Anschläge in Nigeria

26. Dezember 2011 22:56; Akt: 27.12.2011 02:23 Print

«Boko Haram setzen sich für die Scharia ein»

von Andy Fischer - Die radikalislamische Sekte Boko Haram will aus Nigeria einen «Gottesstaat» machen. Dieses Ziel werde sie nicht erreichen, ist sich Afrika-Kenner Al Imfeld sicher.

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Der bisher folgenschwerste Anschlag ereignete sich bei einer katholischen Kirche in Madalla. Afrika-Kenner Al Imfeld (kleines Bild). (Bild: Reuters)

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Der Zeitpunkt der Anschläge ist ja wohl kein Zufall.
Al Imfeld: Weihnachten ist für Boko Haram ein Synonym für den Westen. Weihnachten steht für sie für Konsum und auch für die USA – weil dieses Fest gerade in Afrika so amerikanisiert wurde.

Boko Haram will aus Nigeria einen islamischen «Gottesstaat» machen. Wird das gelingen?
Nein. Keine Chance. Dafür ist die Gruppierung viel zu klein – sie hat höchstens 10 000 Mitglieder. Im Unterschied zu den anderen Muslimen im Land setzt sie sich für die radikale Scharia ein, will auch die Rechte der Frauen massiv einschränken. Sie sind so etwas wie eine afrikanische Taliban.

Unternimmt die Regierung genug gegen diese islamistische Gewalt?
Sie muss immer die Balance zwischen dem christlichen Süden und dem islamischen Norden suchen. Gegen Boko Haram gehen die Sicherheitskräfte jedoch konsequent vor. Da die Sekte aber eher klein ist, ist der Kampf gegen sie sehr schwer. Die Leute können in diesem grossen Land leicht untertauchen.

Wie werten Sie grundsätzlich das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Nigeria?
Bis jetzt leben Christen, Muslime und Anhänger traditioneller Religionen recht friedlich zusammen. Die muslimischen und auch christlichen Extremisten bilden die Ausnahme.

www.alimfeld.ch