Ärzte ohne Grenzen

30. Juli 2014 16:12; Akt: 31.07.2014 01:20 Print

«Die Ebola-Seuche ist ausser Kontrolle»

Die Ebola-Krankheit breitet sich in Westafrika unkontrolliert aus. 672 Menschen sind bereits gestorben. Ärzte befürchten, dass bald weitere Länder betroffen sein könnten.

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Angesichts der Ebola-Seuche in Westafrika schlägt die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm: «Diese Epidemie ist beispiellos, sie ist ganz und gar nicht unter Kontrolle und die Situation verschlechtert sich immer weiter», warnte Einsatzleiter Bart Janssens in der Zeitung «Libre Belgique» vom Mittwoch.

Sollte sich die Lage vor Ort nicht rasch verbessern, könnten bald weitere Länder betroffen sein. Vor allem in Sierra Leone und Liberia gebe es inzwischen grosse Gebiete, die von der Seuche betroffen seien, und immer noch breite sie sich weiter aus, sagte Janssens.

Aggressiver Viren-Stamm breitet sich aus

Zugleich fehle ein umfassender Überblick, um zu verstehen, «wo die Hauptprobleme liegen». Er rief die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und die Regierungen auf, die Epidemie mit aller Macht zu bekämpfen.

Seit Monaten breitet sich ein besonders aggressiver Ebola-Stamm in Westafrika aus. Neuen WHO-Zahlen zufolge gab es bis zum 23. Juli insgesamt 1201 Fälle, 672 Menschen starben an der Seuche. Betroffenen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria.

Das Ebola-Virus löst hämorrhagisches Fieber aus, das in einer Vielzahl von Fällen zum Tod führen kann. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten.

Mediziner stecken sich an

Der Kampf gegen die Seuche wird vor Ort dadurch erschwert, dass sich mehr und mehr Personal in den Ebola-Zentren selbst mit dem Virus ansteckt. Die meisten überlebten bisher nicht.

So starb auch der für sein Engagement gegen Ebola bekannte Sheik Umar Khan in einer Klinik im Norden von Sierra Leone, wie seine Ärzte am Dienstagabend auf Twitter mitteilten. Er hatte sich im Kampf gegen die tödliche Viruskrankheit selbst infiziert.

Bereits vor wenigen Wochen war ein ugandischer Arzt in Liberia gestorben, am Wochenende erlag einer der führenden Mediziner des John F. Kennedy Medical Center in Monrovia der Krankheit. Auch zwei Amerikaner, die für eine Hilfsorganisation arbeiten, sind erkrankt.

EU stockt Hilfe auf

Die Europäische Union stellte weitere zwei Millionen Euro für den Kampf gegen das Virus zur Verfügung. Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva sprach von einem «extrem besorgniserregenden Ansteckungsgrad» in den betroffenen Staaten.

Nach einem Ebola-Verdachtsfall in Grossbritannien warnte auch der britische Aussenminister Philip Hammond vor einer «ernsthaften Gefahr». Zuvor war ein aus Westafrika zurückgekehrte Brite auf das Ebola-Virus getestet worden – der Verdacht hatte sich jedoch nicht bestätigt.

Flüge ausgesetzt

Nach der nigerianischen Fluggesellschaft Arik setzte auch die in Togo ansässige panafrikanische Airline ASky alle Flüge zu den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone aus.

Der liberianische Fussballverband sagte sämtliche geplanten Spiele im Land vorerst ab. Bereits zu Wochenbeginn hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf eine weitgehende Schliessung der Landesgrenzen angeordnet sowie alle Demonstrationen und Grossveranstaltungen untersagt.

Die bisher schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte war im März in Guinea ausgebrochen und hatte sich schnell in die Nachbarländer Liberia und Sierra Leone ausgebreitet. Es handelt sich um den ersten Ausbruch der Krankheit in Westafrika.

(sda)