Schweiz – Argentinien

01. Juli 2014 17:15; Akt: 01.07.2014 17:15 Print

«Egal, wer gewinnt – ich habe Grund zum Feiern»

von K. Leuthold, Buenos Aires - Wem drücken in Argentinien lebende Schweizer heute die Daumen? 20 Minuten hat Auslandschweizer im südamerikanischen Land gefragt.

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Auslandschweizer in Argentinien sind hin- und hergerissen. Die meisten wollen aber, dass Argentinien das Spiel vom 1. Juli 2014 gewinnt. Eine Ausnahmen ist der Präsident des Walliser Klubs in Rosario: «Egal, wer gewinnt, werde ich mich freuen. Ich habe Schweizer Blut und wohne in Argentinien», sagt Ricardo Edwards zu 20 Minuten. Man rechnet mit etwa 300'000 Nachkommen von Schweizer Auswanderern in Argentinien - das sind mehr Schweizer als in jedem anderen lateinamerikanischen Land. Bis 1940 sind über 44'000 Schweizer nach Argentinien ausgewandert. Der Ferienort San Carlos de Bariloche, der sich am Fusse der Anden befindet, wird oft als die «argentinische Schweiz» dargestellt und es sieht dort dank Seen und Bergen wirklich aus, wie bei uns in den Alpen. Und Ski gefahren wird dort auch! Das Souvenir, das man normalerweise aus Bariloche mitbringt, ist: Schokolade. Auf dem Foto ist das grösste Schoggi-Ei der Welt zu sehen, welches dort produziert wurde. 25 km von Bariloche entfernt gibt es eine «Colonia Suiza». Der ehemalige (und mittlerweile verstorbene) argentinische Präsident und Ehemann der jetzigen Präsidentin, Nestor Kirchner, hatte Vorfahren aus der Schweiz. Auf Wikipedia gibt es das Kapitel« Argentinien-Schwyzertütsch», welches erklärt, dass diese Sprache von Schweizern in Argentinien gesprochen wird. In Buenos Aires gibt es eine Geburtsklinik, welche Clinica y maternidad Suizo Argentina heisst und nach der Philosophie der Swiss Medical Group arbeitet. Der Schriftsteller Pedro Lenz schrieb ein Buch über die wahre Geschichte eines Schweizers, der im 19. Jahrhundert in Argentinien seinen Namen in Dr. Teófilo Romang änderte, ein Dorf gründete und sich von einem Tag auf den anderen Arzt nannte. Auch landeten einige Schweizer im nahen Uruguay, wo sie 1861 die Schweizer Kolonie «Nueva Helvecia» gründeten. Auch die gibt es immer noch samt Tracht. In San Jerónimo Norte (ca. 400km von Buenos Aires entfernt) wird auch nach über 150 Jahren noch Walliserdeutsch gesprochen. Rund eine Million Argentinier leben im Ausland. Knapp 6000 davon in der Schweiz. Nicht gerade wenig! Sind Sie einer davon und befinden sich beim morgigen WM-Spiel im Dilemma? Oder nehmen Sie das so locker wie Lionel Messi auf dem Bild? Schreiben Sie uns, für wen sie eher die Daumen drücken!

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Auslandschweizer in Argentinien haben es am Dienstag nicht einfach. Sollen sie jetzt für Argentinien miteifern, oder doch lieber das Schweizer Nati-Shirt anziehen? 20 Minuten hat sich in einigen der 56 Auslandschweizer-Vereinen im südamerikanischen Land umgehört.

Umfrage
Gewinnt die Schweizer Nati den Achtelfinal gegen Argentinien?
62 %
38 %
Insgesamt 40932 Teilnehmer

In den meisten Schweizer Kolonien ist man sich einig: «Wir sind für Argentinien», sagt Guillermo Paez vom Schweizer Klub in Rosario, 300 Kilometer nördlich von Buenos Aires. «Klar sind wir hin- und hergerissen, aber am Schluss schlägt unser Herz für das Land, in dem wir leben», meint auch Néstor Braillard von der Schweizer Vereinigung in Baradero, etwa 140 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt entfernt.

Entspannter nimmt es der Präsident des Walliser Klubs in Rosario, Ricardo Edwards. Er wird zwar das Schweizer T-Shirt anziehen, aber eigentlich ist es ihm egal, wer gewinnt. «Ich habe Schweizer Blut und wohne in Argentinien», sagt er. «Egal, wer gewinnt, es wird einen Grund zum Feiern geben.»

Respekt vor Schweizer Nati

Die meisten von ihnen hätten zwar die doppelte Staatsbürgerschaft, aber: «Unsere Fussball-Helden sind halt die Argentinier», sagt etwa Auslandschweizer Braillard. Von der Schweizer Nati habe er jedoch viel Gutes gehört. «Das ist eine starke Mannschaft mit einem sehr guten Trainer», weiss er.

Ein Public Viewing, so wie es in der Schweizer Botschaft in Buenos Aires stattfindet, wird es in den ländlichen Kolonien nicht geben. «Diese Gewohnheit ist bei uns nicht sehr verbreitet», erklärt Celia Tschieder vom Schweizer Verein Helvetia in San Jerónimo Norte.

Die ungünstige Spielzeit macht es auch nicht einfach:«Das Spiel findet bei uns um 13 Uhr statt. Wir arbeiten alle um diese Zeit. Wäre es auf ein Wochenende gefallen, würden wir es uns gemeinsam im Klubrestaurant ansehen», sagt Guillermo Paez. So oder so, vor dem Fernseher werden die meisten Auslandschweizer ein blau-weisses Trikot tragen.