Offener Brief an IS-Chef

26. September 2014 14:27; Akt: 26.09.2014 14:51 Print

«Du hast viele Unschuldige getötet»

Die Milizen des «Islamischen Staats» (IS) terrorisieren Menschen im Namen der Scharia. Jetzt wehren sich gemässigte Muslime öffentlich gegen diese «perverse Auslegung» des Islam.

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Mehr als hundert muslimische Gelehrte aus der ganzen Welt haben einen offenen Brief an den Chef der Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) Abu Bakr al-Baghdadi geschrieben. Sie klagen ihn an, den Islam als Legitimierung für die Gräueltaten des IS zu verwenden. Dies sei pervers und nicht rechtmässig, schreiben sie gemäss «Vice News».

«Die Menschheit sollte wissen, dass das, was der IS tut, nicht dem Islam entspricht», sagt Muzammil Siddiqi, Vorsitzender des Fiqh Council of North America, einer Gruppe von muslimischen Rechtsgelehrten, die den Brief mitveröffentlichten. «Es ist wichtig, dass eine grosse Anzahl Gelehrter sich äussert und sagt, dass dies falsch ist.»

Die Autoren listen IS-Praktiken auf, die der Islam ausdrücklich verbietet: Folter, Sklaverei, Zwangskonvertierungen, die Aberkennung von Rechten für Frauen und Kinder, das Töten Unschuldiger.

Der Aufbau eines Kalifats zwischen Syrien und dem Irak sei illegitim. «Wer gab dir die Authorität über die muslimischen Menschen? Eine Gruppe von ein paar tausend Menschen hat sich selbst als Führer von über 1,5 Milliarden Muslimen ernannt», heisst es in dem Brief.

«Dschihad ist ein nobles Konzept im Islam»

Die Verfasser appellieren an die Welt, IS-Kämpfer nicht als Dschihadisten zu bezeichnen. Dies sei ein Missbrauch des Begriffs. «Du hast viele Unschuldige getötet, nur weil sie deiner Meinung widersprechen. Diese Menschen waren weder Kämpfer noch bewaffnet. Es gibt keinen offensiven, agressiven Dschihad, nur weil Menschen eine andere Religion oder Meinung haben.»

«Dschihad ist ein nobles Konzept im Islam», erklärte Nihad Awad, nationaler Direktor des Council on American-Islamic Relations gegenüber «Vice News» nach Veröffentlichung des Briefs. «Es ist das Recht, sich selbst und sein Land zu verteidigen. Aber Menschen können dies nicht in ihre eigenen Hände nehmen. Als Aggressionsakt ist es ein Verstoss.»

Katar distanziert sich von IS

Eine weitere gewichtige Stimme aus der muslimischen Welt kommt aus Katar. Dem Wüstenstaat wird schon lange vorgeworfen, sunnitische Terrorgruppierungen wie den IS finanziell zu unterstützen. Jetzt wehrt sich erstmals der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, in einem Interview mit CNN. Hier seine Kernaussagen zu:
-dem Vorwurf der Unterstützung von Terroristen:
«Ich weiss, dass man in Amerika und einigen anderen Staaten jede Bewegung als terroristisch einstuft … Aber es gibt Unterschiede. Nicht jede Gruppe, die einen islamischen Hintergrund hat, ist gleich eine terroristische Organisation.»

-Syriens und Bashar al-Assads Verantwortung für die Expansion des IS:
«Der Grund für all das ist das Regime in Syrien und dieses Regime sollte bestraft werden. Wir haben vom ersten Tag an darauf hingewiesen, dass der Genozid in Syrien beendet werden sollte. (…) Nun ist die Situation so, dass sich die Syrer zwischen einem brutalen Regime und terroristischen Angriffen befinden.»

Sehen Sie das Video des Interviews hier:

(cfr)