Tante Tima Kurdi

04. September 2015 12:32; Akt: 04.09.2015 12:55 Print

«Die ganze Welt ist schuld an Aylans Tod»

Die Tante des ertrunkenen Flüchtlingsbuben Aylan (3) bereut zutiefst, der Familie Geld für die gefährliche Überfahrt geschickt zu haben.

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Ein unerträgliches Foto, das die Welt erschüttert: Ein Helfer birgt den toten syrischen Flüchtlingsjungen Aylan aus dem Mittelmeer.

Zusammen mit seinem älteren Bruder Galip (5) und seiner Mutter Rehan (35) ertrank er auf der Flucht von der Türkei nach Griechenland, nachdem ihr Boot gekentert war. Ihr Vater Abdullah überlebte das Unglück. Aylans Tante Tima Kurdi macht sich nun grosse Vorwürfe. Sie hatte der Familie das Geld für die Überfahrt geschickt, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen.

«Ich habe meinem Bruder gesagt: ‹Es tut mir leid, ich hätte euch nie Geld schicken sollen. Hätte ich euch das Geld nicht geschickt, hättet ihr die Reise nicht unternommen›», sagte Kurdi während einer emotionalen Pressekonferenz.

«Ich gebe der ganzen Welt die Schuld für Aylans Tod»

Die Familie wollte eigentlich nach Kanada auswandern, doch ihr Antrag wurde abgelehnt. «Ich mache nicht nur die kanadische Regierung für das Geschehene verantwortlich. Ich gebe der ganzen Welt die Schuld dafür», so Kurdi weiter, wie «mirror.co.uk» schreibt.

Kanadas Regierung hat sich inzwischen zum Vorfall geäussert und erklärt, die Unterlagen seien unvollständig gewesen und deshalb der Familie zurückgeschickt worden.

Einwanderungsminister ignorierte Brief

Aylans Tante hatte in diesem Jahr dem kanadischen Einwanderungsminister Chris Alexander einen Brief geschickt. Er habe diesen gelesen, bestätigte er gegenüber dem Fernsehsender CBS. Als Minister sei es ihm aber nicht möglich gewesen, sich persönlich für Einzelfälle einzusetzen.

Auch Vater Abdullah Kurdi ist untröstlich. «Alle haben sich noch versucht festzuhalten. Ich hielt die Hand meiner Frau. Die Kinder glitten mir aus den Händen. Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten zu diesem Zeitpunkt noch», sagte er der türkischen Zeitung «Hürriyet».

Vater will seine Familie in Syrien beerdigen

Und weiter: «Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den zweiten zu retten.» Als er sich danach um seine Frau habe kümmern wollen, sei diese bereits tot gewesen. Weitere drei Stunden vergingen, bis er selbst von der Küstenwache gerettet wurde.

Der Vater will nun nach Syrien zurückkehren und seine Frau und die beiden Söhne dort beerdigen.

(pat)