Egyptair-Entführer

29. März 2016 17:13; Akt: 29.03.2016 17:59 Print

«Der labile Mann» mit dem Handy-Gürtel

Seif Eldin Mustafa hat die 60 Passagiere einer Egyptair-Maschine in Angst versetzt. Was bisher über den Entführer bekannt ist.

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Hat er für die PLO gemordet? Seif al-din Mostafa beim Verlassen des Gerichts in Larnaca. (30. März 2016) Trägt einen selbstgebastelten Gurt, der wie ein Sprengstoffgürtel aussehen sollte: Der Flugzeugentführer verlässt den Airbus A320 am Flughafen von Larnaca. Das zypriotische Fernsehen zeigte Bilder, wie der Entführer die Maschine verlässt. Die Beamten durchsuchten den am Boden liegenden Mann und führten ihn ab. Dieser hatte sich freiwillig gestellt und das Flugzeug mit erhobenen Händen verlassen. Die Flugzeugentführung ist beendet, der Mann konnte verhaftet werden. Einer Geisel gelang die Flucht durch ein Cockpitfenster. Der Entführer des ägyptischen Flugzeuges stellt politische Forderungen: Ein Scharfschütze liegt am Flughafen Larnaca, Zypern auf der Lauer. Er verlangt unter anderem die Freilassung von oppositionellen Frauen in Ägypten. Sherif Fathy, der ägyptische Luftfahrtsminister, informiert die Medienleute in Kairo über den Vorfall. In den sozialen Medien kursieren Bilder, die den Entführer im Inneren des Flugzeuges zeigen sollen. Er habe laut dem zypriotischen Staatsfernsehen einen Übersetzer verlangt und politisches Asyl beantragt. (29. März 2016) Experten der zypriotischen Polizei verhandeln mit dem Entführer des ägyptischen Flugzeuges. Er wolle mit seiner Ex-Frau sprechen. Noch immer sollen sich sieben Personen, darunter drei Passagiere, in der Gewalt des Entführers befinden. Nach Angaben des Leiters des Flughafens von Alexandria, Hossni Hassan, befanden sich 26 Ausländer an Bord des Flugzeugs, darunter acht Amerikaner, vier Briten, vier Niederländer, zwei Belgier, zwei Griechen sowie jeweils eine Person aus Frankreich, Italien und Syrien. (29. März 2016) Die ägyptischen Passagiere wurden freigelassen, vier Ausländer und die Crew mussten zunächst an Bord bleiben. (29. März 2016) Später liess der Mann weitere Personen gehen. (29. März 2016) Der Mann soll von der Polizei gefordert haben, einen Brief an seine Ex-Frau zu übergeben. (29. März 2016) Der zypriotische Präsident Nikos Anastasiades sagte im Staatsfernsehen, die Entführung habe keinen terroristischen Hintergrund. (29. März 2016) Ein Mann hat ein Flugzeug der Fluggesellschaft Egypt Air auf dem Weg von Alexandria nach Kairo entführt. (29. März 2016) Der Entführer soll als Ibrahim Samaha identifiziert worden sein. (29. März 2016) Er habe dem Piloten damit gedroht, einen Sprengstoffgürtel zu zünden. Der Airbus A320 wurde zur Landung in Larnaca, Zypern gezwungen. An Bord des Fluges MS181 waren 63 Menschen. Ein erstes Foto der Maschine auf dem Flughafen in Larnaca ist aufgetaucht. Der Flughafen wurde geschlossen. Zypern hat einen Krisenstab gebildet und Kontakt zu den ägyptischen Behörden aufgenommen. Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis wird über die Entwicklungen informiert.

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Ein Mann hat ein Passagierflugzeug in Zypern zur Landung gezwungen. An Bord der Egyptair-Maschine bangten 60 Insassen um ihr Leben. Erst nach Stunden gab der Entführer auf.

Wer ist der Entführer?

Beim Täter soll es sich um Seif Eldin Mustafa, einen 59-jährigen Ex-Armeeoffizier, handeln. Er habe bis 1994 auf Zypern gelebt und fünf Kinder mit seiner Ex-Frau, berichtete die zypriotische Zeitung «Phileleftheros» auf ihrer Homepage.


Zunächst wurde berichtet, dass der Vetrinärmediziner Ibrahim Samahaa das Flugzeug entführt habe. Diese Meldung der Nachrichtenagentur Reuters stellte sich jedoch als falsch heraus. Samahaa war einer der Passagiere. Die Behörden haben sich beim Uni-Professor entschuldigt.


Was wollte der Entführer?

Der Entführer machte widersprüchliche Angaben zu seinen Motiven. Der ägyptische Ministerpräsident Scherif Ismail sagte vor Journalisten, die wirklichen Motive seien noch unklar. Einmal habe der Mann verlangt, einen Vertreter der Europäischen Union zu sprechen, dann wiederum habe er gefordert, zu einem anderen Flughafen gebracht zu werden. Der Mann scheine «labil», so Ismail.

Das zypriotische Staatsfernsehen RIK berichtete, der Mann wolle Asyl in Europa erhalten. Dies stünde in einem Brief, den er aus dem Fenster der Maschine warf und den die Polizei übersetzen liess. Zudem fordere er, mit seiner aus Zypern stammenden Ex-Frau zu sprechen. Die Sicherheitsbehörden suchten die Frau, um sie zum Flughafen von Larnaca zu bringen. Der Mann scheint «verliebt zu sein», sagte ein Sprecher der zypriotischen Regierung, der anonym bleiben will, zum «Guardian».

Gemäss einem Beamten des ägyptischen Aussenministeriums habe die Tat nichts mit Terrorismus zu tun. «Er ist kein Terrorist, er ist ein Idiot. Terroristen sind verrückt, aber sie sind nicht dumm. Dieser Kerl ist es», sagte er zum «Independent».

Was hat es mit dem Sprengstoffgürtel auf sich?
Mustafa hat im Flugzeug mit der Zündung eines Sprengstoffgürtels gedroht. Tatsächlich kursierte auf Twitter ein Foto, das ihn mit einem Sprengsatz zeigt. Gemäss des zypriotischen Aussenministers Ioannis Kassoulides handelte es sich um eine Bombenattrappe. Er habe mehrere Handy-Hüllen miteinander verbunden, sie mitsamt Kabeln in eine Art Gürtel gesteckt und dies als Sprengstoffgürtel ausgegeben.


Wie verlief die Festnahme?

Nach mehreren Stunden Nervenkrieg hat Mustafa aufgegeben. Mit erhobenen Händen ging er über die Piste in Richtung zweier Anti-Terror-Polizisten. Die Beamten hätten den dann am Boden liegenden Mann durchsucht und abgeführt. Alle Geiseln kamen frei.

(Video: Reuters)

(woz)