Chen berichtet

18. Mai 2012 11:24; Akt: 18.05.2012 12:22 Print

«Dann hätten sie mich totgeschlagen»

Mauer, Schweinestall, Brücke, Auto, US-Botschaft: Chen Guangcheng, der blinde chinesische Bürgerrechtler, erzählt erstmals detailliert von seiner Flucht aus dem Hausarrest.

Chen wendet sich an die chinesische Regierung. (Video: YouTube)
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20 Stunden auf der Flucht, über zahlreiche Hindernisse – und das alles blind: Was der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng von seiner Flucht aus dem Hausarrest in der östlichen Provinz Shandong berichtet, ist beeindruckend.

«Es gab mindestens 60 Leute, die in dem Dorf mit meiner Überwachung beauftragt waren», berichtete Chen am Donnerstagabend am Telefon über seine Flucht am 20. April. «Hätten sie entdeckt, dass ich geflohen bin, hätten sie mich wahrscheinlich totgeschlagen. Das war wirklich sehr, sehr gefährlich.»

Zu Beginn den Fuss gebrochen

Der blinde Aktivist wurde später auf der Flucht von Verwandten und Freunden unterstützt, doch den ersten Teil musste er ganz allein zurücklegen. Zunächst musste er eine zwei Meter hohe Mauer überwinden, die seine Wächter um sein Haus errichtet hatten.

Beim Sprung von der Mauer brach er sich den Fuss. Obwohl er seit seiner Kindheit blind ist, kennt sich der 40-Jährige um sein Dorf gut aus. Da es helllichter Tag war, versteckte er sich zunächst in einem Schweinestall.

Trotz des Schmerzes in seinem Fuss gelang es ihm bei einbrechender Dunkelheit, humpelnd und kriechend eine Brücke über einen Fluss zu erreichen. Die dort postierte Wache bemerkte ihn zum Glück nicht – womöglich weil sie schlief, wie Chen vermutete.

Nach zwanzig Stunden und zahlreichen weiteren Hindernissen erreichte er schliesslich das Nachbardorf in einem Kilometer Entfernung. Er klopfte bei einem Freund, der seinen Bruder Chen Guangfu informierte.

Unaufmerksame Wächter

«Niemand dachte, dass mir die Flucht gelingen würde. Sie waren schockiert, mich zu sehen», sagte Chen. Sein Bruder informierte andere Menschenrechtsaktivisten und organisierte ein Auto für die Fahrt in die nächste Stadt Xintai.

Am 22. April brachten ihn Aktivisten aus Peking in die Hauptstadt. Glücklicherweise entdeckten seine Wächter die Flucht erst nach mehreren Tagen. Am 26. April schliesslich brachte ihn ein Auto der US-Botschaft in die Mission.

Chen will in die USA

Chen hatte durch seinen Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen den Zorn der Behörden auf sich gezogen. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis im September 2010 hatten die örtlichen Behörden ihn unter Hausarrest gestellt.

Nach langwierigen Verhandlungen mit den chinesischen Behörden verliess der 40-Jährige nach sechs Tagen die US-Botschaft wieder und wurde zur Behandlung seines Fusses in eine Klinik gebracht. Er fühlt sich in China aber nicht sicher und will mit seiner Familie in die USA ausreisen.


(Video: YouTube/Channel4News)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lee Chong am 18.05.2012 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht objektiv

    Das ist seine Sicht der Dinge. Die chinesische Staatsführung sieht dies anders. Objektivität wäre dann, wenn jeweils beide Seite ihre Version vorbringen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lee Chong am 18.05.2012 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht objektiv

    Das ist seine Sicht der Dinge. Die chinesische Staatsführung sieht dies anders. Objektivität wäre dann, wenn jeweils beide Seite ihre Version vorbringen.

    • David Schneider am 18.05.2012 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vertraut dem Staat!

      Genau. Und genau deshalb ist Chen spektakulär abgehauen, damit die Objektivität auf der Strecke bleibt. Oder was?!

    • Ping Pong am 18.05.2012 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      Ja ja!

      Stimmt. Wäre ja nichts als fair. Die chinesische Staatsführung ist ja auch immer so objektiv...

    • L.wing am 18.05.2012 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Tatsachen

      Richtig....nur gewisse Tatsachen liegen auf der Hand....zudem kann ein korruptes Land wie China viel vertuschen.....nur das ist auch in den USA oder sonst wo möglich.

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