Verschwundener Journalist

10. Oktober 2018 17:35; Akt: 10.10.2018 17:35 Print

«Die Saudis lagen im Konsulat auf der Lauer»

Nach dem Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul sind neue Einzelheiten zu dem mysteriösen Fall veröffentlicht worden.

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US-Aussenminister Mike Pompeo hat am Mittwoch in Ankara den Fall des verschwundenen saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi erörtert. Direkt nach seiner Ankunft am Flughafen in Ankara traf er dort ... ... den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der US-Aussenminister hatte zuvor mit dem saudiarabischen König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman gesprochen. Saudi-Arabien habe ihm eine «vollständige» Untersuchung zugesichert, bei der niemand verschont werden solle, sagte Pompeo. Am Dienstag, 16. Oktober, durchsuchte die türkische Polizei das saudiarabische Konsulat. Uniformierte Polizisten und Beamte in Zivil fuhren mit mehreren Fahrzeugen vor und betraten umgehend das Gebäude. Die Ermittler suchten vor allem nach DNA-Spuren des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi. Die Ermittler erhoffen sich dadurch Aufklärung über den Verbleib des saudischen Regimekritikers. Der türkische Fernsehsender TV 24 veröffentlichte Bilder einer Überwachungskamera, die Khashoggi beim Betreten des Konsulats zeigen sowie ... ... einen schwarzen Van, der zwei Stunden später das Gebäude verlässt. Danach fuhr das Auto zur nahe gelegenen Residenz des Konsuls. Auf den Überwachungsvideos ist Khashoggis Verlobte zu erkennen, wie sie stundenlang und zunehmend nervös vor dem Konsulat wartet. Die regierungsnahe Zeitung «Sabah» veröffentlichte die Namen, Geburtsdaten und Fotos von 15 Männern, die sie als Mitglieder des angeblichen «Anschlagsteams» bezeichnete. Die Fotos stammten demnach von der Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen und der Rezeption eines Luxushotels, in dem die Saudiaraber nach ihrer Ankunft eincheckten, ohne dort aber die Nacht zu verbringen. Stattdessen kehrten sie bereits am gleichen Abend in Privatjets über Dubai und Ägypten nach Saudiarabien zurück. «Hürriyet» berichtet zudem, neun der Saudiaraber hätten in Istanbul Koffer gekauft, diese aber beim Abflug nicht mitgenommen. Khashoggi war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme in die USA ins Exil gegangen, wo er unter anderem für die «Washington Post» schrieb. Der Saudi ging ins Konsulat in Istanbul, weil er dort Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen wollte. Er schlug Sicherheitsbedenken aus: «Die Saudis können mir in der Türkei nichts anhaben.» Die türkische Polizei geht davon aus, dass Khashoggi in dem Konsulat ermordet wurde. Nach Angaben türkischer Offizieller zeigen Videoaufnahmen, dass Khashoggi das Konsulat betreten, aber nicht mehr verlassen hat. Die saudische Seite erklärte dagegen, Khashoggi sei erst nach dem Besuch in dem Konsulat verschwunden. Khashoggi ist ein Veteran des Journalismus in Saudiarabien. Wegen seinen kritischen Artikel eckte er bei der Führung immer wieder an. Nachdem er vergangenes Jahr in die USA ins Exil gegangen war, schrieb er Meinungsbeiträge für die «Washington Post» und den britischen «Guardian». In seinen Artikeln kritisierte er immer wieder die Politik von Kronprinz Muhammad und die saudiarabische Militärintervention im Jemen. Am Montag, 8. Oktober, kam es zu Protesten vor dem saudiarabischen Konsulat in Istanbul. Nach Khashoggis Verschwinden haben die türkischen Behörden einem Medienbericht zufolge die Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats in Istanbul gefordert. Riad hat dem zugestimmt. Man habe nichts zu verbergen.

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Die regierungsnahe Zeitung «Daily Sabah» druckte am Mittwoch Bilder der angeblichen Mitglieder des «Anschlagteams» ab: Veröffentlicht wurden Namen, Geburtsdaten und Fotos von 15 Männern, die die Zeitung als Mitglieder des angeblichen «Anschlagteams» bezeichnete.

Die Fotos stammten demnach von der Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen und von der Rezeption eines Luxushotels, in dem die Saudis nach ihrer Ankunft eincheckten – ohne dort aber die Nacht zu verbringen. Laut Informationen von «Sabah» seien die 15 Saudis stattdessen noch am Abend nach Saudiarabien zurückgekehrt.

US-Geheimdienst hörte offenbar Gespräch ab

Auch die türkische «Hürriyet» berichtet von einem auffälligen Verhalten der Männer: So hätten neun von ihnen in Istanbul Koffer gekauft, diese aber beim Abflug nicht mitgenommen.

Die türkische Polizei hegt den Verdacht, dass Khashoggi beim Besuch des Konsulats seines Landes am Dienstag vergangener Woche ermordet wurde. Riad bestreitet dies. Der regimekritische Journalist sei verschwunden, nachdem er das Konsulat verlassen habe. Belege dafür legte Riad bislang aber nicht vor.

Vielmehr scheint sich der Verdacht immer mehr zu erhärten, dass es einen regelrechten Komplott gegen Khashoggi gegeben hat. So soll der US-Geheimdienst ein Gespräch zwischen Vertretern Saudiarabiens abgefangen haben, in dem diese über einen Plan zur Festnahme Khashoggis berieten. Demnach ging es um Wege, ihn nach Saudiarabien zu locken, wie die «Washington Post» berichtet. Die Saudis lagen «im Konsulat auf der Lauer und warteten auf Khashoggi», schreibt die Zeitung, für die der Regimekritiker unter anderem geschrieben hatte.

Durchsuchung hat noch nicht stattgefunden

Die Polizei ermittelt inzwischen gegen die 15 Saudis. Sicher sieben von ihnen sollen zum Zeitpunkt von Khashoggis Besuch im Konsulat gewesen sein.

Saudiarabien stimmte am Dienstag zu, dass die türkische Polizei das Konsulat in Istanbul durchsucht. Bisher fand die Durchsuchung aber nicht statt. Der Fall sorgt seit Tagen international für Aufsehen.

Verlobte bittet Trump um Hilfe

Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz bat am Dienstag US-Präsident Trump in der «Washington Post» um Hilfe bei der Aufklärung des Falls. Khashoggi war in das Konsulat gegangen, um ein Dokument für die Heirat mit Cengiz abzuholen.

Khashoggi war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme in die USA ins Exil gegangen, wo er unter anderem für die «Washington Post» schrieb. Drei Tage vor seinem Verschwinden äusserte er in einem Interview mit der BBC die Sorge, bei einer Rückkehr nach Saudiarabien verhaftet zu werden.

Reformen, aber auch scharfe Repressionen

Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zufolge wurden in Saudiarabien im letzten Jahr mindestens 15 Journalisten und Blogger festgenommen. Zumeist sei ihre Festnahme nie offiziell bestätigt worden, und auch der Ort oder die Gründe ihrer Inhaftierung seien nicht öffentlich gemacht worden, erklärte RSF.

Der mächtige Kronprinz Muhammad bin Salman hat weitreichende Reformen eingeleitet, zugleich aber die Repression gegen Kritiker verschärft. Khashoggi hatte dies wiederholt kritisiert und sich auch gegen die Militärintervention im Jemen, die Blockade Katars und die Verfolgung der Muslimbruderschaft ausgesprochen.

(sda)