In London versklavt

21. November 2013 15:56; Akt: 21.11.2013 19:40 Print

«Die 30-Jährige hatte nie Kontakt zur Aussenwelt»

Die Londoner Polizei hat ein Paar verhaftet, das im Verdacht steht, drei Frauen wie Sklaven gehalten zu haben. Eine 30-Jährige war ein Leben lang in der Gewalt der beiden.

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Inspektor Kevin Hyland von Scotland Yard informiert die Medien: Eine 30-jährige Frau sei ihr Leben lang gefangen gehalten worden. (Bild: Keystone/Facundo Arrizabalaga)

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Die Polizei in London hat zwei Personen verhaftet. Ein 67-Jähriger und eine gleichaltrige Frau sollen in ihrem Haus im Süden Londons drei Frauen als Sklavinnen gehalten haben - eine von ihnen ihr ganzes Leben lang. «Die 30-jährige Frau hatte ihr Leben lang keinen Kontakt zur Aussenwelt», bestätigt die Polizei gegenüber dem englischen Mirror.

Im Oktober hat die Organisation Freedom Charity einen Anruf einer Frau erhalten, die sagte, sie werde seit Jahrzehnten gegen ihren Willen festgehalten. Nach der Verhaftung konnten eine 69-jährige Frau aus Malaysia, eine 57-jährige Irin und eine 30-jährige Britin das Haus verlassen, schreibt die BBC. Die drei Opfer, die «extrem traumatisiert» seien, wurden an einen sicheren Ort gebracht.

«Sie hatten riesige Angst»

Eine TV-Doku zum Thema Zwangsehe von Freedom Charity habe das Opfer dazu gebracht, zum Hörer zu greifen und das Hilfswerk anzurufen, so ein Polizeisprecher. Danach habe es mehrere längere Telefongespräche gegeben, in denen die Befreiung vorbereitet wurde. Offenbar fanden diese Gespräche ohne das Wissen der Täter statt. «Sie gaben uns Zeiten an, wann sie mit uns sprechen konnten.»

Aneeta Prem, die Gründerin von Freedom Charity, sagt zu Sky News: «Die Opfer hatten riesige Angst vor ihren Peinigern.» Sie glaube nicht, dass die Nachbarn etwas gewusst hätten. «Es war ein ganz normales Haus an einer normalen Strasse.» Nun werden die Frauen versuchen, wieder ein normales Leben aufzubauen.

Erinnerungen an Cleveland

Das menschliche Drama weckt auch Erinnerungen an einen Fall aus den USA. Dort wurden im Mai drei Frauen aus den Fängen des Entführers Ariel Castro befreit, der sie rund ein Jahrzehnt lang in seinem Haus in Cleveland eingesperrt, misshandelt und vergewaltigt hatte. Eines der Opfer konnte schliesslich fliehen und die Polizei alarmieren.

Anfang August wurde der 53-jährige Peiniger der drei Frauen zu lebenslanger Haft plus tausend Jahre verurteilt. Einen Monat später wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

Vor rund einem Monat wurde ausserdem ein 84-jähriger Pakistaner in England zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er hatte im Jahr 2000 ein taubstummes Mädchen aus seiner Heimat nach Grossbritannien geholt und es neun Jahre lang wie eine Sklavin gehalten und immer wieder vergewaltigt.

Inspektor Kevin Hyland von Scotland Yard wendet sich an die Öffentlichkeit. Ein Fall von dieser Tragweite habe er noch nie erlebt:

(rey/jam)