Terror im Mumbai

26. Februar 2009 17:03; Akt: 26.02.2009 17:22 Print

«Babyface-Killer» droht die Todesstrafe

von Peter Blunschi - Der einzige überlebende Terrorist von Mumbai ist offiziell angeklagt worden. In der 11 000 seitigen Anklageschrift werden auch Offiziere der pakistanischen Armee als mögliche Hintermänner genannt.

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Mohammed Ajmal Kasab, aufgenommen von einer Überwachungskamera im Hauptbahnhof von Mumbai. (Bild: Keystone/Sebastian D\'souza)

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Als «Babyface-Killer» wurde der 21-jährige Mohammed Ajmal Kasab in den Medien bezeichnet. Zusammen mit neun Komplizen hatte er den verheerenden Terroranschlag von Ende November 2008 in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai verübt. Die gegen zwei Luxushotels, den Hauptbahnhof und ein jüdisches Zentrum gerichtete Aktion hatte 60 Stunden gedauert und mehr als 170 Todesopfer gefordert.

Mohammed Ajmal Kasab ist der einzige überlebende Angreifer. Am Mittwoch wurde er vor einem Gericht in Mumbai in zwölf Punkten formell angeklagt, darunter Kriegführung gegen Indien und Mord. Bei einer Verurteilung droht im die Todesstrafe. Im Verhör hatte der Pakistani bereitwillig ausgepackt, so über seine Ausbildung in einem Lager der radikal-islamischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba. Ausserdem sagte er, ihm seien 150 000 pakistanische Rupien versprochen worden – etwa 2000 Franken.

37 weitere Verdächtige

Die Anklageschrift umfasst nicht weniger als 11 200 Seiten. Sie basiert auf Interviews mit 2200 Zeugen und enthält auch die protokollierten Telefongespräche der Attentäter mit ihren Hintermännern in Pakistan. Mehrere hundert Anrufe seien über weitgehend abhörsichere VoIP-Dienste erfolgt. Die zur Registrierung des Kontos nötige Mailadresse sei über Provider in Pakistan, Kuwait, Russland und den USA angewählt worden.

Ausserdem werden 37 weitere Verdächtige genannt, die in die Anschläge verwickelt gewesen sein sollen, darunter zwei Inder, welche die Tatorte ausgekundschaftet hätten. Bei den übrigen Verdächtigen handelt es sich um Pakistanis. Brisant ist, dass auch zwei Offiziere der pakistanischen Armee involviert sein sollen. Indien beschuldigt den berüchtigten Geheimdienst ISI, er habe Verbindungen zu Lashkar-e-Taiba.

In der Anklageschrift allerdings wird der ISI nicht erwähnt. Die pakistanische Regierung hatte nach anfänglichem Leugnen Mitte Februar eingeräumt, dass der Anschlag in ihrem Land geplant wurde. Zudem hatte Islamabad bestätigt, dass Kasab pakistanischer Staatsbürger ist. Die Anklageschrift könne die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Indien und Pakistan weiter belasten, so die britische «Times».

Kein Verteidiger gefunden

Rakesh Maria, Leiter der Kriminalpolizei von Mumbai, zeigte sich jedoch überzeugt, dass eine solide Anklage vorliegt: «Wir sind sehr zuversichtlich. Unsere Leute haben sehr hart gearbeitet, es gibt viele Beweise.» Mohammed Ajmal Kasab war bei der Anklageerhebung nicht anwesend, aus Sicherheitsgründen. Die indischen Behörden fürchten, er könnte ermordet werden.

Aus diesem Grund dürfte der Prozess auch nicht vor einem «normalen» Gericht stattfinden, sondern in dem Hochsicherheitsgefängnis in Mumbai, in dem Kasab einsitzt. Ein Datum steht noch nicht fest. Das liegt gemäss «Times» unter anderem daran, dass sich bislang kein Anwalt finden liess, der den Terroristen verteidigen will.