Sri Lanka

18. Mai 2009 15:48; Akt: 18.05.2009 15:48 Print

«Die Regierung hat keine politische Lösung»

von Peter Blunschi - Die srilankische Armee hat die Tamil Tigers besiegt, doch eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Die Regierung will tamilische Flüchtlinge bis drei Jahre in Lagern einsperren, in denen teils üble Zustände herrschen.

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Tamilische Frau in einem Flüchtlingslager in Vavuniya. (Bild: Reuters)

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Offiziell spricht die Regierung von «Welfare Camps» (Wohlfahrtslagern). Vertreter von Hilfswerken bezeichnen sie intern nur als «Detention Camps», als Internierungslager. Gemeint sind Zeltstädte, in denen die srilankische Regierung die Flüchtlingen aus dem Kriegsgebiet im Nordosten des Landes unterbringen will. Vier dieser Lager für insgesamt rund 250 000 Menschen sollen in der Region Vavuniya entstehen, doch die Regierung ist nach der Eskalation der letzten Monate mit dem Bau im Rückstand.

In den bestehenden Camps herrschen folglich Zustände, «die nicht den Standards von Flüchtlingslagern entsprechen», wie ein Mitarbeiter einer internationalen Organisation, der namentlich nicht genannt sein will, gegenüber 20 Minuten Online erklärte: «Sie sind überbevölkert, es gibt zu wenig sanitarische Einrichtungen und als Folge davon Seuchengefahr und viele Krankheiten wie Krätze und Durchfall. Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist mangelhaft.» Ausserdem hätten die Internierten in den militärisch bewachten Lagern nicht die Rechte, die ihnen eigentlich zuständen.

LTTE-Kämpfer ausfiltern

Bis drei Jahre sollen die tamilischen Flüchtlinge in den Lagern eingesperrt werden, damit die Regierung mögliche Kämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) ausfiltern kann. Bereits im Kriegsgebiet finde ein erstes Screening unter den Flüchtlingen statt, ein weiteres vor dem Transport aus den Transitlagern in Vavuniya in die Camps, erklärte der Hilfswerk-Mitarbeiter. Die Regierung begründe die lange Internierung zudem mit dem Zeitbedarf, um die Rückkehr zu organisieren und das Gebiet von Minen zu säubern.

Dabei zweifeln viele Beobachter, dass Präsident Mahinda Rajapaksa nach dem militärischen Sieg ein Konzept hat, um auch den Frieden zu gewinnen. «Die Regierung hat keine politische Lösung anzubieten», betont der Informant von 20 Minuten Online. Sie müsse in einer Region, die teil jahrzehntelang von der LTTE regiert wurde, alles neu aufbauen. Ein zusätzliches Problem seien regierungstreue tamilische Paramilitärs, die zunehmend die Bevölkerung terrorisierten: «Die Regierung hat sie nicht im Griff.»

Druck aus dem Ausland

Beobachter vor Ort und Kommentatoren fordern deshalb, dass die internationale Gemeinschaft Druck aufsetzt und Konzessionen zugunsten der Tamilen verlangt. So ist Tamilisch nach wie vor nicht als offizielle Sprache anerkannt. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn Sri Lanka ist ein Land ohne bedeutende Ressourcen, die Regierung ist zur Ankurbelung der Wirtschaft und zum Wiederaufbau im Norden auf ausländische Hilfe angewiesen. Auch die tamilische Diaspora könnte sich finanziell engagieren.

«Nun ist der Weg frei für eine wirklich faire und auf einem weitreichenden Autonomieangebot basierende Versöhnung», hält die «Süddeutsche Zeitung» in ihrem Kommentar fest und warnt gleichzeitig: «Sollten es die singhalesischen Hardliner in der Regierung sein, die das weitere Vorgehen jetzt bestimmen, dann könnte damit bereits der Keim für die nächste Rebellion gelegt sein.»