Vermisste 15-Jährige

17. Februar 2020 12:13; Akt: 17.02.2020 13:31 Print

«Der Schwager war mit Rebecca allein im Haus»

Am Dienstag ist es ein Jahr her, seit die 15-jährige Rebecca aus Berlin verschwunden ist. Nun spricht erstmals der ermittelnde Staatsanwalt über den Fall.

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Seit dem 18. Februar 2019 ist Rebecca (15) aus Berlin verschwunden. Sie hatte das Wochenende damals bei ihrer älteren Schwester und ihrem Schwager verbracht. Am Montagmorgen hätte sie zur Schule gehen sollen. Dort kam sie aber nie an.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Rebecca tot ist. Eine grossangelegte Suche führte jedoch nicht zum Erfolg. Nun hat sich der zuständige Staatsanwalt Martin Glage im Interview mit der «Bild» zum Fall geäussert. «Wir haben, nachdem die Tat bereits ein Jahr zurückliegt und umfangreiche Ermittlungen geführt wurden, keine Hoffnung mehr, dass Rebecca noch lebt», sagt er.

«Das kam häufiger vor, dass sie dort übernachtete.»

Verdächtigt worden war der Schwager der Jugendlichen, er wurde jedoch aus der U-Haft entlassen, weil der Tatverdacht nicht länger begründet werden konnte. Dass Rebecca überhaupt bei ihm zu Hause war, sei nicht überraschend, sagt Glage. «Das kam häufiger vor, dass sie dort übernachtete.»

Trotzdem gehen die Ermittler davon aus, dass Rebecca noch im Haus zu Tode kam – auch wenn keine konkreten Hinweise auf eine Gewalttat gefunden wurden. Das letzte Lebenszeichen der 15-Jährigen sei ein Selfie, das sie am Morgen einer Freundin geschickt habe. «Das war dann so üblich, dass die Freundin auch ein Foto von sich zurückschickte. Es konnte aber bereits nicht mehr zugestellt werden.»

«Entweder ist er geschickt oder er hat Glück.»

Mit Rebecca verschwanden auch einige Dinge, die bis heute verschollen sind. So etwa eine rosa Wollplüschdecke, die Rebecca normalerweise benutzt hatte, wenn sie auf dem Sofa übernachtete. Auch Kleidungsstücke und das Handy der Vermissten sind unauffindbar.

Nach dem Verschwinden von Rebecca suchte die Polizei ein Waldstück bei Storkow und ein Gebiet südöstlich von Berlin ab. Ein Überwachungssystem hatte den Renault Twingo des Schwagers zu einem Zeitpunkt, als er angeblich schlief, auf der Autobahn erfasst. Das Gebiet befindet sich in der Nähe von Verwandten des 27-Jährigen. Auch Spürhunde waren zum Einsatz gekommen – doch da war nichts.

Der Schwager hatte später zugegeben, dass er nicht geschlafen hatte, sondern für Drogengeschäfte nach Polen gefahren war. «Das hat ihn natürlich ausgesprochen verdächtig gemacht. Ausserdem war es einfach so, dass nach den Ermittlungen er der Letzte war, der mit Rebecca im Haus war – und zwar allein mit ihr im Haus», sagt Glage zur «Bild». Ob ein sexuelles Motiv vorliegt, kann der Staatsanwalt nicht sagen. «Wir wissen schlicht nicht genau, was da in diesem Haus passiert ist.»

«Im Moment können wir nicht mehr machen, als die Hinweise abzuarbeiten.»

Glage will den Fall in seinen verbleibenden zehn Dienstjahren lösen. «Das wäre schön. Ob es klappt, werden wir sehen.» Derzeit gebe es keine heissen Spuren. «Wenn wir mal einen Hinweis bekommen, der uns erfolgsversprechend erscheint, wird sicherlich wieder gesucht werden. Aber im Moment können wir nicht mehr machen, als diese Hinweise abzuarbeiten», sagt Glage. Er hoffe, dass sich doch noch Zeugen oder Personen melden, die etwas beobachtet haben.

Bisher habe er noch keinen Fall erlebt, bei dem ein Beschuldigter einen Menschen spurlos habe verschwinden lassen können. «Entweder er ist besonders geschickt oder er hat unglaubliches Glück oder er ist auch gar nicht der Täter. Aber das wissen wir alles nicht so genau. Von Letzterem gehen wir derzeit nicht aus, aber wir können auch nichts anderes behaupten.»

(vro)