Fall Timoschenko

11. Mai 2012 19:20; Akt: 11.05.2012 19:26 Print

«Das geht vorbei»

Der Streit um die erkrankte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ist nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch bald zu Ende. Von der Kritik hält er nicht viel.

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Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat den Streit um die in Haft erkrankte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko nach Tagen des Schweigens als «vorübergehend» bezeichnet. Der Fall sei politisiert, aber das gehe vorbei, sagte er am Freitag in Kiew.

Zu den schweren Verstimmungen mit der Europäischen Union bemerkte der umstrittene Staatschef, beide Seiten hätten doch Ende März ein Assoziierungsabkommen paraphiert. «Die Pause, die nun eingetreten ist, hat für uns beide ihren Nutzen», betonte Janukowitsch, der als grösster Rivale Timoschenkos gilt.

Die EU kritisiert den Umgang mit der Oppositionsführerin scharf. Aus Protest will die EU-Kommission im Juni den Spielen der Fussball- Europameisterschaft in der Ex-Sowjetrepublik fernbleiben

Timoschenko bezahlt Spitalaufenthalt selbst

Die vom Gefängnis im ostukrainischen Charkow in eine örtliche Klinik verlegte Timoschenko liess unterdessen mitteilen, dass sie die Behandlung durch Ärzte der Berliner Klinik Charité persönlich bezahle. Behauptungen, dass die deutsche Regierung oder der ukrainische Staat dafür aufkommen müssten, seien eine Provokation, sagte ihr Anwalt Sergej Wlassenko.

Er kritisierte die Leitung des Spitals in Charkow. Das Personal halte Lebensmittel zurück und verhindere damit, dass der deutsche Neurologe Lutz Harms die 51-Jährige aus einem dreiwöchigen Hungerstreik herausführen könne, sagte der Verteidiger.

Besuch aus der EU

Um mehr über den aktuellen Gesundheitszustand Timoschenkos zu erfahren, wollen ihr mehrere europäische Politiker diese Tage einen Besuch abstatten. Den Anfang machte am Freitag die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite. «Europas Vertrauen in die Ukraine nimmt ab», sagte sie am Freitag nach dem Treffen mit Timoschenko.

Am kommenden Mittwoch wollen der angeschlagenen Ex- Regierungschefin zudem zwei Abgeordnete des Europarats ihre Aufwartung machen. Es handelt sich dabei gemäss Angaben der Organisation um den estnischen Liberalen Mailis Reps und die schwedische Konservative Marietta de Pourbaix-Lundin.

Ausserdem sollen die beiden Abgeordneten mit Timoschenkos Anwalt sprechen. Geplant sind auch Treffen mit Anwälten anderer früherer Regierungsmitglieder, die wie Timoschenko zu Haftstrafen wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurden.

(sda)

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