USA machen Schuldzuweisungen

14. Juni 2019 02:10; Akt: 14.06.2019 02:24 Print

Sicherheitsrat tagt wegen Angriffen auf Tanker

Obwohl die Hintergründe für die Attacken im Golf von Oman noch unklar sind, haben der US-Aussenminister und der UN-Botschafter der USA dem Iran die Verantwortung zugewiesen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der UN-Sicherheitsrat hat sich in einer Dringlichkeitssitzung mit den mutmasslichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman befasst. Dabei bekräftigten die USA nach Angaben von Diplomaten am Donnerstag ihre Vorwürfe gegen den Iran. US-Botschafter Jonathan Cohen sagte demnach, alle Hinweise liessen auf eine Verantwortung Teherans schliessen, unter anderem die Art der eingesetzten Sprengsätze.

Der Iran hat jegliche Verantwortung dafür dementiert. «Der Iran weist die haltlose Behauptung der USA mit Bezug auf die Öltanker-Vorfälle vom 13. Juni kategorisch zurück und verurteilt sie auf das Schärfste.» So hiess es am Donnerstag in einer Mitteilung der Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen. «Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischen Golfregion.»

Zuvor hatte bereits US-Aussenminister Mike Pompeo den Iran für die mutmasslichen Angriffe auf die Tanker verantwortlich gemacht: «Es ist die Einschätzung der USA, dass die Islamische Republik für die Angriffe verantwortlich ist.»

Attacke

Betroffen waren am Donnerstag zwei Schiffe einer norwegischen und einer deutschen Reederei. Die norwegische Seefahrtsbehörde bestätigte einen Angriff auf den Öltanker «Front Altair». Das norwegische Unternehmen Frontline meldete eine Explosion und einen Brand an Bord des Schiffes.

Die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) in Singapur teilte mit, es seien 21 Seeleute von ihrem mit Methanol beladenen Frachter «Kokuka Courageous» gebracht worden. Das Schiff sei am Morgen beschädigt und ein Crewmitglied leicht verletzt worden.

Saudi-Arabien

Die Zwischenfälle am Golf haben auch die Spannungen zwischen dem Iran und seinen arabischen Erzrivalen weiter erhöht. Die Hintergründe der Vorfälle unweit der Küste des Irans waren zunächst ebenso unklar wie die Verantwortlichen. Bereits seit Wochen wachsen in der Region die Spannungen zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und seinen Verbündeten einerseits sowie dem schiitischen Iran andererseits. Das Königshaus in Riad wirft der Führung in Teheran vor, sich in die inneren Angelegenheiten arabischer Staaten einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Irans Version

Ein Sprecher der iranischen Flotte erklärte, mehrere Expertenteams seien mit Helikoptern über dem Seegebiet im Einsatz, um die Zwischenfälle zu untersuchen. Die iranische Agentur Irna meldete, Rettungsteams des Landes hätten die Rettung von 44 Seeleuten mit koordiniert.

Ölpreis

Die betroffene Meerenge ist eine der wichtigsten Seestrassen der Welt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strasse von Hormus läuft ein grosser Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Die Ölpreise stiegen nach den Zwischenfällen stark an. Der Preis für die US-Rohölsorte WTI stieg um bis zu 3,9 Prozent auf 53,11 Dollar je Barrel (159 Liter).

Rolle der EU

Die EU warnte nach den Vorfällen vor vorschnellen Reaktionen. «Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen», sagte die Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel.

Sicherheit

Das norwegische Seefahrtsamt erhöhte seine Sicherheitsstufe für das betroffene Gebiet. «Wegen der Angriffe und der unklaren Umstände» rate man Schiffen unter norwegischer Flagge, sich von iranischen Territorialgewässern fernzuhalten.

Atomabkommen

Die USA waren vor einem Jahr einseitig aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und setzen das seitdem wieder mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck. Das US-Militär verlegte einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in die Region, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen liess.

Sabotageakt

Erst vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe in derselben Region gemeldet. Nach saudiarabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar.

Erste Vorwürfe

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die «fast sicher» der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von «lächerlichen Behauptungen».

Jemen-Krieg

Die USA hatten zusammen mit ihren Verbündeten Saudi-Arabien und den VAE in den vergangenen Wochen den Druck auf den Iran massiv erhöht. Die Königshaus in Riad beschuldigt den Iran unter anderem, in Jemens Bürgerkrieg die Huthi-Rebellen zu unterstützen. Diese hatten in den vergangenen Wochen Saudi-Arabien wiederholt mit Drohnen angegriffen.

(kle/sda)