Geldsorgen

10. Oktober 2019 08:35; Akt: 10.10.2019 10:10 Print

Kann die UNO bald die Löhne nicht mehr zahlen?

von D. Krähenbühl - Die Vereinten Nationen warnt, die Löhne ihrer Mitarbeiter nicht bezahlen zu können. Die betroffene Belegschaft ist beunruhigt.

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Die UNO hat Geldsorgen: Generalsekretär António Guterres spricht von der «schlimmsten Finanzkrise seit einem Jahrzehnt». Von den 193 Mitgliedsstaaten haben erst 130 ihre diesjährigen Beiträge geleistet. «Wir riskieren, dass wir im November nicht genügend Geld haben, die Löhne der Angestellten zu bezahlen», warnte Guterres. Die Auswirkungen wären gross – auch auf die Schweiz: Über 44'000 Mitarbeiter arbeiten weltweit bei der UNO, 11'000 davon in der Schweiz. Das Büro in Genf ist neben dem New Yorker Hauptquartier der zweite Hauptsitz der Vereinten Nationen. Verantwortlich für die knappe Kasse der UNO ist unter anderem der grösste Beitragszahler, die USA. Im Gegensatz zur Schweiz, die dieses Jahr als 18. Land ihren Beitrag pünktlich bezahlt hat, schuldet die Regierung in Washington der Staatengemeinschaft immer noch mehr als eine Milliarde Dollar Bei der betroffenen Belegschaft sorgt Guterres' Ankündigung für Beunruhigung: «Die Atmosphäre unter den Mitarbeitenden ist angespannt», sagt Ian Richards, UNO-Experte in Wirtschaftsfragen und Präsident der Angestelltenorganisation der UNO Genf. Die Mitarbeitenden seien angehalten worden, alle nicht essenziellen Reisen und Meetings zu verschieben, sagt Richards. «Wir versuchen nun alles, um möglichst alle Ausgaben tief zu halten, bis die weitere Finanzierung gesichert ist.» Das Eintreten eines Shutdowns und ein dadurch verbundener Arbeitsstopp für die Mitarbeitenden wären für Richards das Worst-Case-Szenario. Im Bild: die UN-Zentrale in New York. Für die CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission, Elisabeth Schneider-Schneiter, ist das Geldproblem bei der UNO ein Ausdruck, dass der Multilateralismus in Gefahr sei. «Jeder denkt nur noch an sich und an seinen eigenen Vorteil.» Für SP-Nationalrat Carlo Sommaruga ist die schlechte Zahlungsmoral der Mitgliedstaaten nicht nur finanziell zu erklären: «Gewisse Länder wie die USA haben ein politisches Interesse daran, die UNO zu schwächen.»

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Die UNO hat Geldsorgen: Generalsekretär António Guterres spricht von der «schlimmsten Finanzkrise seit einem Jahrzehnt». Von den 193 Mitgliedsstaaten haben erst 130 ihre diesjährigen Beiträge geleistet. Im Budget-Topf der UN klafft derzeit ein Loch von 1,3 Milliarden Dollar. Durch die ausbleibenden Beitragszahlungen sind die Geldsorgen bei der UNO derart gross, dass der Organisation ein Finanz-Blackout drohe, warnt Guterres: «Wir riskieren, dass wir im November nicht genügend Geld haben, die Löhne der Angestellten zu bezahlen» (20 Minuten berichtete).

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Die Auswirkungen wären gross – auch auf die Schweiz: Über 44'000 Mitarbeiter arbeiten weltweit bei der UNO, 11'000 davon in der Schweiz. Über 3000 von ihnen arbeiten beim UN-Sekretariat in Genf (siehe Box). Das Büro in Genf ist neben dem New Yorker Hauptquartier der zweite Hauptsitz der Vereinten Nationen.

Verantwortlich für die knappe Kasse der UNO ist unter anderem der grösste Beitragszahler, die USA. Im Gegensatz zur Schweiz, die 2019 als achtzehntes Land ihren Beitrag pünktlich bezahlt hat, schuldet die Regierung in Washington der Staatengemeinschaft immer noch mehr als eine Milliarde Dollar (siehe unten).
US-Präsident Trump sind die Zahlungen ein Dorn im Auge. Er fordert, dass andere Länder einen höheren Beitrag leisten. Auch Länder wie etwa Brasilien, Saudi Arabien oder Südkorea haben ihre Mitgliederbeiträge noch nicht einbezahlt.

Arbeitsstopp als «Worst-Case-Szenario»

Bei der betroffenen Belegschaft sorgt Guterres’ Ankündigung für Beunruhigung: «Die Atmosphäre unter den Mitarbeitenden ist angespannt», sagt Ian Richards, UNO-Experte in Wirtschaftsfragen und Präsident der Angestelltenorganisation der UNO Genf. «Viele UNO-Mitarbeiter machen sich sorgen, weil sie ihre Miete oder Rechnungen begleichen müssen.» Darum sei es für sie sehr wichtig, rechtzeitig entlöhnt zu werden.

Die Mitarbeitenden seien angehalten worden, alle nicht essenziellen Reisen und Meetings zu verschieben, sagt Richards. «Wir versuchen nun alles, um möglichst alle Ausgaben tief zu halten, bis die weitere Finanzierung gesichert ist.» Das Eintreten eines Shutdowns und ein dadurch verbundener Arbeitsstopp für die Mitarbeitenden wären für Richards das Worst-Case-Szenario: «Ohne unsere Arbeit überlassen wir die verletzlichsten Menschen der Gesellschaft, etwa in Kriegsregionen, ihrem Schicksal.»

«Jeder denkt nur noch an sich»

Für die CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission, Elisabeth Schneider-Schneiter, ist das Geldproblem bei der UNO ein Ausdruck, dass der Multilateralismus in Gefahr sei. «Jeder denkt nur noch an sich und an seinen eigenen Vorteil.» Für die Schweiz als Sitzstaat von internationalen Organisationen sei es aber wichtig, dass ihre Stabilität und finanzielle Gesundheit gewährleistet sei.

Schneider-Schneiter, die im Vorstand der Gesellschaft Schweiz- UNO ist, sieht die Finanzkrise jedoch auch als Chance: «Die Schweiz drängt schon lange auf Reformen bei der UNO. Die Organisation muss finanziell verantwortungsbewusster werden, effizienter und effektiver», so Schneider-Schneiter. «Das würde auch den Forderungen der USA entgegenkommen.»

Politisches Interesse an UNO-Schwächung

SP-Nationalrat Carlo Sommaruga schliesst sich ihr an: «Die UNO muss effizienter und weniger bürokratisch werden. Man soll überprüfen, ob es wirklich alle Mitarbeiter braucht.» Das Ziel der Schweiz müsse es sein, die entsprechenden Reformen voranzutreiben, der UNO zugleich den Rücken zu stärken.

Denn die UNO soll nicht kaputtgespart werden, wie das einige Länder anstreben würden, betont Sommaruga. Für ihn ist die schlechte Zahlungsmoral der Mitgliedstaaten nicht nur finanziell zu erklären: «Gewisse Länder wie die USA haben ein politisches Interesse daran, die UNO zu schwächen.»


So viel zahlt die Schweiz

Die Aktivitäten der UNO werden durch Pflichtbeiträge und freiwillige Beiträge der Mitgliedstaaten finanziert. 2018 bezahlte die Schweiz 106,1 Millionen Franken Pflichtbeiträge: 77,4 Mio. Franken an friedenserhaltende Operationen, 27,7 Mio. Franken ans reguläre Budget und 1 Mio. Franken an die UNO-Tribunale. 2019 bezahlte die Schweiz 32,1 Millionen ans reguläre UNO-Budget. Damit übernimmt die Schweiz rund 1,15 Prozent des UNO-Etats.

Mit 22 Prozent den höchsten Budget-Anteil übernahmen 2018 rechnerisch gesehen die USA. Danach folgen China (12%), Japan (8,5%), Deutschland (6%) und das Vereinigte Königreich (4,5%). Wenn ein Staat seinen Beitrag zwei aufeinanderfolgende Jahre nicht zahlt, verliert er je nach Umständen das Stimmrecht in der UNO-Generalversammlung. Betroffen sind momentan drei Länder: Somalia, die Komoren und São Tomé und Príncipe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doris Klingelweich am 10.10.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Für was?

    Die UNO ist genau gleich wie die EU ein aufgeblasen Geld Vernichtung Maschine. Der Sinn oder Gedanke hinter der UNO ging schon vor Jahren verloren.

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  • Ruedi am 10.10.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht sollte man...

    auch mal aufzeigen, wieviele Milliarden auch hier verschwendet werden und was dem gegenüber als Verdienst erreicht wurde....bin sicher, niemand würde die UNO wirklich vermissen...wie Frau Ponte schon mehrmals gesagt hat, ausschliesslich arbeitsscheue Bürokraten mit horrenden Gehältern ohne jegliches Resultat.

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  • Lara Müller am 10.10.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UNO Reisekosten

    Insiderwisden: Die Ausgaben der UNO für Meetingd sind erheblich, in der Privatwirtschaft wird Skype eingesetzt, bei der UNO wird Businessclass & mind 4 Sterne Hotel gebucht. Vielleicht wäre es mal an der Zeit, die Kosten in den Griff zu kriegen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elsi Bühler am 10.10.2019 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unogelder für soziale Zwecke verwenden

    Alle UNO-Mitarbeiter entlassen auf der Welt würde sich nichts ändern.

  • Dantes Peak am 10.10.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P UNO

    Lasst die UNO sterben. Es wird nur besser so.

  • S@m.W am 10.10.2019 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UNO Veto mächte

    Die Veto Mächte sollen am meisten zahlen und Vorallem zahlen sonst wird das Veto entnommen

  • Stef Eich am 10.10.2019 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher riesen Löhne

    Ich will ja lieber nicht wissen was für Gehälter die auch beziehen. Kein Wunder also und.....selber Schuld! Schöpft das System noch mehr ab bis es komplett kollabiert.

  • fips am 10.10.2019 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lösung

    wer nicht zahlt am tag x hat am tag x+1 keinen sitz mehr im sicherheitsrat und auf lebzeiten kein veto mehr. problem gelöst. also das mit den usa