Jean-Claude Juncker

05. Juli 2016 16:06; Akt: 05.07.2016 16:37 Print

«Brexit-Anführer verlassen das sinkende Schiff»

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker stellt Ukip-Chef Nigel Farage und Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson an den Pranger.

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«Ich dachte, das Brexit-Lager habe einen Plan»: Jean-Claude Juncker spricht im EU-Parlament in Strassburg. (5. Juli 2015) (Bild: AFP/Frederick Florin)

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«Die strahlenden Brexit-Helden von gestern sind nun die traurigen Helden von heute», sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor dem EU-Parlament in Strassburg.

Die Kommission warte jetzt auf die offizielle Bekanntgabe des britischen Austrittsbegehrens, die lasse aber auf sich warten. «Ich dachte, das Brexit-Lager habe einen Plan», sagte Juncker am Dienstag. Stattdessen verliessen dessen Anführer nun das «sinkende Schiff».

Der Präsident der EU-Kommission spielte damit auf den ehemaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson und den Chef der europafeindlichen Partei Ukip, Nigel Farage, an. Beide hatten sich für einen Austritt Grossbritanniens aus der EU stark gemacht.

Bitterböse Brexit-Reaktionen im Netz

Nach dem Ja zum Brexit bei der Volksabstimmung gab Johnson überraschend seinen Verzicht auf eine Kandidatur für die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron bekannt. Farage kündigte am Montag seinen Rücktritt als Ukip-Chef an, will aber nach eigenen Angaben weiter Mitglied des Europaparlaments bleiben.

Auch der EU-Ratsvorsitzende Donald Tusk forderte London auf, nun ein «geordnetes Austrittsverfahren» einzuleiten. Zugleich bekräftigte er, dass Grossbritannien die grundlegenden Freizügigkeiten garantieren müsse, wenn es weiterhin Zugang zum EU-Binnenmarkt haben will.

Kein Wunschkonzert

«Einen Binnenmarkt à la carte wird es nicht geben», sagte Tusk. Zu den Freizügigkeiten gehört das Recht von europäischen Arbeitnehmern, in anderen EU-Staaten zu arbeiten. Dieses Recht wollen die britischen Befürworter des EU-Austritts jedoch einschränken.

Zum weiteren Kurs der EU sagte Tusk, es sei noch zu früh, um endgültige Schlüsse aus dem Brexit-Referendum zu ziehen. Klar sei aber, dass die Bürger unzufrieden seien - sei es auf nationaler oder auf europäischer Ebene.

Nicht weiter wie bisher

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach sich aber gegen eine engere politische Integration der EU aus. «Das wäre eine Verleugnung der Gefühle vieler Europäer, für die die EU etwas weit Entferntes geworden ist», sagte Rutte in Strassburg.

Das schlechteste, was Brüssel und die Mitgliedstaaten jetzt machen könnten, wäre so weiterzumachen wie bisher. Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU sei ein Signal und «sicherlich nicht das einzige Signal, dass es eine Veränderung braucht», sagte Rutte. Er plädierte dabei für mehr konkrete Ergebnisse mit Blick auf den Wohlstand der Menschen, Arbeit und Sicherheit.

Posters im Kampf gegen den Brexit

(kat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi am 05.07.2016 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    wer zuletzt lacht...

    Irgendwie habe ich das Gefühl, die selbstverliebten EU-Politiker freuen sich so richtig über den aktuellen Missstand in GB. Aber ich denke, irgendwann wird auch ihnen das Lachen im Halse stecken bleiben - mal sehen, wie sich das mit Griechenland (allgemein mit den verschuldteten Südstaaten), den Migrationsströmen und all den anderen internen EU-Problemen entwickelt. Und Junker kann ich schon lange nicht mehr ernst nehmen...

  • M. K. am 05.07.2016 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schnapsdrossel

    Hat die Schnapsdrossel wiede rmal einen über den Durst getrunken?

  • D. Maurer am 05.07.2016 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aber Hallo?

    Herrn Juncker würde ich empfehlen, das eigene Schiff an Land zu bringen, anstatt auf seine Gegner loszugehen. Natürlich war der Brexit ein harter Schlag für ihn, aber es scheint mir, als ob dies nötig wurde, da sonst niemand mehr auf den überall hochgelobten Volkswillen mehr achtet. Es wäre Zeit für einen Wechsel an der Spitze der EU, denn genau solche Leute wie Juncker haben zu oft für die eigenen Vorstellungen und Wünsche gehandelt und den Volkswillen nicht ausreichend berücksichtigt. So funktioniert Demokratie auch nicht, man kann den Leuten nicht alles aufzwingen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • FASANO am 06.07.2016 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bedauerliche Schauspieler in Brüssel.

    Peinlich, diese Stimmungmache in Brüssel gegen Britische Politiker und Privatpersonen. Und das exakt von uralten Leuten wie Junker, der mit seinem Alkoholproblem nicht ernst, aber für randvoll genommen werden kann. Dass solche Leute in Brüssel an der Spitze stehen sagt genug aus über dieses marode, korrupte, gefährliche System. Kein Mensch mit auch nur ein bisschen Ehre kann sich von Brüssel anstellen lassen.

  • alexa* am 06.07.2016 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    EU nicht mehr Vertrauenswürdig !

    Ich warte auf den Tag, wo der ganze EU Tempel wegen seiner eigenen " Wahrheiten " auffliegt.... Dann werden wir in DE Medien lesen können, dass ALLE gewusst haben , dass es so kommen würde !

  • Arthur Gubler am 06.07.2016 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Rückenschuss

    Nigel Farage eignet sich nicht als Verhandlungspartner mit der EU und das hat er eingesehen. Bei Boris Johnson hat ihm sein Freund in den Rücken geschossen. Nicht sie verlassen das sinkende Schiff, nein, sie verlassen die sinkende EU.

  • M. Sapin am 06.07.2016 01:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungen gesucht

    Ich finde den Durchschnittskommentar hier (und die dazugehörigen Daumen hoch) so inhaltsleer und stammtischpopulistisch, so wenig zu Lösungen beitragend, das man sich eigentlich übergeben müsste. Soweit zum meinem Beitrag zur Lösung :) :)

  • Walter M. am 06.07.2016 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schein

    Die EU überschätzt sich ein bisschen. Wenn GB will können Sie, als noch Mitglied das Veto benutzen um die EU zu blockieren. Das ist alles nur Gebelle um den Verhandlungspartner zu beeindrucken.

    • Igor am 06.07.2016 06:12 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      GB soll EU blockieren, viele andere freuts. weiter so.

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