Kapitän Schettino

22. Januar 2012 11:01; Akt: 23.01.2012 01:39 Print

«Die Reederei verlangte diesen Kurs»

Die Reederei ist für den Untergang der «Costa Concordia» verantwortlich. Das sagt Unglückskapitän Francesco Schettino. Die «Verbeugung» vor Giglio sei geplant und von den Chefs angeordnet gewesen.

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Infografik: Der Rettungsplan für die «Costa Concordia».

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Der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes hat die Reederei Costa Crociere für sein riskantes Manöver vor der Insel Giglio verantwortlich gemacht. Laut «La Repubblica» hat Francesco Schettino bei einer Anhörung vor Gericht diese Woche erzählt, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar «wurde noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt».

Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, «machen wir Werbung für uns», zitierte der «Corriere della Sera» den unter Hausarrest stehenden Kapitän der «Costa Concordia».

Manöver dieser Art habe es bereits «vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt» gegeben, habe Schettino vor der Untersuchungsrichterin am vergangenen Dienstag weiter gesagt. Im Anschluss an seine Aussage war er aus der Haft in den Hausarrest entlassen worden.

Blackbox kaputt?

Dagegen will die Staatsanwaltschaft Grosseto Rekurs einlegen und hofft auf die Daten und aufgezeichnete Gespräche der in den vergangenen Tagen gefundenen Blackbox in dem vor Giglio leckgeschlagenen Schiff.

Diese Hoffnung zerstreute Schettino schon in seiner Aussage vor Gericht. «Wir hatten an Bord ein Problem, seit 15 Tagen war das Backup der Sprachaufzeichnung kaputt. Wir haben einen Techniker gebeten, das Problem zu beheben, aber das ist nicht passiert.»

Zugleich rechtfertigte der Kapitän, den Notruf an die Küstenwache mehr als eine Stunde verzögert zu haben: «Wir mussten auf Nummer sicher gehen, denn ich wollte weder Passagieren ins Meer schicken noch Panik verbreiten, und es hätte unnötig Tote gegeben.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • avicii am 22.01.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nun sieht man die andere Seite...

    Plötzlich scheint nicht mehr der Kapitän der Schuldige zu sein. Er scheint nun nur den von der Reederei verlangten Kurs gefahren zu haben, aber hätte er gesunden Menschenverstand walten lassen und wäre er 100m weiter aussen durchgefahren, wäre das alles nicht passiert. Das mit dem Warten beim Notruf absetzen ist verständlich, aber wieso er als erstes vom Schiff ging wird er nicht so schnell rechtfertigen können.

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  • Stefan W. am 22.01.2012 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Kapitän ist der Chef

    Für die Sicherheit der Menschen an Bord eines nautischen Fahrzeuges ist einzig und alleine der Kapitän verantwortlich. Ihm alleine unterliegt die Entscheidungsgewalt der sicherrn Kurswahl. Das ist Grundwissen der nautischen Rechtsprechung: Der Kapitän untersteht in dieser Frage keinem Vorgesetztem. Kein Management und schon gleich gar keine Konzernleitung hat die Befugnis, einem Kapitän einen gefährlichen Kurs in unsicheres Gewässer anzuordnen. Rocco Schettino versucht hier mit äusserst polemischer Argumentation sich seiner Verantwortung zu entziehen.

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  • Peter Klausens am 22.01.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Errare humanum est.

    Menschlicher Fehler.. nicht das Schiff oder die Qualität war an dem ganzen Schuld. Ich hoffe das haben alle die etwas mit dem versenken von 570 Mio. zu tun haben begriffen. Ich hoffe Costa erholt sich von dem Schlag! Forza!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ericsson am 23.01.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    sorry schettinho

    Schettino: " ich wollte die Evakuierung organisieren, doch dann bekam ich einen Pfeil ins Knie ;-) "

  • J. Roth am 23.01.2012 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    schettino

    Wieso hassen alle jetzt Schettino? Beim Untergang der Titanic war es auch Schuld des Kapitäns, da er eindeutig zu schnell gefahren war und somit den Eisberg zu spät entdeckt hatte. Wieso wurde er nicht gehasst, sondern als Held gefeiert? Etwa weil er am Steuerrad blieb und mit dem Schiff untergegangen ist? Hat er so Menschenleben gerettet? Wohl kaum..

    • C.L. am 23.01.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Fernglas

      Bei der Titanic war es nicht alleine die Schuld des Kapitäns, die Wachen an Deck hatten, soweit ich weis, keine Ferngläser, und im gegensatz handelte Schettino bewusst fahrlässig

    • Christian S. am 23.01.2012 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      Zur Titanic

      Des weiteren, hatte die Titanic viel zuwenig Rettungsboote, da sie als unzerstörbar galt. Sorry, aber die Titanic ist eine ganz andere Geschichte...

    • Dosch am 23.01.2012 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe das wie Herr Roth

      Natürlich war bei der Titanic der Kaptän schuld weil er anstatt 10 - 20 Knoten fahren lies.. das mit Ferngläser und Retungsboote ist absoluter Quatsch, keines der Schiffe hatte Rettungsboote für alle Passagiere, da diese nicht zu Rettung an sich sondern zum Transfer dienten. Zur Titanic Zeit war die Route die die Titanic fahrte so gut befahren das man immer Hilfe in der nähe hatte.

    • J. Roth am 23.01.2012 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      KAPITÄN! NICHT STORY

      @ Christian S.: es geht auch nicht, um den Vergleich des Vorfalls sondern um den Kapitän. Und dieser hatte ebenfalls Mitschuld und versuchte nicht wirklich zu helfen. Ist mir klar, dass die Titanic eine andere Geschichte ist, aber danke für den Hinweis!

    • skipper am 23.01.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

      kapitän

      es ist IMMER der Kapitän schuld. Das ist seine verantwortung die er trägt.

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  • Marco Weber am 23.01.2012 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich!

    "Das Backup der Sprachaufzeichnungen war seit 15 Tagen kaputt." Er stolperte ja auch in ein Rettuntsboot und war deshalb nicht mehr auf dem Schiff. Dieser arme Tropf von Kapität versucht sich mit Händen und Füssen gegen die Wahrheit zu wehren. Wie kann so jemand Kapitän werden??

    • la vertià am 23.01.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      Schettino ist ein Held

      Die Wahrheit um Schettino ist, dass er vom Felsen aus dir Rettungsaktion koordinierte. Es war der bestmögliche. Es ist ein Unterschied ob eine Havarie auf offener See oder am Ufer ist. Das Seerecht erlaubt dem Kommandaten in dieser Situation das Schiff zu verlassen. Mit seiner 180 Grad Wende und der anschliessenden Strandung hat Schettino Hunderte von Leben gerettet. Die Reederei zwang ihn diesen Kurs zu nehmen.

    • auch ein Südländer am 23.01.2012 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Denke ich auch

      Das glaube ich auch... Ist schon ein wenig typisch für Südländer...

    • Petra am 23.01.2012 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      @ la verità

      Ich bin genau Deiner Meinung. Schettino, dieser arme Kerl, darf jetzt den Kopf hinhalten. Und wie Du so schön sagt, hätte er nicht gestrandet sondern wäre er aufs offene Meer gefahren, würden wir von 2000 toten sprechen. Und dass die Rheederei Kohle macht mit der Verneigung ist für mich unumstritten.

    • Ricardo Granda am 23.01.2012 12:56 Report Diesen Beitrag melden

      @ la vertià

      Man kann nicht von einem Felsen aus die Rettung auf einem so grossen Schiff koordinieren, wie soll das gehen, per Telepathie? Es gibt auch kein Gesetz, dass dem Kapitän erlaubt in so einem Fall das Schiff zu verlassen, sondern es ist Ehrensache, dass der Kapitän bis zum Schluss an Bord bleibt, er muss nicht gleich mit dem Schiff ersaufen. Und wenn dieser Kurs von der Reederei verlangt wurde ( muss zuerst bewiesen werden), dann sicher nicht so nah am Ufer, dass das Schiff aufgeschlitzt wird. Schliesslich waren die Felsen auf der Seekarte vermerkt, nicht wahr?

    • Charly Geissmann am 23.01.2012 18:22 Report Diesen Beitrag melden

      Harakiri

      @Ricardo Granda - ein Gesetz erlaubt nicht, es gebietet und verbietet. Das mit der Ehrensache ist wie Harakiri bei den Japanern, eine alte Sage, nicht mehr und nicht weniger

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  • Marie am 23.01.2012 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich wussten die das!

    Schon der Anruf sofort nach dem Aufprall sagt es ja schon deutlich: "sbagliato la manovre" - "Ich habe das Manöver versaut". Er sprach deutlich vom Manöver. Das Manöver, also wussten sie es. Sonst hätte er gesagt: "Ich habe Mist gebaut" oder "Es gab einen Unfall" oder ähnlich. Seine Meldung wäre unbestimmt gewesen. Aber er bezog sich deutlich auf "das Manöver".

  • Marie am 23.01.2012 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts tun wäre ev. besser gewesen

    Das Schiff ist Backbord an den Felsen gelaufen, und zwar ca. in der Mitte. Das heisst dass der schmale Bug dran vorbeikam, die breite Mitte jedoch nicht mehr. Aber: zwischen Bug und Mitte sitzt der Stabilisator, und der ragt ca. 8-10 Meter gerade vom Schiff ab. Und der ist unbeschädigt. Heisst: Schettino sah Schaum, analysierte korrekt: Felsen! & drehte hart Steuerbord ab. Der Bug scherte nach Steuerbord aus, das Heck Backbord - und die Mitte traf den Felsen. Vielleicht wären sie ohne Manöver dran vorbeigekommen.