Ungarn

15. März 2019 11:17; Akt: 15.03.2019 18:39 Print

Der Distracted Boyfriend wirbt für Familienpolitik

Die Regierung Ungarns wirbt für eine neue Familienpolitik – ausgerechnet mit dem dysfunktionalsten Paar im Internet.

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Ein junger Mann mit Dreitagebart umarmt eine junge Frau, beide kuscheln auf einer Couch und lächeln sich an. Das Bild ist Teil einer Plakatkampagne, mit der die Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban für eine neue Familienpolitik wirbt: «Junge verheiratete Paare erhalten Unterstützung, wenn sie ein Kind erwarten», lautet der begleitende Text.

Wer genauer hinschaut, erkennt die beiden Menschen auf dem Plakat sofort: Es ist das Paar aus dem bekannten «Distracted Boyfriend»-Meme. In dem Meme schaut ein Mann einer anderen Frau hinterher, während er mit seiner Freundin Händchen haltend auf der Strasse spaziert.


«Diese nützlichen Idioten»

Dass ausgerechnet ein Foto mit diesen beiden Models für eine familienfreundliche Plakatkampagne gewählt wurde, sorgt bei der ungarischen Webgemeinde für viel Spott. Viele User basteln neue Versionen der Plakate mit dem Distracted Boyfriend, um den derzeitigen Knatsch zwischen Orbans Partei Fidesz und der Europäischen Volkspartei EVP zu illustrieren.

Orban hatte neulich in einem Interview seine Kritiker in der EVP als «nützliche Idioten» bezeichnet. Diese glaubten, einen geistigen Kampf zu führen, dienten stattdessen aber den Machtinteressen anderer, hatte der rechtskonservative Regierungschef der «Welt am Sonntag» gesagt.

Plakate wurden rasch wieder entfernt

Am Donnerstag erklärte die ungarische Regierung, Orban habe die EVP in einem Schreiben um Entschuldigung gebeten. In seinem Brief distanzierte er sich nun von der Formulierung. «Ich möchte mich entschuldigen, wenn Sie diese Äusserung als persönlich beleidigend empfunden haben», schrieb Orban laut «De Standaard» an Wouter Beke, dem Vorsitzenden der belgischen christdemokratischen Partei CD&V, ebenfalls Mitglied der EVP.

Die Fidesz-Partei steht innerhalb der EVP-Parteienfamilie extrem unter Druck, seit Orban den EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mit einer Plakatkampagne scharf angegriffen hat. Auf den Plakaten, die Orban in Ungarn hatte aufhängen lassen, sind Juncker sowie George Soros, der liberale US-Milliardär ungarischer Herkunft, zu sehen. Beide werden mit falschen Behauptungen zur Einwanderungspolitik verunglimpft. Laut der BBC liess die ungarische Regierung die Plakate nur wenige Stunden, nachdem sie aufgehängt worden waren, wieder entfernen.

(kle)