Medienbericht

18. Juni 2011 21:04; Akt: 18.06.2011 22:00 Print

«Austro-Taliban» trainierte für 9/11 in Deutschland

Ein in Österreich verhafteter Islamist soll laut einem Medienbericht einen Flugzeug-Angriff auf den Reichstag in Berlin geplant haben. Panikmache oder reale Bedrohung?

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Angriffsziel Reichstag: Während die Deutschen nicht an konkrete Pläne glauben, wird in Österreich ermittelt.

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Den alarmierenden Bericht publizierte die österreichische «Kronen-Zeitung» am Samstag. Allerdings hat die deutsche Bundesanwaltschaft nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über konkrete Anschlagspläne in Deutschland. Das österreichische Bundesinnenministerium wollte sich wegen laufender Ermittlungen nicht äussern.

Die Zeitung hatte gemeldet, der 25-jährige, zum Islam konvertierte Österreicher Thomas Al J. habe einen vollbesetzen Passagierjet in den Reichstag in Berlin steuern wollen. Der «Austro-Taliban» habe dafür monatelang an einem Simulator trainiert. Bei einer Kommandoaktion sei der Mann am Mittwoch verhaftet worden. Auch drei Komplizen seien festgenommen, aber wieder auf freien Fuss gesetzt worden.

Deutsche winken ab - in Wien wird weiter ermittelt

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte mit Blick auf die Festnahmen der österreichischen Gruppe: «Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für konkrete Vorbereitungen eines Anschlags in Deutschland.» Zwar laufe gegen die Gruppe auch in Deutschland ein eigenständiges Ermittlungsverfahren. Allerdings laute der Vorwurf «finanzielle Unterstützung des gewaltsamen Dschihad», sagte der Sprecher.

Während die Deutschen den Verdacht aus Österreich verwerfen, wird dort weiter ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in Wien prüft, ob der am Mittwoch verhaftete 25-Jährige ein vollbesetztes Passagierflugzeug in den Reichstag steuern wollte. Das sagte die Chefin der Anklagebehörde, Marie-Louise Nittel im ORF-Radiosender Ö1. Bisher sei der Verdacht noch nicht verifiziert worden, sagte Nittel gegenüber deutschen Medien weiter.

Yusuf O. in Österreich festgenommen

In einem anderen Fall bestätigte die deutsche Bundesanwaltschaft eine Festnahme: Auf Veranlassung deutscher Behörden sei ebenfalls in Österreich bereits am 31. Mai der 26-jährige mutmassliche Islamist Yusuf O. aus Berlin gefasst worden. Dem Mann werde Mitgliedschaft in der ausländischen Terrorgruppe «Deutsche Taliban Mujahideen» vorgeworfen. Das Auslieferungsverfahren laufe.

Zwischen beiden Fällen gebe es aber «keine strafrechtlich relevanten Zusammenhänge», betonte der Behördensprecher. Weitere Details zu den Verdächtigen nannte er nicht.

Die «Berliner Morgenpost» hatte gemeldet, der Deutsch-Türke Yusuf O. sei im Frühjahr 2009 nach Pakistan gereist. Dort habe er sich im Grenzgebiet zu Afghanistan der DTM angeschlossen. Als «Ayyub al-Almani» sei der Islamist in mehreren Propagandavideos aufgetreten.

Im September 2009 habe er direkt mit Anschlägen in deutschen Grossstädten gedroht. Der Mann soll dem Zeitungsbericht zufolge erst vor Kurzem aus einem terroristischen Ausbildungslager in Pakistan zurückgekehrt sein. Er habe über Österreich nach Deutschland einreisen wollen.

Deutschland im Visier von Terroristen

Die «Deutschen Taliban Mujahideen», die im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aktiv sind, verüben nach Darstellung der Bundesanwaltschaft Anschläge auf afghanische und pakistanische Truppen sowie auf die internationale NATO-Schutztruppe ISAF.

Wegen der ISAF-Beteiligung der Bundeswehr sei auch Deutschland im Visier der DTM. Als prominentes Mitglied der DTM galt der im April 2010 getötete Eric Breininger.

(ap)