Wahlen in Griechenland

29. September 2009 08:12; Akt: 29.09.2009 08:22 Print

«Das Schlimmste kommt am Montag»

Elf Millionen Griechen wählen am kommenden Sonntag in vorgezogenen Wahlen ein neues Parlament. Der konservative Regierungschef Kostas Karamanlis und Giorgos Papandreou, Herausforderer der Sozialisten, hatten angesichts leerer Staatskassen kaum Raum für Versprechungen.

storybild

Auch die Grösse des Posters garantiert noch keinen Wahlerfolg: Kostas Karamanlis. (Bild: Reuters)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Finanzexperten schätzen die Schulden Griechenlands auf 260 bis 280 Milliarden Euro. «Das Schlimmste kommt am Montag nach der Wahl», sagt der Wirtschaftsexperte Nikolaos Wroussis. Griechenland drohen nämlich Strafmassnahmen der EU, weil Athen mit fast sieben Prozent Haushalts-Defizit den EU-Stabilitätspakt massiv verletzt.

«Uns stehen noch zwei schwierige Jahre bevor», sagt der amtierende Regierungschef Karamanlis zur Lage der Nation, die von der Wirtschaftskrise hart getroffen wurde. Er werde «verantwortungsvoll» alle Fehler der vergangenen Jahre beheben.

Ob er dazu überhaupt die Möglichkeit erhält, ist ungewiss: Seit Wochen deuten Umfragen auf einen klaren Sieg der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) von Papandreou hin. Dieser will Griechenland mit staatlichen Investitionen aus der Wirtschaftskrise führen.

Skandale und Versämunisse

Karamanlis hatte sich Anfang September unter anderem wegen des Drucks der schlechten Umfragen gezwungen gesehen, vorgezogene Wahlen zu verkünden. Seiner konservativen Partei, Nea Dimokratia (ND), war es zuvor nicht gelungen, die Ankündigungen umzusetzen, mit denen sie die Wahlen 2004 und 2007 gewonnen hatte.

Den Staat wollte Karamanlis von Grund auf erneuern, Korruption und Vetternwirtschaft ausmerzen. Unterdessen rutschte Griechenland auf der Liste der Staaten mit der stärksten Korruption auf die hintersten Plätze zusammen mit afrikanischen und mittelasiatischen Staaten ab.

Hinzu kamen Skandale und Versäumnisse. Im August zerstörten mehrere grosse Brände die letzten Wälder rund um Athen. Ein Arbeitsminister der Karamanlis-Regierung beschäftigte illegale Einwanderer, ohne sie anzumelden. Und einer der engsten Mitarbeiter Karamanlis' wurde verurteilt, weil er versucht hatte, einem seiner Stammwähler einen Prozess wegen Beteiligung an einem Drogengeschäft zu ersparen.

Auch an diesen Problemen will der 57-jährige Oppositionsführer Papandreou ansetzen: Das Land brauche eine neue Vision und Transparenz überall, verkündigte er im Vorfeld der Wahlen.

Neues Familien-Duell

Der Wahlkampf Papandreou gegen Karamanlis ist eine Neuauflage eines klassischen griechischen Polit-Duells. In den letzten fast 50 Jahren trafen Politiker der beiden Familien immer wieder bei Wahlen aufeinander.

Schon 1961 standen sich Konstantinos Karamanlis, der Onkel des heutigen Premiers, und Georgios Papandreou, der Grossvater des heutigen Sozialistenführers, gegenüber. Sie regierten Griechenland fast rotierend. Der Karamanlis-Onkel regierte Griechenland erneut zwischen 1974 und 1981, Papandreous Vater Andreas von 1981 bis 1989 und erneut zwischen 1993 und 1996.

Die griechische Presse spricht den jüngsten Sprossen der beiden Politikerdynastien weniger Charisma zu als ihren Vorfahren. So beschreibt die konservative Athener Zeitung «Kathimerini» Karamanlis als klugen, aber faulen Schüler. Zu Papandreou schreibt sie: «der Schüler, der sich zwar bemüht, es aber nicht schafft, gut zu werden».

(sda)