der Feuerwehr wurden mindestens 50 Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Rettungskräfte kümmern sich um einen Verletzten. Die Polizei prüft, ob es sich um einen Anschlag handelt. «Ich habe gesehen, wie der LKW in die Menschen gefahren ist», sagt ein junger Mann dem Fernsehsender N24. Der Fahrer sei maskiert gewesen. Nach Informationen der «Welt» gab es seit mehreren Tagen Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin. Der Lastwagen war über das Trottoir am Breitscheidplatz bei der Gedächtniskirche gefahren. Dabei wurden mehrere Buden zerstört. Der LKW fuhr nach Polizeiangaben auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt zwischen den Ständen durch. Dann kam er auf der Budapester Strasse zu stehen. Der Sattelschlepper war vorne stark demoliert und nach dem Anschlag vor dem Hochhaus des Waldorf-Astoria-Hotels abgestellt, wie ein dpa-Fotograf berichtete. Der Weihnachtsmarkt liegt in der Nähe der Gedächtniskirche. Die Polizei hat die Bewohner der Hauptstadt zur Ruhe aufgefordert. Dutzende Rettungswagen und viele Polizeiwagen waren vor Ort. Der Fahrer flüchtete zunächst Richtung Zoo. Später konnte er nach Polizeiangaben festgenommen werden. Die Berliner Polizei bittet die Anwohner, vorerst zu Hause zu bleiben. «Bleiben Sie zu Hause und verbreiten Sie keine Gerüchte», schrieb die Polizei am Montagabend auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. Zahlreiche Rettungskräfte kümmern sich um die Verletzten. Polizisten vor dem Truck mit polnischem Kennzeichen.

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Die Mutter des mutmasslichen Berlin-Attentäters Anis Amri hat in Frage gestellt, ob ihr Sohn wirklich den Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren hat oder nur als Sündenbock dient.

Der 24-Jährige habe in Gesprächen keine Anzeichen von Radikalisierung gezeigt, sagte Nur al-Huda Hassani am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP in der tunesischen Stadt Oueslatia. Al-Huda Hassani berichtete davon, dass die Armut ihren Sohn zu Diebstählen getrieben habe und auch dazu, illegal nach Europa zu reisen. Er habe einige Zeit in einem italienischen Gefängnis sowie in der Schweiz verbracht, ehe er nach Deutschland gekommen sei.


Fingerabdrücke bestätigt

Eine Korrespondentin der NZZ konnte offenbar mit der Schwester des Verdächtigen, Nour Amri, sprechen – diese gab ihr zu Protokoll, ihr Bruder sei auf dem Weg von Italien nach Deutschland durch die Schweiz gereist. Damit relativierte die Schwester die Aussage ihrer Mutter. Der mutmassliche Attentäter reiste im Juli 2015 über Freiburg im Breisgau nach Deutschland ein.

In Deutschland gilt Amri nun als Tatverdächtiger bei dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem zwölf Menschen getötet und fast 50 verletzt wurden. Die deutsche Bundesregierung bestätigte am Donnerstag, dass Fingerabdrücke des Tunesiers am Lastwagen entdeckt worden seien.

«Ich möchte, dass die Wahrheit über meinen Sohn aufgedeckt wird», sagte die Mutter der AP. Wenn er wirklich der Täter sei, müsse er die Verantwortung dafür übernehmen. Sie werde sich dann vor Gott von ihm lossagen. «Wenn er nichts getan hat, möchte ich, dass die Rechte meines Sohnes wiederhergestellt werden», fügte sie hinzu.

(thu/sda)