Bannons Zürich-Besuch

28. Februar 2018 18:19; Akt: 28.02.2018 22:23 Print

«Basis will die politische Klasse schlagen»

Anlässlich des Besuchs in Zürich spricht Trumps ehemaliger Stratege Steve Bannon über den Aufstand der Wähler gegen das Establishment.

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Demonstranten ziehen gegen Steve Bannons Auftritt durch Zürich-Oerlikon. (6. März 2018) Die Protestierenden wollen ein Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Ausbeutung setzen. Bannon habe als Wahlkampfleiter von Donald Trump dafür gesorgt, dass dessen rassistische, sexistische und nationalistische Präsidentschaftskampagne erfolgreich war. Und als Chefstratege der Trump-Administration sei er für die übelsten rassistischen Entgleisungen der US-Regierung mitverantwortlich gewesen. Polizisten waren zunächst keine vor Ort, auch wenn die Stadtpolizei Zürich über die Demonstration im Bild war. Der Auftritt von Steve Bannon in Zürich-Oerlikon hat wie erwartet auch für etwas Protest gesorgt. (6. März 2018) Rund 100 Personen versammelten sich am Dienstagabend zu einer unbewilligten Demonstration gegen den Besuch des Ex-Strategen von US-Präsident Donald Trump. Protestierende halten in Zürich Plakate in die Luft. Zur Protestaktion hatte die Bewegung für den Sozialismus (BFS) aufgerufen. Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon referiert in der Halle 622 in Zürich vor über 1500 «Weltwoche»-Abonnenten. Er folgte einer Einladung der «Weltwoche» von SVP-Nationalrat Roger Köppel. Bannon ist in Europa, um ein Netzwerk populistischer Bewegungen zu knüpfen. Er sieht Europa als neue Wiege dieser politischen Strömung. Sein Ziel ist letztlich die Zerstörung des Staates, wie er es nach seiner Ernennung zum Chef von Trumps Wahlkampfteam gesagt hatte. Die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, hat sich am Dienstag in Zürich zu einem Gedankenaustausch mit Steve Bannon getroffen. Aus Weidels Büro hiess es, für sie seien besonders Bannons Erfahrungen mit politischer Kommunikation und alternativen Medien interessant gewesen. Tamara Funiciello, Präsidentin der Juso, ärgert sich über Bannons Besuch. Nach Bannons herablassenden Aussagen über Trumps Familie im Buch «Fire and Fury» brach der US-Präsident auch privat mit seinem einstigen Vertrauten.

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Donald Trumps Ex-Chefstratege Steve Bannon wird am 6. März in Zürich über seine Zeit im Weissen Haus referieren. «Die populistische Revolte und ihre globalen Auswirkungen für die Schweiz, Europa und Amerika», ist der Titel der Veranstaltung. Die «Weltwoche» hat ihn eingeladen und ihn aus diesem Anlass interviewt.

Bannon vergleicht den Populismus in den USA mit jenem in Europa. So sieht er etwa bei den Wahlen in Italien vom 4. März einen «populistischen Aufstand» mit unterschiedlichen politischen Hintergründen. «Über ganz Europa sehen wir die Feuer des Populismus aufflammen», sagt er.

Die Auswirkungen der Globalisierung

Die Leute würden das Heft wieder selbst in die Hand nehmen wollen. Denn die Eliten hätten den Kontakt zum Volk verloren. Die Bewegung sei nicht auf einzelne Länder beschränkt, auch nicht auf ein einzelnes Volk. So wie die AfD in Deutschland die SPD überholt habe, hätten sich die Wähler in Südkorea im vergangenen Jahr gegen die Eliten erhoben.

«Ich denke, das sind die Auswirkungen der Globalisierung», sagt Bannon im Interview weiter. Auch die moderne Kommunikationsgesellschaft sei ein Faktor, in der Menschen jenseits der traditionellen Medien über Facebook, Twitter oder Snapchat miteinander in Kontakt treten.

Revolte als natürliche Reaktion

Bannon erkennt eine Renaissance konservativer Medien, was der populistischen Bewegung helfe. «Die Eliten haben sich nie um diese Menschen gekümmert.» Die Entwicklung sei deshalb eine natürliche Reaktion, um sich mit einer Revolte Gehör zu verschaffen.

Die Juso protestiert gegen Bannons Besuch. Man wolle diesen «garantiert nicht kommentarlos geschehen lassen», sagte Präsidentin Tamara Funiciello im Vorfeld. «Jetzt kommen diese überprivilegierten Sexisten und Rassisten.» Meinungsäusserungsfreiheit sei wichtig, sagte sie, «aber Rassismus und Sexismus sind keine Meinungen.» Bannon versteht diese Kritik nicht. Er sieht sie als Versuch, die freie Meinungsäusserung zu unterbinden. «Oder fürchtet man sich vor Ideen?»

Entschlossen gegen die politische Klasse

Die populistische Bewegung sei auch in den USA nach wie vor im Gang. Bannon prophezeit Sitzgewinne im US-Senat. «Die Menschen an der Basis sind entschlossen, die politische Klasse zu schlagen.» Die Mainstream-Medien würden sich dagegenmit Vorliebe um Getratsche im Weissen Haus kümmern.

Eine populistische Bewegung braucht keinen grossen Führer, sagt Steve Bannon. Bild: Keystone/Evan Vucci/AP

Nach einer Schelte à la Trump an die Adresse der Sender CNN und MSNBC teilt Bannon auch gegen die klassischen Zeitungen aus: «Ich lese nicht die New York Times oder die Washington Post. Das ist nicht der Puls.» Auf die Frage, ob die Rücktrittsforderungen gegen Stabschef John F. Kelly gerechtfertigt seien, sagt er: «Man kann den Mann nicht wegen eines Fehlers verurteilen.» Kelly hatte Stabssekretär Rob Porter verteidigt, der wegen häuslicher Gewalt gegen seine Ehefrau den Posten räumen musste.

Bis zum Ende des Patriarchats

Bannon gibt sich als Freund aller Bewegungen gegen das Establishment. So ist er etwa überzeugt, dass Rechts-Wähler auch die #metoo-Bewegung unterstützen sollten.

«Ich denke, die Menschen der populistischen Rechten sollten dieser Bewegung wenigstens gebührend Respekt zollen.» Bei der Verleihung der Golden Globe Awards hatten alle Teilnehmer schwarz getragen, um anlässlich der Skandale um sexuelle Belästigung in der Film- und Fernsehbranche ein Zeichen zu setzen.

Bannon sieht im linken Ur-Anliegen, ein Ende des Patriarchats herbeizuführen, das Ziel der Strömung. «Bei der Bewegung geht es darum, das Patriarchat zu beenden», sagt er.

Führungspersönlichkeiten

Die #metoo-Bewegung sei auf verschiedene Köpfe verteilt, sie brauche, ebenso wie die rechtspopulistischen Strömungen keine Führungspersönlichkeiten.

Es sei eben nicht so wie in Europa, wo man immer nach einem grossen Führer suche. Populistische Bewegungen würden sich selbst organisieren – so auch jene im amerikanischen Wahlkampf: «Bei der populistischen Bewegung trat erst bei den Präsidentenwahlen eine Führungspersönlichkeit in Erscheinung. Das war Donald Trump.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patricia am 28.02.2018 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wechselt die Politiker aus

    Die Eliten haben den Kontakt zum Volk durch konequente Ignoranz verloren.

    einklappen einklappen
  • Thomas J.L. am 28.02.2018 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Leider hat er Recht

    Ich bin kein Fan von Mr. Bannon. Ich muss ihm jedoch recht geben bezüglich Beobachtung und Analyse über die Entfrendung der Politelite zum Volk und der daraus reultierenden Popularität der Rechten. Kein Volk lässt es sich über lange Zeit gefallen, von Personen regiert zu werden die das Volk nicht vertreten können da sie es nicht verstehen weil sie es ignorieren.

  • Daniel B. am 01.03.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann ?

    Nehmen wir an, Bannon, Blocher und Co. schaffen es, das politische Establishment zu bodigen. Was bleibt dann übrig ?? Übernimmt dann die SVP die politische Führung und wenn ja, warum würde man sie nicht als politisches Establishment bezeichnen können ? Immerhin gehören ja auch dort die Meisten seit Jahren zum ehrenwerten Club der Politiker. Und was hätten die Bürger davon, ganz konkret ??

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel B. am 01.03.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann ?

    Nehmen wir an, Bannon, Blocher und Co. schaffen es, das politische Establishment zu bodigen. Was bleibt dann übrig ?? Übernimmt dann die SVP die politische Führung und wenn ja, warum würde man sie nicht als politisches Establishment bezeichnen können ? Immerhin gehören ja auch dort die Meisten seit Jahren zum ehrenwerten Club der Politiker. Und was hätten die Bürger davon, ganz konkret ??

  • Nina am 01.03.2018 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur gegen etwas sein reicht nicht

    Ich bin gespannt auf die besseren und vor allem umsetzbaren Rezepte. Nur Nein sagen ist zu wenig, um die Leute zu überzeugen.

  • Thomas J.L. am 28.02.2018 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Leider hat er Recht

    Ich bin kein Fan von Mr. Bannon. Ich muss ihm jedoch recht geben bezüglich Beobachtung und Analyse über die Entfrendung der Politelite zum Volk und der daraus reultierenden Popularität der Rechten. Kein Volk lässt es sich über lange Zeit gefallen, von Personen regiert zu werden die das Volk nicht vertreten können da sie es nicht verstehen weil sie es ignorieren.

  • Donna am 28.02.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Steve

    Steve Banon is bezahlt von der Elite (kein Patriot). Im Moment ist der von den Chinesischen Milliardär-Flüchtling, der demnächst für seine Kriminalität und Doppelrolle ausgeschaft wird, finanziert. Er hat sich durch Trump eine Popularität, die für seine geplannte Presidentschaftswahl notwendig ist, gewünscht. Leider schief gelaufen.....

  • Globias am 28.02.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aluhut-Steve

    Jaja, und die Populisten kümmern sich mehr ums Volk, sieht man ja beim Trump... sobald einer an der Macht ist, weiss er nichts mehr von Versprechen. Ist leider ein menschliches Problem. Von mir aus soll Aluhut Bannon in Zürich schwafeln, ich muss ja da nicht hingehen.