Weltflüchtlingstag

20. Juni 2011 07:35; Akt: 20.06.2011 08:09 Print

«Die Welt lässt Flüchtlinge im Stich»

Die Klagen und Vorurteile gegenüber Migranten häufen sich in den reichen Industriestaaten. Doch zu tragen hätten die Flüchtlingswelle vor allem die ärmsten Länder, berichtet die Uno.

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Infografik: Die Festung Europa.

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Vier von fünf Flüchtlingen weltweit leben in Entwicklungsländern. Doch obwohl gerade die ärmsten Länder besonders viele Flüchtlinge aufgenommen haben, nehmen Vorbehalte gegen Migranten in reichen Industriestaaten deutlich zu.

Das sind Kernaussagen des Jahresberichts «Global Trends 2010», den das Uno-Flüchtlings-Hochkommissariat (UNHCR) an diesem Montag aus Anlass des Weltflüchtlingstages in Rom vorstellt.

Danach lebten die meisten Flüchtlinge im vergangenen Jahr in Syrien, dem Iran und Pakistan – jeweils von einer bis knapp zwei Millionen Menschen. Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres will den Bericht in Italien erläutern, das seit Jahresbeginn Anlaufpunkt für zehntausende Flüchtlinge ist.

43,7 Millionen 2010 auf der Flucht

«Ängste vor angeblichen Massenbewegungen sind massiv übertrieben oder fälschlicherweise mit Fragen der Migration verknüpft», sagte Guterres laut einer Mitteilung. Er warnte vor schweren Fehleinschätzungen über Flüchtlingsbewegungen, «während die übrigen ärmeren Länder die Belastungen tragen».

Etwa 43,7 Millionen Menschen waren dem Bericht der Genfer Uno-Organisation zufolge 2010 auf der Flucht, was der Bevölkerung von Kolumbien oder Südkorea entspricht. Zum Vergleich: Bei Gründung des UNHCR vor 60 Jahren kümmerte sich die Organisation um 2,1 Millionen Europäer, die der Zweite Weltkrieg entwurzelt hatte.

Unterschieden wird heute etwa zwischen den 15,4 Millionen Flüchtlingen und den 27,5 Millionen Menschen, die durch Konflikte heimatlos in ihrem eigenen Land sind. Das ist die höchste Zahl sogenannter Binnenvertriebener seit einem Jahrzehnt. Hinzu kommen die registrierten Asylsuchenden. Nur knapp 200 000 Menschen konnten in ihre Heimat zurückkehren. Das war die niedrigste Zahl seit 1990.

Aufruf an Industriestaaten

Guterres betonte das besondere Problem der Langzeit-Flüchtlinge, die fünf Jahre oder länger im Exil leben müssten. Das waren im vergangenen Jahr unter UNHCR-Mandat 7,2 Millionen Menschen - so viele wie zehn Jahre lang nicht mehr.

«Die Welt lässt diese Menschen im Stich, das Leben der Betroffenen endet für unbestimmte Zeit in der Warteschleife», mahnte Guterres. Die Industrieländer müssten sich damit befassen, denn mehr Belastungen könnten die Entwicklungsländer nicht tragen. Deutschland ist nach dem Bericht das Industrieland mit der höchsten Zahl an Flüchtlingen (594 000).

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 20.06.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    WIRTSCHAFTS-FLÜCHTLINGE STOPPEN

    Es kann nicht sein, das Probleme/Konflikte in andere Länder exportiert werden. Es braucht entlich eine neue Welt-Ordnung die sich dem Flüchtlings-Strom aus aller Welt annimmt - vorallem vor Ort in den Krisengebieten muss mehr getan werden.

  • Ekel eines Kriegsflüchtling am 20.06.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftsflüchtlinge

    Ganz klar-der Westen hat einfach genug von den Wirtschaftsflüchtlingen.Wieso müssen wir Menschen aufnehmen,nur weil diese in ihrem Land nicht den gleichen Lebensstandart haben?Kriegsflüchtlinge die um ihr Leben fürchten müssen sollen/müssen aufgenommen werden. Aber sicher keine Menschen die denken, dass bei uns Milch und Honig fliessen. Es sollte in den Ländern propagiert werden, dass hier niemand auf diese Menschen wartet und dass sie eh keinen Job bekommen werden.Ansonsten kommen immer wie mehr, die das Gefühl haben kaum sind sie hier, fahren sie schon einen Mercedes.

  • Helvetia am 21.06.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte an 20Minuten...

    Es wäre von Vorteil, wenn die Presse die Headlines so neutral wie nur möglich formulieren könnte! Entweder sind die Titel provokativ oder tendenziös! Ich brauche NUR INFORMATIONEN,denken kann ich selber! Die Überschrift; die Welt lässt Flüchlinge im stich, könnte z.B. heissen; 43 Millionen auf der Flucht. Bei solchen sachlichen Infos wären auch die Kommentare objektiver.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Verena am 21.06.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fast 2 Jahreslöhne geschenkt

    Bei einem Durchnittseinkommen von 250 - 300 Dinar in Tunesien pro Monat und diesen 4000.- mit denen BR Sommaruga jedem tunesischen Flüchtling hofiert muss man sich auch nicht wundern, dass so viele Wirtschaftsflüchtling kommen und dass plötzlich halb Afrika aus Tunesiern besteht. 4000 Chf entsprechen 6567 Dinar. Das sind fast 2 Jahreslöhne !!!

    • Till Sitter am 21.06.2011 20:43 Report Diesen Beitrag melden

      @ Verena

      Und das ist alles was Ihnen zu diesem menschlichen Elend einfällt ?

    einklappen einklappen
  • Helvetia am 21.06.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte an 20Minuten...

    Es wäre von Vorteil, wenn die Presse die Headlines so neutral wie nur möglich formulieren könnte! Entweder sind die Titel provokativ oder tendenziös! Ich brauche NUR INFORMATIONEN,denken kann ich selber! Die Überschrift; die Welt lässt Flüchlinge im stich, könnte z.B. heissen; 43 Millionen auf der Flucht. Bei solchen sachlichen Infos wären auch die Kommentare objektiver.

  • Laura am 20.06.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Diktatoren keine Chance geben

    Die Welt-Wirtschaft sieht leider nur immer die grossen Geschäft wo abgezockt werden kann - doch gegen Korupte Diktatoren macht man erst etwas, wenn alles zu späht ist.

  • Claudia am 20.06.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    WIRTSCHAFTS-FLÜCHTLINGE STOPPEN

    Es kann nicht sein, das Probleme/Konflikte in andere Länder exportiert werden. Es braucht entlich eine neue Welt-Ordnung die sich dem Flüchtlings-Strom aus aller Welt annimmt - vorallem vor Ort in den Krisengebieten muss mehr getan werden.

  • Laredo am 20.06.2011 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Asylant nicht gleich Asylant

    Ich wäre auch nicht bereit, einen Flüchtling aufzunehmen, wenn dieser am Ende weder bereit ist, die Geste der Gastgeber zu respektieren u nur das Ziel hat, vom Gastgeber zu profitieren. Und, man sollte sich mal die Flüchtlinge anschauen, das sind mehrheitlich nur Männer, junge Männer, ganz selten Frauen oder Familien. Damals im Jugoslawienkrieg hatten wir eine Familie hier zu Gast, die flüchtete. Sehr nette u anständige Leute, die sofort zurückzogen nach Ende des Krieges, obwohl sie nur verbrannte Erde vorfanden. Und heute die Flüchtlinge?