20 Minuten in Bangkok

17. August 2015 17:15; Akt: 18.08.2015 09:21 Print

«Die Bevölkerung steht unter Schock»

von Florian A. Lehmann - Christian Köppel lebt in Bangkok und arbeitet als Journalist für 20 Minuten. Er hat sich nach dem Anschlag vor Ort ein Bild der Situation gemacht.

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Der Verdächtige Yusufu M. bei einer Tatortbegehung in Bangkok. (9.9.2015) Verdächtiger gefasst: Auf Tafeln wurde nach «Thailands meistgesuchtem Mann» gefahndet. (23. August 2015) Schwierige Ermittlungen: Weil viele der installierten Überwachungskameras nicht funktionierten, müssen die Fahnder «Teile des Puzzles zusammensetzen». Mutmassliche Attentäter: Bilder einer Überwachungskamera zeigen drei Verdächtige. Einer der Verdächtigen am 17. August 2015 in einem Tuktuk. Das Tuktuk soll nach der thailändischen Polizei auf dem Weg zum Erawan-Schrein sein. Neues Fahndungsfoto: Das am 20. August von der thailändischen Polizei veröffentlichte Bild zeigt den Hauptverdächtigen als Beifahrer auf einem Motorrad. Die Behörden gehe davon aus, dass der Einzeltäter Helfer hatte und haben Interpol um Hilfe bei der Fahndung gebeten. Die thailändische Polizei sucht derzeit nach drei Verdächtigen, die auf Videobildern zu sehen sind. Mindestens einer von ihnen soll ein Ausländer sein. Die Polizei hat ein Phantombild des mutmasslichen Bombenlegers veröffentlicht In Nana untersuchte die Polizei ein verdächtiges Paket: Dieses Twitter-Bild soll die Situation vor Ort zeigen. (19. August 2015) Der mutmassliche Täter, auf den auch ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Wieder zugänglich: Der Erawan-Schrein ist für die Bevölkerung und Touristen freigegeben. (19. August 2015). Ein Soldat der thailändischen Armee weist einen Touristen und Einheimische vom Tatort weg. Buddistische Mönche halten eine Zeremonie für die Opfer ab. (19. August 2015) In der Nähe des Erawan-Schreins gedenken Menschen den Opfern des Attentats. (18. August 2015) Menschen legen nahe des Tatorts Blumen nieder. Auf religionsübergreifenden Zeremonien ist den Opfern des Anschlags gedacht worden. Die Polizei veröffentlicht ein Bild eines Verdächtigen, aufgenommen von einer Überwachungskamera. Er geht mit einem schwarzen Rucksack zum Erawan-Schrein... ...und kehrt ohne zurück. (18. August 2015) Menschen spenden Blut beim Roten Kreuz in Bangkok. (18. August 2015) Weitere Detonation: Ein Bild einer Überwachungskamera soll die Explosion vom 18. August beim Sathorn Pier zeigen. (18. August 2015) Polizisten untersuchen den zweiten Tatort. (18. August 2015) Nahe dem Erawan-Schrein legen die Menschen Blumen und Kondolenzschreiben nieder. (18. August 2015) Die Trauer bei den Angehörigen ist gross. (18. August 2015) Ein Bild der Zerstörung: Der Ort der Explosion am Tag danach. (18. August 2015) Eine erste Spur führt in den Norden des Landes: Forensiker untersuchen den Tatort. (18. August 2015) Die Bombe zerstörte sich auch selbst weitgehend: Ein Polizist sichtet Spuren. (18. August 2015) Polizisten, Rettungskräfte und Armeeangehörige versuchen sich einen Überblick zu verschaffen. (17. August 2015) Schwere Explosion im Zentrum Bangkoks: Ein Polizist am Ort des Geschehens. (17. August 2015) Grosse Hektik nach der Explosion: Hilfskräfte versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen. Rettungskräfte versuchen, verletzte Menschen in die Spitäler zu transportieren. Ein Bild der Verwüstung in Bangkok. Ein Polizist fotografiert den Tatort. Unzählige Trümmer liegen auf den Trottoirs und Strassen bei der Unglücksstelle. Die Behörden versuchen, sich ein Bild über die Verwüstungen der Detonation zu machen. Kein Durchkommen: Soldaten und Polizisten sperren das Gelände ab. So hat der Unglücksort ausgesehen: Der Erawan-Schrein im Jahr 1999. epa04921354 An Erawan Shrine bombing suspect, identified by Thai police as Yusufu Mieraili (C-L) who was arrested holding a Chinese passport, during a crime reenactment outside a shopping center opposite of the Erawan Shrine in Bangkok, Thailand, 09 September 2015. Yusufu was arrested by Thai police on the Thai-Cambodian border in connection with the Erawan Shrine bombing in Bangkok and confessed to owning bomb-making materials found in an apartment in Bangkok. The bombing at the Hindu Shrine killed at least 20 people and injured more than a hundred. EPA/RUNGROJ YONGRIT

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Christian Köppel, Sie sind unmittelbar vor der Unglücksstelle. Was haben Sie für einen Eindruck über das Ausmass des Bombenanschlags?

Ich befinde mich ungefähr 50 Meter vor der Unglücksstelle. Alles ist mittlerweile von der Polizei und vom Militär abgesperrt worden. Auch der Verkehr wurde umgeleitet. Man hat keine Chance, näher an den Ort, wo die Explosion stattgefunden hat, zu gelangen.

Das Hotel Grand Erawan Hyatt wurde evakuiert, ebenso die vier grossen Einkaufscenter. In diesen Gebäuden befindet sich niemand mehr. Jetzt ist es in der Nähe des Anschlags aber gespenstig ruhig, und auch sehr dunkel. Es werden immer noch Verletzte wegtransportiert.

Wie sind Sie denn überhaupt in die Nähe des Unglücksortes gekommen?

Was mich überrascht: Die Sky-Trains, die direkt über den Ort der Explosion führen, sind noch in Betrieb. Das ist irgendwie eigenartig: Man kann von oben aus dem Zug auf den Ort der Verwüstung blicken. Man darf nicht vergessen: Der Anschlag ist um 19 Uhr passiert, also während der Rush Hour. Es liegen überall Trümmer herum, die Explosion muss heftig gewesen sein.

Wie reagieren die Menschen in Bangkok auf die Nachricht?

Die Thais sind geschockt. Sie telefonieren noch häufiger als sonst, sie fragen ihre Freunde oder Verwandten, wie es ihnen gehe. Ich haben den Eindruck, dass die meisten Menschen gar noch nicht nachvollziehen können, was genau passiert ist.

Was unternehmen die Behörden nach diesem Anschlag?

Wie schon gesagt: Das Gebiet, wo die Explosion stattfand, ist inzwischen grossräumig abgesperrt worden. Die Behörden, darunter der Präsident, rufen die Bevölkerung ständig auf, nach Hause zu gehen. Ausserdem wurde die Bevölkerung aufgerufen, Blut zu spenden. Es werden alle Blutgruppen gesucht. Sie warnen auch vor zehn neuralgischen Punkten in der Innenstadt, die grosse Strassenkreuzungen und auch Touristenattraktionen sind. Diese sollten wenn möglich gemieden werden.

Eine davon liegt gleich bei mir, ist die nächste grosse Strassenkreuzung, wo ich wohne. Es wird unmöglich sein, diese zu umgehen. Aber so geht es wohl allen. Mit einem mulmigen Gefühl gehen wir morgen wieder auf die Strassen. Morgen bleiben die öffentlichen Gebäude und die Schulen allerdings geschlossen.

Ist es Zufall, dass der Bombenanschlag beim Erawan-Schrein einschlug?

Nein, das kann nicht Zufall sein. Der Erawa-Schrein ist das Herz von Bangkok, ein Zentrum des Hinduismus, der aber auch von der lokalen Bevölkerung verehrt wird. Viele verneigen sich, wenn sie den Ort passieren. Und viele Touristen besuchen den Ort. Es ist eine Kultstätte für die Einheimischen und die Touristen.

Es sollen offenbar mehreren Bomben gelegt worden sein.

Die Rede ist von vier Bomben, wobei eine davon explodierte und drei andere entschärft worden seien.

Hat man schon vernommen, wer hinter dem Anschlag stecken könnte?

Das sind bisher alles nur Spekulationen. Ich muss schnell unterbrechen: Plötzlich rennen Leute davon. (Spricht auf Englisch: Hallo, ist irgend etwas vorgefallen?) Jetzt fahren plötzlich wieder mehrere Polizeiautos mit Sirenen zur Unglücksstelle, Polizisten verjagen die Passanten. Alle rennen Richtung Sky-Train-Bahnhof.

Man kann nur spekulieren, wer für die Tat in Frage kommt. Wenn es sich um radikale Muslime handeln würde, dann wäre dieser Anschlag ihr bisher grösstes Attentat in diesem Land. Bislang hielten sie sich aus Bangkok fern. Es könnte aber auch sein, dass die Bombe wegen der Militärregierung gelegt wurde. Schliesslich hat es seit zwei Jahren keine Wahlen mehr in Thailand gegeben. Und die jetzige Regierung hat auch nicht vor, bald Wahlen zu verkünden.