Plagiatsvorwürfe

17. Februar 2011 07:17; Akt: 17.02.2011 16:01 Print

«Doktor» Guttenberg soll zurücktreten

Die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mehren sich. SPD und Linke forderten am Donnerstag einen Rücktritt des deutschen Verteidigungsministers.

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Guttenberg (am 13. Dezember 2010 in Kundus. (Bild: Keystone/AP)

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist kurz nach Beginn der Debatte über seine in Teilen wohl abgeschriebene Doktorarbeit zum Truppenbesuch nach Afghanistan gereist. Journalisten nahm der CSU-Politiker zum ersten Mal nicht mit, dafür aber den Verleger einer grossen Zeitung.

Er war nach Angaben seines Ministeriums bereits am Mittwoch zu seiner neunten Reise an den Hindukusch aufgebrochen. Im Norden des Landes besuchte er einen Aussenposten der Bundeswehr. Das genaue Reiseprogramm und auch der Termin seiner Rückkehr wurden aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Der Minister informiere sich über die Lage der Bundeswehr in Afghanistan, hiess es lediglich. Begleitet werde er von einer ganz kleinen Delegation.

Schummel-Affäre

In Deutschland zog die Schummel-Affäre derweil immer weitere Kreise. Guttenberg hat offenbar in seiner Dissertation Passagen wortwörtlich von anderen Autoren übernommen, ohne dies wie vorgeschrieben zu kennzeichnen. Der Minister hatte den Vorwurf der Täuschung als abstrus zurückgewiesen.

Doch gibt es immer mehr Anschuldigungen. Im Internet konnten Webnutzer auf neuen Plattformen mitteilen, wenn sie bei ihrer Mogelrecherche in Guttenbergs Dissertation fündig geworden sind. Und sie sind: Guttenberg hat nicht nur Zeitungsartikel abgeschrieben, sondern auch aus Webseiten der US-Botschaft und aus Reiseführern. Auch Texte von Wissenschaftlern und sogar von Parteifreunden wurden ohne Zitierung geplündert.

Zweifel an Autorität

SPD-Fraktionvize Gernot Erler äusserte Zweifel, «ob der Minister noch die notwendige Kraft, Konzentration und Autorität besitzt, seine Amtsgeschäfte ordentlich auszuführen und die anstehenden Herausforderungen 'zum Wohle des deutschen Volkes' - so verlangt es der Amtseid - zu bewältigen». Die Frage stelle sich, «wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich die Bundeskanzlerin fragen muss, wie lange sie dieser Entwicklung noch tatenlos zusehen kann».

Die Linke sprach sich für einen Amtsverzicht aus, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten. Parteichef Klaus Ernst sagte den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Donnerstagausgabe), wenn dies der Fall sei, «muss der Minister an sich die gleichen Massstäbe anlegen, wie er es im Fall des vom Dienst suspendierten Kapitäns der Gorch Fock gemacht hat»

Union verteidigt Minister

Die Union nahm den Minister in Schutz. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) zeigte sich gegenüber dem Fernsehsender N24 überzeugt, dass die Vorwürfe politisch motiviert sind. «Es wird parteipolitisch seitens der Opposition ausgeschlachtet. Es ist lächerlich, wenn ein Wissenschaftler meint, er hätte diese Fehler routinemässig gefunden. Man hat hier gezielt gesucht.» Das sei lediglich «eine neue Episode in dem bekannten Spiel Schlag' den Guttenberg».

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mahnte im «Hamburger Abendblatt»: «Die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister sollten ganz in Ruhe aufgeklärt werden.» Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen.

Das bayerische Wissenschaftsministerium sah sich vorerst nicht zum Handeln gezwungen. Das Prüfverfahren an der Universität Bayreuth sei mit der Anforderung einer schriftlichen Stellungnahme Guttenbergs «ordnungsgemäss eingeleitet» worden, sagte eine Ministeriumssprecherin auf dapd-Anfrage. Der Fall sei bei der Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft der Uni Bayreuth «in den besten Händen».

(ap)